Konflikt

Gaza schaffen ohne Waffen

Selbstverteidigung: das israelische Raketenabwehrsystem »Iron Dome« im Einsatz Foto: Flash 90

Eine Woche nach Beginn der »Operation Schutzlinie« wurde über die von Ägypten vorgeschlagene Waffenruhe beraten. Das israelische Sicherheitskabinett stimmte dem Vorschlag zu, die Hamas lehnte ab, setzte am Dienstag den Raketenbeschuss fort.

Während Verhandlungen über die Ausgestaltung der zukünftigen Sicherheitslage geführt werden, ist ein Blick zurück auf den 7. Juli angebracht – den Tag, an dem die Hamas 80 Raketen in nur 24 Stunden auf Israel abgefeuert hat. Das war der Tag, an dem Israel reagieren musste. Es war wieder einmal zu einer Militäroperation gezwungen, um seine Bürger zu schützen.

Die Hamas hat im Gazastreifen ein Terrorregime errichtet. Der Name ist ein arabisches Akronym für »Islamische Widerstandsbewegung«. Die Ideologie der Gruppe, in ihrer Charta festgeschrieben, ist antisemitisch, antiisraelisch und antiwestlich. Die Hamas erklärt unumwunden, dass das Ziel ihres religiösen Krieges die Zerstörung des jüdischen Staates ist. Dabei ist anzumerken, dass Israel im Hinblick auf diese islamistische Terrororganisation mit bedeutenden Kräften in der ägyptischen Welt – zum Beispiel Ägypten und Saudi Arabien – gleiche Interessen hat.

Hamas Die Raketen- und Mörserangriffe aus dem Gazastreifen begannen am 15. Juni, nur drei Tage nach der Entführung dreier israelischer Jugendlicher durch Hamas-Aktivisten. Als die Jungen am 30. Juni ermordet aufgefunden wurden, eskalierten die Angriffe der Hamas. Allein am 3. Juli wurden mehr als 40 Raketen auf Israel abgefeuert, beschädigten Häuser, Geschäfte und kommunale Einrichtungen. Zwischen dem 1. und dem 7. Juli feuerten die Terroristen über 180 Raketen auf Israel.

Die Hamas verfügt über ein Arsenal von mehr als 12.000 Raketen, davon etliche mit größerer Reichweite, die Jerusalem, Tel Aviv und sogar Haifa erreichen können. Israel war nicht überrascht. Die Sicherheitsdienste hatten Informationen über die militärischen Möglichkeiten der Hamas. Gleichwohl sieht die Realität in jedem Konflikt noch etwas anders aus als das zuvor Prognostizierte.

Die Raketen bedrohen das Leben von mehr als dreieinhalb Millionen Israelis. Die Bewohner der gefährdeten Städte und Regionen haben nur 60 Sekunden oder weniger Zeit, um einen Bunker zu erreichen, wenn der Alarm »Zewa Adom« ertönt. Das normale Leben kommt zum Erliegen, Sommercamps und Bildungsaktivitäten in den großen Ferien werden im südlichen Israel abgesagt, Hochzeiten und andere gesellschaftliche Ereignisse immer wieder plötzlich unterbrochen.

Kampagne Wieder einmal wurde die Widerstandsfähigkeit der israelischen Bevölkerung deutlich. Die Fähigkeit der Bürger, eine Kampagne, die mehrere Wochen lang andauert, durchzustehen, ist ein Schlüsselfaktor für deren Erfolg. Ein bestimmtes Verhaltensmuster bei solchen Militäreinsätzen gegen halbstaatliche Terrororganisationen wie Hisbollah und Hamas hat sich in den vergangenen zehn Jahren häufig wiederholt. Dabei durchläuft die Öffentlichkeit mehrere Zyklen. Zunächst ist breite Zustimmung für die Kampagne festzustellen.

In den ersten Tagen gibt es umfassende Unterstützung, insbesondere, wenn nennenswerte Erfolge verzeichnet werden. Dann, wenn die Zahl der Verletzten an der Heimatfront und unter den Soldaten zunimmt und sich die Erkenntnis durchsetzt, dass es keinen vollkommenen Sieg geben wird, wird die Öffentlichkeit ungeduldig und kritisch. Der Erfolg der militärischen Operation hängt von einer breiten Zustimmung ab. Die hatte die Regierung, als die Operation begann – dank ihres zurückhaltenden Vorgehens und dem wirkungsvollen Schutz der Heimatfront.

Wieder einmal sehen wir, dass Israel versucht, unschuldiges Leben zu schützen. Die israelische Armee setzt das Raketenabwehrsystem »Iron Dome« zum Schutz der eigenen Bevölkerung ein und unternimmt alles in ihrer Macht Stehende, um Opfer unter der palästinensischen Zivilbevölkerung zu vermeiden. Die Hamas hingegen missbraucht die eigene Bevölkerung als menschliches Schutzschild. Sie veröffentlicht Gräuelfotos – die oft aus ganz anderen Krisengebieten stammen – und nutzt andere Propagandamittel, um Israel zu dämonisieren.

Ruheperiode Was war das Ziel der israelischen Armee bei der »Operation Schutzlinie«? Zuallererst: den Raketenbeschuss zu unterbinden. Zusätzlich muss Israel die Abschreckungsfähigkeit wiederherstellen, um eine längere Ruheperiode zu erreichen.

Es muss verhindern, dass die Hamas nach der Operation erneut in der Lage ist, ihre militärische Infrastruktur weitgehend ungehindert wiederaufzubauen. Die Tunnel, durch die die Hamas militärische Ausrüstung schmuggelte, wurden von den Ägyptern zerstört. Nun muss sichergestellt werden, dass nach dem Militärschlag der Wiederaufbau des Arsenals, wenn überhaupt, nur langsam und begrenzt möglich sein wird.

Die Hamas wird hoffentlich verstehen, dass der einzige Weg, diesen blutigen Konflikt zu lösen, zum Verhandlungstisch führt. Das Ziel ist jetzt die Entmilitarisierung des Gazastreifens. Der Raketenterror der Hamas und ihrer Verbündeten gegen israelische Städte und Gemeinden muss endgültig ein Ende haben.

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