Berlin

»Garantin der Freiheit«

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist für ihre Verdienste um das jüdische Leben in Deutschland am Mittwoch in Berlin mit dem Abraham-Geiger-Preis geehrt worden. Damit würdigte das Geiger-Kolleg das Engagement Merkels für eine pluralistische Gesellschaft und ihre klare Absage an Judenhass, Rassismus und Diskriminierung.

»Angela Merkel steht mit ihrem politischen Wirken über viele Jahre dafür ein, dass demokratische Grundwerte in unserer Gesellschaft und europaweit Schutz erfahren«, sagte Rabbiner Walter Jacob vom Geiger-Kolleg bei der Verleihung der Auszeichnung. »In Zeiten des zunehmenden Antisemitismus in Deutschland und Europa ist ihre unverbrüchliche Solidarität Rückgrat des Vertrauens für die jüdische Gemeinschaft.«

Vertrauen Das politische Wirken Merkels sei umso wichtiger, so der Gründungsdirektor des Geiger-Kollegs weiter, da der Antisemitismus in Deutschland und Europa zunehmend stärker werde. Es seien Politiker wie die Bundeskanzlerin, die das Vertrauen von Juden in die Bundesrepublik weiter stärken. »Frau Bundeskanzlerin, Sie sind eine Garantin der Freiheit der Religionen in der modernen Gesellschaft«, betonte Rabbiner Jacob.

Die Preisträgerin hob in ihrer Dankesrede hervor, dass es ihr ein besonderes Anliegen sei, die Ehrung im Empfang zu nehmen. »Die heutige Veranstaltung führt uns einmal mehr vor Augen, welch großes Geschenk es ist, dass es wieder ein vielfältiges und reiches jüdisches Leben in Deutschland gibt.« Es sei alles andere als selbstverständlich, dass Juden in Deutschland heute wieder eine Heimat gefunden haben und in diesem Land ihre Zukunft sehen, erklärte Merkel.

In ihrer Dankesrede ging Merkel auch auf die Sorgen der jüdischen Gemeinschaft aufgrund der aktuellen Flüchtlingssituation ein. Sie nehme die Bedenken von Juden in Deutschland sehr ernst, da viele Flüchtlinge aus Ländern kämen, in denen der Hass auf Juden und den jüdischen Staat zum Alltag gehöre. Deswegen müssten »antisemitische Straftaten konsequent mit allen Rechtsmitteln verfolgt werden«.

Grundordnung Jeder Schutzsuchende, der nach Deutschland komme, müsse das Grundgesetz respektieren, unterstrich Merkel. Dazu gehöre eine klare Absage an religiöse Diskriminierung sowie eine deutliche Zurückweisung jeglichen Antisemitismus. Das friedliche Zusammenleben der Religionen bleibe »ein einzigartiger Vertrauensbeweis in die freiheitlich-demokratische Grundordnung unseres Landes, wie sie in unserem Grundgesetz niedergelegt ist«.

Zuvor hatte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, in seinem Grußwort das Eintreten der Bundeskanzlerin für die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und den Staat Israel hervorgehoben. »Dies ist für Sie keine lästige Pflichtübung. Nein, es kommt von Herzen und entspricht Ihrer Überzeugung«, sagte Schuster. »Ihre Treue und Aufrichtigkeit, mit der Sie an unserer Seite stehen, ist für uns gerade in diesen Zeiten wichtiger denn je.«

Sowohl in der Beschneidungsdebatte als auch während der judenfeindlichen Demonstrationen während des Gaza-Kriegs im Sommer 2014 sowie auch nach den islamistischen Anschlägen in Paris Anfang des Jahres hätten Juden in Deutschland sich stets auf die Bundeskanzlerin verlassen können. An Angela Merkel gewandt sagte er: »Als Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland kann ich nur bestätigen: Sie haben diesen Preis mehr als verdient!«

Flüchtlinge Der Zentralratspräsident würdigte zudem die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel. Viel sei in den vergangenen Tagen in den Medien darüber geschrieben worden, dass seine Warnung vor einer Zunahme des Judenhasses infolge des Flüchtlingsstromes eine fundamentale Kritik an Merkel bedeute. »Das ist Unsinn!«, sagte Schuster. »Auch hier hat die Bundeskanzlerin jederzeit ein offenes Ohr für die Sorgen der jüdischen Gemeinschaft gezeigt, die einen möglichen Antisemitismus unter den Flüchtlingen fürchtet.«

Der Abraham-Geiger-Preis wurde im Jahr 2000 anlässlich der Eröffnung des Abraham Geiger Kollegs ins Leben gerufen und würdigt Verdienste um das Judentum. Er ehrt Menschen, die sich um den Pluralismus verdient gemacht haben. Das Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam ist die erste akademische Ausbildungsstätte für Rabbiner und Kantoren in Deutschland seit der Schoa. Mit Abraham Geiger (1810–1874) ist es nach einem der bedeutendsten Vertreter des liberalen Judentums in Deutschland benannt. Gegründet wurde das Kolleg von den Rabbinern Walter Jacob und Walter Homolka.

Den Betrag der mit 10.000 Euro dotierten Auszeichnung spendet Angela Merkel dem Ernst Ludwig Ehrlich Studienwerk (ELES) für dessen Programm Dialogperspektiven. »Die großzügige Spende ist eine Bestätigung unserer Arbeit«, sagte Johannes CS Frank der Jüdischen Allgemeinen. Insbesondere in Zeiten der kontrovers geführten Flüchtlingsdebatte sei das Gespräch zwischen den Religionen wichtiger denn je, betonte der ELES-Geschäftsführer.

Dresden/Königstein

Mutmaßliche Kämpfer des Islamischen Staates festgenommen

Zwei Männer sollen als Kämpfer für den IS aktiv gewesen sein und dafür Geld erhalten haben. Nun sitzen die beiden Iraker in Sachsen in Untersuchungshaft

 14.08.2026

Deutschland

Anti-Israel-Aktivisten krachen in Hafenmauer

Ein Kleinschiff mit »pro-palästinensischen« Seefahrern will im Herbst die Gaza-Küste erreichen. Zwischen ihnen und dem Ziel liegen 3000 Kilometer Luftlinie – und eine wachsende Anzahl an Problemen

von Imanuel Marcus  14.08.2026

Erfurt/Berlin

BSW-Spitze fordert Voigts Rücktritt – und Ende der Koalition

Das Bündnis Sahra Wagenknecht regiert in Thüringen mit CDU und SPD – zum Missfallen der Parteizentrale. Schluss damit, verlangt ein Vorstandsbeschluss

 14.08.2026

Iran-Krieg

Vance: Kriegsziel Nummer Eins besteht darin, Öl und Gas für Amerikaner billig zu halten

Der amerikanische Vizepräsident sagt, die Verhinderung einer iranischen Atomwaffe stehe an zweiter Stelle. Derweil schickt das Pentagon einen neuen Flugzeugträger in die Region

 14.08.2026

Hamburg

Volker Beck kämpft um Beteiligung als Nebenkläger

Der DIG-Präsident gehört zu den Personen, gegen die sich mutmaßliche Anschlagspläne des Iran gerichtet haben sollen. Dennoch hat das Gericht seinen Antrag auf Zulassung im Prozess zurückgewiesen

 14.08.2026

Wahl in Sachsen-Anhalt

Bundesrat sieht sich gewappnet für mögliche AfD-Regierung

Den Bundestag mischt die AfD regelmäßig auf. Könnte sie das auch mit dem Bundesrat tun, wenn sie in Sachsen-Anhalt den Regierungschef stellen sollte? Der Bundesratspräsident bleibt gelassen

 14.08.2026

Nahost

Angriff auf Schiffe: Lage am Golf weiter angespannt

Im Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran wurde ursprünglich eine Einigung innerhalb von 60 Tagen angestrebt. Doch eine Lösung des Konflikts scheint ungewiss. Gibt es Fortschritte?

 14.08.2026

Boston

Gericht weist Klage der US-Regierung gegen Harvard ab

Trumps Regierung kassierte bereits im vergangenen Jahr in einem rechtlichen Streit mit der Elite-Uni eine Niederlage. Nun scheitert sie erneut vor Gericht. Im Zentrum stand ein Antisemitismus-Vorwurf

 14.08.2026

Exklusiv

Causa Georg Restle: Jetzt meldet sich WDR-Chefredakteurin Ellen Ehni zu Wort

Felix Schotland, Mitglied im WDR-Rundfunkrat und im Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, beschwerte sich über einen X-Post des Journalisten Georg Restle. Nun bekam er eine Antwort

von Michael Thaidigsmann  13.08.2026