EILMELDUNG! Medienbericht: Iran soll Ermordung von Josef Schuster und Volker Beck geplant haben

Kundgebung

Für Religionsfreiheit und das Recht auf Beschneidung

Kurz nach 11 Uhr auf dem Berliner Bebelplatz. Trompetentöne lassen die etwa 300 Menschen, die an diesem Sonntag hergekommen sind, um für Religionsfreiheit und das Recht auf Beschneidung zu demonstrieren, vor die kleine Bühne strömen.

Am Rande steht auch Wolfgang Thierse, Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Der Sozialdemokrat ist privat gekommen, denn das Thema ist ihm wichtig. Die Übergangsregelung, mit der das Land Berlin bis zu einer bundesweiten gesetzlichen Regelung die Beschneidung straffrei halten möchte, ärgert ihn. »Sie ist gut gemeint, aber, vorsichtig ausgedrückt: missverständlich«, sagt Thierse. Gerade der Passus, der vorschreibt, dass Eltern eine »religiöse Notwendigkeit« der Beschneidung nachweisen müssen, macht ihn wütend. Im Gespräch mit der Jüdischen Allgemeinen fragt er: »Heißt das, dass wir jetzt statt eines Ariernachweises einen Judennachweis haben?«

Nachweis Die Regelung, die Berlins Justizsenator Thomas Heilmann in der vergangenen Woche vorgestellt hat, ist ein wichtiges Thema bei den Demonstranten und Rednern auf dem Bebelplatz. Lala Süsskind, die Vorsitzende des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus, bedankt sich bei Heilmann, denn dass an einer Regelung gearbeitet wurde, beweise guten Willen. Aber, fragt die frühere Berliner Gemeindevorsitzende mit Blick auf den auch von Thierse beanstandeten Pasus: »Muss ich nachweisen, dass ich jüdisch bin? Oder sieht man mir an, dass ich jüdisch bin?« Vor 70 Jahren hätte man die Juden daran erkannt, dass sie einen Stern tragen mussten – »das wollen wir nicht«.

Auch der orthododoxe Rabbiner Yitshak Ehrenberg von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin äußert sich zu der Regelung des Landes Berlin. »Seine Absicht ist gut gewesen«, sagt Ehrenberg über Senator Heilmann. »Ich bin auch der Meinung, dass er kein Antisemit ist, aber das Resultat ist unglücklich.« Einerseits wolle Heilmann die Mohalim nicht ausschließen, andererseits müsse die Beschneidung von einem Arzt durchgeführt werden. »Wie soll das gehen?«, fragt Rabbiner Ehrenberg.

Kindeswohl Neben ihm auf der Bühne steht Tuvia Ben-Chorin, der liberale Rabbiner der Berliner Gemeinde. »Ist Medizin jetzt die neue Religion?«, fragt er und beklagt die Art, wie in Deutschland über Beschneidung diskutiert und von Gerichten entschieden wird. In Israel seien über 90 Prozent der männlichen Juden beschnitten, auch die Säkularen – »sind die alle dumm?«. Es werde auf einmal so getan, als sei das Wohl von Kindern allein bei Medizinern gut aufgehoben. Aber, sagt Ben-Chorin, »eine Stadt ohne Juden ist eine andere Stadt. Wo immer wir sind, wird über ethische Fragen gesprochen.«

Auch Kenan Kolat ist zum Bebelplatz gekommen. Der Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland wird von Lala Süsskind als guter Freund begrüßt. Zur Berliner Regelung, die von sich behauptet, im Einvernehmen aller beteiligten Gruppen entstanden zu sein, sagt Kolat: »Manchmal führt Konsens zu Nonsens.« Und für die muslimischen Verbände teilt er mit, was die jüdischen Repräsentanten genauso sehen: »Die Beschneidung wird es weiter geben. Niemand wird die Beschneidung stoppen.«

Zu Beginn seiner Rede hat Rabbiner Ehrenberg von einer Strafanzeige berichtet, die erst jüngst gegen ihn gestellt wurde, weil er nach dem umstrittenen Kölner Urteil gesagt habe, dass die Brit Mila selbstverständlich weiter Teil auch des deutschen Judentums sei. Also sage er es hier erneut: »Wir machen weiter.«

Kiev

Israelischer Unternehmer klagt gegen Selenskyj

Timur Mindich reicht Klage gegen ein Präsidialdekret ein, mit dem persönliche Sanktionen gegen ihn verhängt worden waren

 21.05.2026

Sachsen-Anhalt

Szenario: Gegängelte Bildung, mehr rechte Gewalt mit AfD-Regierung

Laut Umfragen könnte die AfD im September in Sachsen-Anhalt an die Regierung kommen. Was das für Auswirkungen hätte, hat die Amadeu Antonio Stiftung skizziert

von Lukas Philippi  21.05.2026

Meinung

Iranischer Staatsterror: Zeit zu handeln, Herr Bundeskanzler!

Die Islamische Revolutionsgarde des Iran wollte den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zufolge Josef Schuster und Volker Beck ermorden lassen. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben

von Michael Thaidigsmann  21.05.2026

Würdigung

»Wo andere laut schweigen, lässt sie sich nicht unterkriegen«

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland würdigt in seiner Laudatio auf die Jüdische Allgemeine die Verdienste der Redaktion - und ihren Mut

von Abraham Lehrer  21.05.2026

Berlin

Zentralrat der Juden distanziert sich von Itamar Ben-Gvir

Ein Video des rechtsextremen israelischen Ministers sorgt weltweit für Empörung. Auch die Vertretung der Juden in Deutschland äußert sich

 21.05.2026

Hamburg

Teheraner Regime soll Ermordung von Josef Schuster geplant haben

Das iranische Mord-Komplott richtete sich auch gegen den Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck

 21.05.2026 Aktualisiert

Berlin

Zentralrat startet Initiative gegen Antisemitismus im Fußball

Slogans wie »Aus Liebe zum Spiel. Gegen Antisemitismus« sowie »Mitfiebern. Gegen Antisemitismus« sollen zum DFB-Pokalfinale auf digitalen Werbetafeln zu sehen sein

 21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Nahost

Strategische Oberhand

War der Krieg gegen das iranische Regime ein Fehlschlag? Eine Analyse

von Michael Wolffsohn  21.05.2026