Festakt #IL50D

»Für immer miteinander verbunden«

Am Rednerpult: Israels Staatspräsident Reuven Rivlin beim Festakt in der Philharmonie Foto: dpa

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin und Bundespräsident Joachim Gauck haben mit einem Festakt in der Berliner Philharmonie den 50. Jahrestag der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen gefeiert. In ihren Festreden am Dienstagabend hoben beide Politiker hervor, dass die Bundesrepublik und der jüdische Staat durch die Erinnerung an die Schoa und den Glauben an die Menschenrechte für immer miteinander verbunden seien.

»Mir und allen Bürgern Israels ist die echte Freundschaft zwischen Ihrem und meinem Land äußerst wertvoll«, sagte Rivlin zu den mehr als 1000 geladenen Gästen. »Sie ist Ausdruck unserer Fähigkeit, aus der Last der schrecklichen historischen Vergangenheit herauszutreten, ohne diese, Gott behüte, auch nur für einen einzigen Augenblick zu vergessen.«

Das Verhältnis zwischen Deutschen und Israelis zeichne aus, dass der Vergangenheit gedacht, der Blick zugleich aber auch in die Zukunft gerichtet werde, ohne auf die Gegenwart zu verzichten.

Demokratie »Israel und Deutschland sind für immer verbunden durch die Erinnerung an die Schoa«, betonte Bundespräsident Joachim Gauck. Schon seit Langem verbinde Deutsche und Israelis jedoch mehr als diese schmerzvolle Geschichte.

»Beide Staaten stehen für die gleichen Werte ein: für Freiheit, Demokratie und die universellen Menschenrechte«, unterstrich Gauck. »Auf diesem festen Fundament können wir einander als Gleiche begegnen und unsere Unterschiede leben. Und wir können unsere Zukunft gemeinsam gestalten.«

Sowohl Gauck als auch Rivlin warnten in ihren Reden vor weltweit zunehmendem Antisemitismus. »In diesen Tagen, in denen eine Welle von Terror, Gewalt, Intoleranz und religiöser Verfolgung den Nahen Osten überrollt«, so Rivlin, »und Antisemitismus und Faschismus auf den Straßen Europas wieder ihr hässliches Gesicht zeigen, müssen wir in Israel und Deutschland zusammenstehen.« Es sei die Pflicht beider Staaten, sich »weiterhin den bösen Kräften entschlossen entgegenzustellen«.

Ansporn »Wir werden nicht zulassen, dass das Wissen um die besondere historische Verantwortung Deutschlands verblasst«, versprach Gauck seinerseits. Ihm bereite es große Sorgen, dass fast die Hälfte aller Deutschen eine negative Meinung vom jüdischen Staat habe, wie jüngst aus einer Umfrage der Bertelsmann-Stiftung hervorgegangen ist.

»Dies sollte uns zugleich Mahnung und Ansporn sein. Wir dürfen uns nicht zurücklehnen und darauf vertrauen, dass einfach weitergeht, was sich in den letzten 50 Jahren so gut entwickelt hat«, forderte Gauck.

Vor dem Festakt in der Philharmonie hatte der israelische Staatspräsident in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier zu politischen Gesprächen getroffen. Auf der Agenda standen die deutsch-israelischen Beziehungen, die Lage im Nahen Osten sowie der ausgesetzte Verhandlungsprozess mit den Palästinensern.

Wunder Im Gespräch mit Reuven Rivlin sagte Merkel: »Nach dem Holocaust ist es ein Wunder, dass Sie heute hier sind.« Im Gegensatz zur Bundesrepublik könne sie selbst erst auf 25 Jahre Beziehungen zu Israel zurückschauen. »Ich bin im Osten aufgewachsen, in einem Staat, der keine Beziehungen zu Israel hatte.«

Am Mittwoch wird der israelische Politiker in Kiel von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig empfangen. Auf Rivlins Programm stehen unter anderem eine Rede an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Außerdem wird er die Kieler Werft TKMS besuchen, in der U-Boote für den jüdischen Staat gebaut werden.

Interview

»Putin ist in der Sackgasse«

Lettlands Ex-Präsident Egils Levits über Russlands Krieg, einen EU-Beitritt der Ukraine und Europas Handlungsfähigkeit

von Michael Thaidigsmann  01.08.2026

Ankaras Machtfantasien

Wie die türkische Führung von der Eroberung Jerusalems träumt

von Eren Güvercin  01.08.2026

Meinung

Die Vereinten Nationen und ihre obsessive Fixierung auf den jüdischen Staat

Warum der Staatengemeinschaft ihre Heuchelei und Doppelmoral eher früher als später zum Verhängnis werden wird

von Daniel Neumann  01.08.2026

Frankfurt am Main

Aufruf zu Großdemonstration gegen Judenhass

Anlass des Aufrufs ist eine kürzlich in Frankfurt abgehaltene israelfeindliche Kundgebung, auf der der palästinensische Terror verherrlicht wurde

 31.07.2026

Berlin

Wadephul begrüßt angekündigte Hamas-Entwaffnung

Im Gaza-Konflikt gibt es angeblich eine Einigung: Die Hamas soll ihre Waffen abgeben, Israel seine Truppen aus dem Küstenstreifen abziehen. Die Bundesregierung sendet positive Signale

 31.07.2026

Gaza

Islamischer Dschihad bestreitet Entwaffnungs-Einigung

US-Präsident Donald Trump verkündet eine Einigung auf eine vollständige Entwaffnung der Hamas. Eine andere palästinensische Terrororganisation bezeichnet Berichte darüber als unzutreffend

 31.07.2026

Berlin/Tel Aviv

Constantin Schreiber verlässt Axel Springer

Der frühere »Tagesschau«-Sprecher Constantin Schreiber berichtete seit September 2025 für die Publikationen von Axel Springer aus Tel Aviv. Zum Ende des Jahres verlässt er das Unternehmen

 31.07.2026

New York

NGO fordert Amtsenthebung von Bürgermeister Mamdani

Die Organisation »End Jew Hatred« macht dem New Yorker Bürgermeister in einer Petition schwere Vorwürfe, darunter seine Drohungen gegen Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu

 31.07.2026

Washington D.C./Gaza

Trump verkündet Einigung über nächste Gaza-Phase – Hamas soll Entwaffnung akzeptiert haben

Der amerikanische Präsident sieht einen »gewaltigen Schritt hin zu dauerhaftem Frieden und Sicherheit«

 31.07.2026