Berlin

Frühjahrsempfang für Israel

Beim Frühjahrsempfang der SPD-Bundestagsfraktion haben deutsche und israelische Politiker die Rolle gewürdigt, die die Sozialdemokratie bei der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland spielte.

Den israelischen Wunsch nach Aufnahme der diplomatischen Beziehungen habe es schon Mitte der 50er-Jahre gegeben, sagte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier am Mittwochabend im Reichstagsgebäude in Berlin.

gegenreaktion Deutsche Politiker hätten jedoch gezögert, weil sie befürchteten, dass diplomatische Beziehungen mit Israel »zu einer Gegenreaktion arabischer Staaten führen könnten, die dann allesamt die DDR anerkennen«. Sozialdemokratie und Gewerkschaften in beiden Ländern und auch die evangelische Kirche hätten sehr dafür gearbeitet, das israelische Angebot nicht auszuschlagen.

Am Ende habe auch gesellschaftlicher Druck in Deutschland dazu geführt, dass 1965 schließlich offizielle Beziehungen zwischen beiden Ländern aufgenommen wurden. Wenn man sich zusätzlich zum langwierigen Anlauf die heftigen Proteste gegen den ersten deutschen Botschafter in Israel, Rolf Pauls, in Erinnerung rufe, sei die Qualität der deutsch-israelischen Beziehungen heute »in der Tat ein Wunder«, so Steinmeier.

respekt An dem Empfang nahmen auch Zentralratspräsident Josef Schuster und der israelische Botschafter in Berlin, Yakov Hadas-Handelsman, teil. Der israelische Oppositionsführer Isaac Herzog hatte wegen der Regierungsbildung in Israel abgesagt. Er meldete sich aber per Videobotschaft und sagte, er zolle der SPD großen Respekt für ihren Beitrag zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen beiden Ländern. Herzogs Vater, Chaim Herzog, hatte 1987 als erster Präsident Israels die Bundesrepublik Deutschland besucht.

Michael Harish, ehemaliger Handelsminister und Politiker der israelischen Arbeitspartei, erinnerte sich an die Anfänge der Gespräche zwischen dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der Histadrut in den 50er-Jahren. Für israelische Sozialdemokraten sei es einfach gewesen, mit deutschen Sozialdemokraten in Kontakt zu treten – weil den Israelis bewusst war, dass in der SPD keine Nazigrößen Karriere machten und hochrangige SPD-Politiker wie Willy Brandt und Herbert Wehner während der NS-Zeit ins Exil gegangen waren.

kibbuzim Thomas Oppermann, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, betonte, in den Anfangsjahren Israels seien sozialdemokratische Ideale in Kibbuzim und Kooperativen verwirklicht worden: »Seit der Staatsgründung von 1948 schauten deutsche Sozialdemokraten immer mit großer Sympathie nach Israel«.

Sorgen bereite ihm, dass das Ansehen des jüdischen Staates in Deutschland gesunken sei: »Es scheint bei uns einen Wunsch nach Normalität zu geben, nach dem Motto: Lassen wir die Geschichte der Judenverfolgung endlich hinter uns«. Im Verhältnis zu Israel gebe es aber »keine Normalität in dem Sinne, dass sie durch einen Schlussstrich unter die Vergangenheit begründet werden könnte«, betonte Oppermann.

Wimpernschlag Wenige Stunden zuvor, bei einer Diskussion unter dem Motto »Freundschaft und Verantwortung – 50 Jahre diplomatische Beziehungen zwischen Israel und Deutschland« am Donnerstagnachmittag sagte Rudolf Dreßler, ehemaliger deutscher Botschafter in Israel, es lasse ihm keine innere Ruhe, »wenn ich höre, wie viele deutsche Politiker mit der Vergangenheit umgehen«. Die 70 Jahre, die seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und der Schoa vergangen sind, seien »in der Geschichte ein Wimpernschlag«.

Avi Primor, ehemaliger Botschafter Israels in Deutschland, beklagte, Deutsche seien immer noch gehemmt und befangen, wenn es um Israel gehe: »Man versteht unsere Politik immer weniger, aber man spricht mit uns nicht offen darüber.«

Michal Biran, Abgeordnete der israelischen Arbeitspartei in der Knesset, appellierte zum Schluss der Diskussion an die Deutschen: »Bleibt unsere Freunde, auch wenn es schwieriger wird«. Die Freundschaft zu Deutschland nannte sie Israels »letzte Freundschaft, die auf gemeinsamen Werten basiert«.

Interview

»Putin ist in der Sackgasse«

Lettlands Ex-Präsident Egils Levits über Russlands Krieg, einen EU-Beitritt der Ukraine und Europas Handlungsfähigkeit

von Michael Thaidigsmann  02.08.2026

New York/Madrid

»Warum unterhält Spanien noch immer koloniale Enklaven in Afrika?«

Israels UNO-Botschafter Danny Danon: »Vielleicht sollte Spanien, bevor es uns weiter belehrt, der Welt etwas erklären.«

 02.08.2026

Kommentar

Sánchez’ alter, antisemitischer Trick

Wer trägt die Verantwortung für die jüngste Katastrophe in Ceuta? Ausnahmsweise wohl nicht »die Zionisten«

von Rafael Seligmann  02.08.2026

Auschwitz-Birkenau

Romani Rose: Gewalt gegen Sinti und Roma nimmt zu

Zum europäischen Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma warnt der Vorsitzende deren Dachorganisation, Mitglieder der Minderheit seien wieder mehr Anfeindung ausgesetzt

 02.08.2026

Berlin

Nach CSD-Anschlag: Union will Tempo machen für schärfere Gesetze

Der Terroranschlag am Rande des Christopher Street Days in der Hauptstadt löste eine Debatte darüber aus, ob bestehende Gesetze ausreichen. Eine Umfrage ergibt: Das Sicherheitsgefühl ist bei vielen Bürgern gesunken

 02.08.2026

Brandenburg

Gedenkführungen zu NS-Verbrechen gegen Sinti und Roma

Hunderttausende Sinti und Roma wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Zwei KZ-Gedenkstätten wollen heute mit Führungen an die Opfer erinnern

 02.08.2026

Washington D.C.

Trump: Angriffe auf Iran abgesagt - »Umrisse einer Einigung«

Das US-Militär stand Berichten zufolge kurz vor einer massiven Angriffswelle auf Ziele im Iran. Nun will der US-Präsident anscheinend darauf verzichten

 02.08.2026 Aktualisiert

Nahost

Nach Berichten über US-Angriffspläne: Teheran droht Nachbarländern, greift Ziele in Kuwait an

Irans Außenminister Abbas Araghtschi droht, die schlagkräftigen Streitkräfte seines Landes würden auf jeden »Akt der Aggression« entschlossen reagieren

 02.08.2026

Ankaras Machtfantasien

Wie die türkische Führung von der Eroberung Jerusalems träumt

von Eren Güvercin  01.08.2026