Faktencheck

Fragebogen zu Hamas an Berliner Grundschule ist Fake

Die Galilei-Grundschule in Berlin Foto: Imanuel Marcus

Ein angeblicher Fragebogen zur Terrororganisation Hamas an einer Berliner Grundschule macht in sozialen Medien die Runde, auch weil ein Linke-Politiker seine Reichweite dafür nutzt. In dem am 18. Oktober 2023 unter anderem von Ferat Koçak, einem Parlamentarier im Berliner Abgeordnetenhaus, verbreiteten Screenshot soll Kindern der sechsten Klasse etwa die Frage gestellt worden sein, ob sie die Massaker der Hamas an israelischen Bürgern gerecht fänden.

Bewertung

Solch einen Fragebogen für den Unterricht gab es an der Schule nie. Das bestätigen die Berliner Bildungsverwaltung und die Schule selbst. Auch von Koçaks Social-Media-Profil werden später die Posts mit Verweisen auf das angebliche Papier gelöscht.

Fakten

Die Berliner Bildungsverwaltung hat Meldungen über einen angeblichen Fragebogen zur Terrororganisation Hamas an einer Berliner Grundschule als Desinformation bezeichnet. »Das ist eine Falschmeldung«, sagt ein Sprecher am 18. Oktober auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa). »Die Lehrkräfte der Schule haben ein solches Arbeitspapier nicht im Unterricht verwendet. Es würde auch nicht den Standards der Schule entsprechen.«

Auch die betroffene Schule im Berliner Bezirk Kreuzberg dementiert am 18. Oktober die Echtheit des Fragebogens. »Dieses sogenannte Arbeitsblatt stammt nicht aus dem Unterricht an der Galilei-Grundschule«, heißt es auf der Homepage. »Die Schule prüft derzeit eine Anzeige gegen die ursprünglichen Urheber dieser Behauptung wegen der Verbreitung von Unwahrheiten.« Der Ursprung des in den sozialen Medien verbreiteten Bildes sei unklar, heißt es.

In einem mittlerweile gelöschten Post auf X (vormals Twitter) hatte der Linke-Abgeordnete Ferat Koçak geschrieben, Kinder einer Grundschule mit einem hohen Anteil aus arabischsprachigen Familien hätten sich in einem Fragebogen zur Terrororganisation Hamas und zum Krieg in der Region nach dem Hamas-Angriff auf Israel positionieren sollen. Koçak postete dazu ein Foto eines vermeintlichen Fragebogens und erhob den Vorwurf einer »Gesinnungsprüfung«.

»Enttäuschung« über Verbreitung

Später löschte er seinen Beitrag. Genauso ist ein weiterer seiner Posts nicht mehr auf Koçaks X-Profil zu finden (hier archiviert), wonach das Foto des Fragebogens angeblich ein Mädchen der sechsten Klasse am 16. Oktober im Unterricht gemacht haben soll.

Die Galilei-Grundschule schreibt: »Wir möchten unserer Enttäuschung Ausdruck verleihen, dass ein Abgeordneter des Abgeordnetenhauses und andere hier eine Behauptung verbreiten, die nicht zutrifft und die von diesen Personen offenbar nicht geprüft worden ist. Es handelt sich klar um die Verbreitung von Fake News.« dpa

Interview

»Die Anständigen sind zu leise«

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) über Antisemitismus, wachsende Zustimmung zur AfD und die Rolle sozialer Medien

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Diplomatie

Israel bricht Beziehungen zu EU-Außenbeauftragter Kallas ab

Außenminister Gideon Sa’ar will mit Kaja Kallas so lange nicht mehr reden, bis sie sich für ihren angeblichen Vorwurf, Israel praktiziere Apartheid, entschuldigt

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Bremen

Acht Meter breite Parolen an Schulen gesprüht

Unbekannte haben zwei Schulzentren im Bremer Stadtteil Walle mit großflächigen Farbschmierereien beschädigt. Sie schrieben unter anderem »FCK ISRAEL« und »Free Palestine«

 18.06.2026

Rias-Antisemitismusbericht

Bitterer Alltag

Manchmal sind es Gesten, manchmal Pöbeleien, manchmal übelste Drohungen und Gewalt: Jüdinnen und Juden erleben in Deutschland täglich Feindseligkeit. Was tut die Gesellschaft?

von Verena Schmitt-Roschmann  18.06.2026

G7-Gipfel

Trump unterzeichnet Rahmenabkommen zwischen USA und Iran in Versailles

Überraschend unterschrieb der US-Präsident Donald Trump das Abkommen mit dem Iran bereits am Mittwoch an dem historischen Ort

 18.06.2026 Aktualisiert

USA

Nach antisemitischer Bewerbung: Rechtsextreme feiern Cornell-Studenten

Der 19-jährige Austin Franco wird für ein Praktikum von einem Softwareunternehmen der Brüder Gabe und Aiden Einhorn angenommen. Doch dann schreibt er, er sei »nicht daran interessiert, für einen Juden zu arbeiten«

 18.06.2026

G7-Gipfel

Trump verteidigt Iran-Abkommen und kritisiert Israels Vorgehen

Zwar habe der jüdische Staat das Recht, sich zu verteidigen. Gleichzeitig gehe das Land nach seiner Auffassung mitunter unverhältnismäßig vor, so der amerikanische Präsident

 18.06.2026

Meinung

Letzte Chance für die Linke

Viele Juden haben »Die Linke« schon abgeschrieben. Doch nach wie vor gibt es dort Mitglieder, die den Antisemitismus innerhalb der Partei bekämpfen. Hoffentlich setzen sie sich auf dem Bundestreffen in Potsdam durch

von Mascha Malburg  18.06.2026

Berlin

Linksjugend spricht von »israelischen Konzentrationslagern« und »israelischem Genozid im Namen des Judentum«

Mitglieder des Jugendverbands der Linkspartei stießen schon mehrfach mit Positionen zu Israel auf Kritik. Wenige Tage vor dem Bundesparteitag gibt es neue antisemitische Ausfälle

 18.06.2026