Terror

Fonds für »Märtyrer«

»Heldenverehrung« von Messerattentätern: Hamas-Aktivistin in Gaza Foto: Reuters

Europäische Steuergelder für den Terror? Diese Frage ist so alt wie die Palästinensische Autonomiebehörde selbst, deren Haushalt weitestgehend durch Hilfsleistungen der internationalen Gemeinschaft finanziert wird – auch aus Deutschland.

Neu dagegen ist das Eingeständnis der Bundesregierung, dass ein Teil dieser Gelder, die eigentlich für den Aufbau von Schulen, Krankenhäusern und einer zivilen Infrastruktur gedacht sind – Berlin zählt mit jährlich über 160 Millionen Euro immerhin zu den größten Geberländern –, zweckentfremdet wird und in einen Fonds für sogenannte Märtyrer fließt. Das jedenfalls brachte eine Anfrage des grünen Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, Volker Beck, zutage.

In der Antwort von Maria Böhmer, Staatsministerin im Auswärtigen Amt, vom 1. September heißt es: »Es gibt palästinensische Institutionen, die Zahlungen an Familien von in Israel Inhaftierten sowie an Familien von Verletzten und Getöteten leisten. Darunter sind auch Angehörige von Attentätern.« Trotzdem möchte man betonen, dass diese Gelder aus Deutschland nur an ganz konkrete Entwicklungsprojekte gehen würden. »Direkte Budgethilfe findet nicht statt.« Indirekte damit aber schon. Denn so werden an anderer Stelle finanzielle Mittel frei, über deren Verwendung die Geberländer wie Deutschland offensichtlich keine Kontrolle haben.

Beteuerung Die Reaktion des Auswärtigen Amtes ist in der Tat bemerkenswert. Denn zwei Wochen zuvor »beteuerte die Bundesregierung noch, keine Kenntnis zu Transfers an die Angehörigen von Terroristen zu haben, verschwieg diesen Umstand auch in meiner Anfrage und gab sich unwissend gegenüber der Öffentlichkeit«, schreibt Volker Beck auf seiner Website. »Gut, dass das Nichtwissen der Regierung jetzt ein Ende haben soll.«

Der Grünen-Politiker fordert Konsequenzen: »Deutschland und die Europäische Union müssen der Palästinensischen Behörde und der PLO klarmachen, dass Zahlungen an Terroristen und ihre Hinterbliebenen inakzeptabel sind und so etwas nicht ohne Konsequenzen bleibt.« Zwar hatte Ramallah 2014 auf Druck von außen sein »Ministerium für Gefangenenfragen«, über das zuvor Gelder an »Märtyrer« geflossen waren, aufgelöst.

zuschläge Doch wie Recherchen – unter anderem vom Rundfunk Berlin-Brandenburg – ergaben, blieb die alte Praxis bestehen. Beispielsweise erhält die Familie des 17-jährigen Mohammed Nasser Tarajreh, der am 30. Juni die gerade einmal 13-jährige Israelin Hallel Yaffa Ariel brutal mit einem Messer ermordet hatte und anschließend von einem Wachmann getötet wurde, jeden Monat mindestens 320 Euro plus diverser Zuschläge, weil er gemäß der Diktion der Palästinensischen Autonomiebehörde als »Opfer der israelischen Besatzung« gilt.

Schätzungsweise 35.000 Familien empfangen solche Zuwendungen. Rund 160 Millionen Euro Transferleistungen kommen so jährlich zusammen – eine ganz hübsche Summe für eine chronisch klamme Verwaltung am Tropf der internationalen Gemeinschaft. Und zugleich ein Anreiz, es Mohammed Nasser Tarajreh gleichzutun und Israelis zu ermorden.

briefkastenfirmen Zudem erweist sich die Palästinensische Autonomiebehörde als Überzeugungstäter mit Wiederholungszwang. Bereits 2004 legte die Fernsehsendung »Report München« Beweise für illegale Finanzströme vor. Laut Internationalem Währungsfonds (IWF) waren in den fünf Jahren zuvor 898 Millionen Dollar »verschwunden«. Große Teile davon waren dank eines Geflechts aus Briefkastenfirmen an Aktivisten der Fatah, der Al-Aksa-Brigaden und der Tanzim-Milizen und damit an den Terror geflossen.

2012 versuchte der Europäische Rechnungshof, sich einmal genauer anzuschauen, was eigentlich mit den Geldern passiert, die jedes Jahr Richtung Ramallah überwiesen werden. Auch er stellte fest, dass via offiziellem Personalbudget mit EU-Steuergeldern Palästinenser und ihre Angehörigen alimentiert werden, die in Terrorakte verwickelt waren.

Konsequenzen damals? Keine, denn die EU-Kommission reagierte nicht auf die Kritik des EU-Rechnungshofs. Es bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung die Politik der laxen Kontrollen nicht länger mitträgt und entsprechend Druck auf die Palästinenser auszuüben beginnt.

Staatsbesuch

Kanzler Merz reist am nächsten Wochenende nach Israel

Das Datum steht: Bundeskanzler Merz reist in gut einer Woche zum Antrittsbesuch nach Israel. Der Gaza-Krieg hatte die Reise verzögert, durch die Waffenruhe wird sie jetzt möglich

 28.11.2025

Berlin

Anschlag auf israelische Botschaft geplant? Prozess beginnt

Ein mutmaßlicher IS-Unterstützer kommt vor Gericht. Der Prozess gegen den inzwischen 19-Jährigen beginnt am Montag

 28.11.2025

Brüssel

Weimer warnt vor Antisemitismus und Ausgrenzung beim ESC

Der Kulturstaatsminister will darüber mit seinen europäischen Kollegen sprechen

 28.11.2025

Eurovision Song Contest

Spanien bekräftigt seine Boykottdrohung für ESC

Der Chef des öffentlich-rechtlichen Senders RTVE gibt sich kompromisslos: José Pablo López wirft Israel einen »Genozid« in Gaza und Manipulationen beim Public Voting vor und droht erneut mit dem Austritt

 28.11.2025

USA

Mehrheit der Juden blickt nach Mamdani-Sieg mit Sorge nach New York

Eine Umfrage zeigt: Fast zwei Drittel der Befragten sind der Ansicht, Mamdani sei sowohl antiisraelisch als auch antisemitisch

 28.11.2025

Berlin

Israel, der Krieg gegen die Hamas und die Völkermord-Legende

Der israelische Militärhistoriker Danny Orbach stellte im Bundestag eine Studie und aktuelle Erkenntnisse zum angeblichen Genozid im Gazastreifen vor – und beklagt eine einseitige Positionierung von UN-Organisationen, Wissenschaft und Medien

 27.11.2025

USA

Staatsanwaltschaft rollt den Fall Etan Patz neu auf

Der jüdische Junge Etan Patz verschwindet am 25. Mai 1979 auf dem Weg zur Schule. Jahre später wird er für tot erklärt

 27.11.2025

Debatte

Neue Leitlinie zum Umgang mit NS-Raubgut für Museen und Bibliotheken

In Ausstellungshäusern, Archiven und Bibliotheken, aber auch in deutschen Haushalten finden sich unzählige im Nationalsozialismus entzogene Kulturgüter. Eine neue Handreichung soll beim Umgang damit helfen

von Anne Mertens  27.11.2025

Düsseldorf

Breite Mehrheit im Landtag wirbt für Holocaust-Zentrum in NRW

Große Mehrheit im NRW-Landtag: Fast alle Fraktionen werben für NRW als Standort eines vom Bund geplanten Holocaust-Bildungszentrums. Bayern und Sachsen sind ebenfalls im Rennen

von Andreas Otto  27.11.2025