Olympia 1972

Folter in München

Ankie Spitzer, die Witwe von André Spitzer, in dem verwüsteten Raum des Münchner Olympischen Dorfes Foto: dpa

Es sind mittlerweile mehr als nur Gerüchte, wonach einige der israelischen Sportler, die 1972 bei den Olympischen Spielen in München von der Terrorgruppe »Schwarzer September« überfallen wurden, von den Tätern schwer misshandelt wurden. In einem Interview für den 2016 erscheinenden Dokumentarfilm Munich 1972 & Beyond beschreibt Ankie Spitzer, Witwe des getöteten Fechtcoaches André Spitzer, was die – nie veröffentlichten – Fotos des Tatorts nahelegen: Es sei nicht nur eine Geiselnahme mit schrecklichen Morden gewesen, sondern die Terroristen hätten die Männer geschlagen, gefoltert und ihnen sogar noch Schlimmeres angetan.

gräuel Ankie Spitzer bestätigt dort, was schon 2002 der Journalist Alan Abrahamson in der »Los Angeles Times« berichtet hatte: Die Tatortfotos zeigen, dass zumindest die Leiche des Gewichthebers Yossi Romano im Genitalbereich schwere Verletzungen aufweise. Abrahamson schrieb, die Bilder ließen »stark vermuten«, dass Romano kastriert worden sei. Schon damals hatten Yossis Witwe Ilana und Ankie Spitzer gesagt, sie seien sicher, dass Romano nach seinem Tod der Penis abgetrennt worden sei.

Was in dem Film Munich 1972 & Beyond jetzt noch einmal als sehr wahrscheinlich berichtet wird, widerlegt die immer wieder kursierende Geschichte, die Täter seien nur an der Freipressung anderer Terroristen interessiert gewesen.

Von deutscher Seite werden diese Informationen jedoch nicht bestätigt. Im »Spiegel« der vorletzten Woche hatte der 1972 an den Obduktionen beteiligte Rechtsmediziner Wolfgang Eisenmenger geäußert, es habe keinerlei Verletzungen gegeben, die nicht zum Tatverlauf passten. Und der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher erklärte, »weder offiziell noch inoffiziell« von Folter gehört zu haben.

bestialität Selbst wenn sich diese leicht abgemilderte Darstellung des Tatverlaufs als richtig herausstellen sollte, so ist die Bestialität der Täter auch durch die Information verbürgt, dass sie Romano, nachdem sie auf ihn geschossen hatten, schlicht verbluten ließen: Die Terroristen weigerten sich, einen Arzt zu dem Schwerverletzten zu lassen. Er starb etwa zwei Stunden nach den Schüssen.

Der Film Munich 1972 & Beyond wird unter anderem von dem amerikanischen Psychologen Steven Ungerleider produziert. »Die meisten Angehörigen der Opfer konnten mit dem Geschehenen nie richtig abschließen«, sagt er. Das Internationale Olympische Komitee habe es – mit Rücksicht auf arabische Staaten im Nahen Osten – vorgezogen zu schweigen. Die elf ermordeten Israelis seien nie geehrt, ja, »nicht einmal formal« als Opfer anerkannt worden.

Standpunkt

Braucht es ein Verbot?

Warum gerade Juden einen Social-Media-Stopp für Jugendliche unter 16 Jahren unterstützen sollten

von Daniel Neumann  27.02.2026

Meinung

Kein Geld mehr für die UNRWA

Die CDU hat auf ihrem Bundesparteitag einen Stopp deutscher Zahlungen an das Flüchtlingshilfswerk für die Palästinenser gefordert. Warum der Beschluss richtig ist

von Michael Thaidigsmann  27.02.2026

Meinung

Olympia: Mehr als ein Regelbruch

Das israelische Bobteam wurde disqualifiziert – doch dahinter steht eine Geschichte von Loyalität, Koexistenz und Mut

von Sabine Brandes  27.02.2026

Essay

Ich habe Xavier Naidoos öffentlicher Abbitte geglaubt ...

Da steht er also wieder vor dem Kanzleramt. Nicht als Sänger, nicht als geläuterter Rückkehrer, nicht als jemand, der seine eigenen Irrwege wirklich aufgearbeitet hätte, sondern als Lautsprecher für den nächsten verschwörungsideologischen Ausnahmezustand

von Serdar Somuncu  27.02.2026

Analyse

Hamas-naher Verein organisiert pro-palästinensische Demos

Anadolu Gençlik Derneği gibt sich in Deutschland betont moderat, doch die Mutterorganisation in der Türkei zeigt ihre Terrorverbindungen offen

 27.02.2026

Washington D.C.

Ex-Präsident Clinton sagt vor US-Kongress zu Epstein aus

Erst Ex-Außenministerin Hillary Clinton, nun ihr Mann, Bill Clinton: Erstmals seit mehr als 40 Jahren sagt heute ein Ex-Präsident vor dem US-Kongress aus

 27.02.2026

Ehrung

Bundesverdienstkreuz für Holocaust-Überlebende Renate Aris

Sachsens Ministerpräsident Kretschmer überreicht am Dienstag mehrere Bundesverdienstkreuze. Der Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ist die höchste deutsche Anerkennung für Menschen, die sich für das Gemeinwohl einsetzen

 27.02.2026

Schmähplastik

Straßburg bestätigt deutsche Urteile: Wittenberger »Judensau« bleibt

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte erklärt die Eingabe eines jüdischen Rentners für unzulässig. Die Entscheidung ist endgültig

 27.02.2026

Montréal

Bericht über IDF-Soldaten als Gastredner an jüdischen Schulen löst Angst aus

Kritiker argumentieren, öffentlich geförderte Schulen dürften während eines Krieges keine Plattform für militärnahe Beiträge bieten. Eltern sorgen sich eher darum, dass die Schulen ihrer Kinder bloßgestellt worden seien

 27.02.2026