Bundesregierung

»Felix Klein hat unser Vertrauen und unsere Unterstützung«

Felix Klein, Antisemitismusbeauftragter der Bundesregierung Foto: dpa

Zahlreiche weitere jüdische Organisationen und Vertreter aus Wissenschaft und Gesellschaft haben den Antisemitismusbeauftragten Felix Klein gegen Kritik verteidigt. In zwei am Freitag veröffentlichten Briefen werfen sie Kleins Kritikern vor, Antisemitismus und Israelfeindlichkeit hierzulande zu relativieren.

In dem ersten am Freitag veröffentlichen Offenen Brief heißt
es, Klein werde »wiederholt in ungerechtfertigter, ehrabschneidender
und inakzeptabler Weise angegriffen«. Nur wenn Antisemitismus in all
seinen Ausprägungen benannt werde, sei es möglich, diesen zumindest
einzudämmen. Klein enge den Begriff nicht auf eine politische
Richtung ein, sondern benutze ihn umfassend.

Bereits am Mittwoch hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland Felix Klein gegen Kritik in Schutz genommen.

Unterzeichner sind unter anderem die Deutsch-Israelische Gesellschaft, die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD), das American Jewish Committee Berlin (AJC), die Amadeu Antonio Stiftung und das Jüdische Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA).

SOLIDARITÄT Zu den Einzelunterzeichnern gehören neben anderen Sigmount A. Königsberg, Beauftragter gegen Antisemitismus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Michael Blume, Beauftragter gegen Antisemitismus der Landesregierung Baden-Württembergs, der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn, der Rapper Ben Salomo, der Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland, Ali Toprak, und Lala Süsskind, Gesellschafterin Jehi ʼOr, Jüdisches Bildungswerk für Demokratie – gegen Antisemitismus.

In einem zweiten am Freitag veröffentlichen Offenen Brief schreibt der Präsident der Konferenz der Europäischen Rabbiner, Pinchas Goldschmidt, an Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Vorwürfe gegen Klein und ein relativierender Umgang mit dem wieder grassierenden Antisemitismus, die von mehr als 60 Wissenschaftlern, Schriftstellern und Künstlern geäußert worden seien, habe die jüdische Gemeinschaft verletzt. Wer solche am wirklichen Problem vorbeigehende Debatten initiiere, leiste Antisemiten einen Vorschub.

Im Kern der Auseinandersetzung stehen Schriften von Achille Mbembe, der der in Handlungen und Zielen antisemitischen BDS-Bewegung nahesteht.

Goldschmidt erklärte, man könne mit der Politik Israels einverstanden oder nicht einverstanden sein. Er wünsche sich eine Debatte in Deutschland, die den Kern des hiesigen Antisemitismus bekämpfe.

ZENTRALRAT Bereits am Mittwoch hatte der Zentralrat der Juden in Deutschland Felix Klein gegen Kritik in Schutz genommen. Der Vorwurf, er unterdrücke Debatten oder wolle Kritiker der israelischen Regierung mundtot machen, sei halt- und respektlos, erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster.

Hintergrund ist ein Brief an Kanzlerin Merkel von vergangener Woche von mehr als 60 Akademikern und Künstlern aus Deutschland und Israel. Die Unterzeichner warnen darin vor »dem inflationären, sachlich unbegründeten und gesetzlich unfundierten Gebrauch des Antisemitismus-Begriffs«, der auf die Unterdrückung legitimer Kritik an der israelischen Regierungspolitik ziele.

Felix Klein war absurderweise vorgeworfen worden, seine Kritik an Achille Mbembe sei ein Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit.

»Unsere Sorge ist besonders groß da, wo diese Tendenz mit politischer und finanzieller Unterstützung des Antisemitismusbeauftragten gefördert wird«, heißt es wörtlich. Klein war absurderweise vorgeworfen worden, seine Kritik am Postkolonialismus-Forscher Achille Mbembe sei ein Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit.

Im Kern der Auseinandersetzung stehen Schriften Mbembes, in denen er einen Zusammenhang zwischen dem Holocaust und dem Verhalten Israels gegenüber den Palästinensern herstellt. Mbembe steht zudem der in Handlungen und Zielen antisemitischen BDS-Bewegung nahe. Auf sein Betreiben hin wurde zum Beispiel eine israelische Wissenschaftlerin von einer internationalen Konferenz ausgeladen. Der Grund: Sie ist israelische Staatsbürgerin. epd/ja

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026