Frankfurt/Main

Experten: Antisemiten hetzen im Netz inmitten von Lifestyle-Themen

Deborah Schnabel, Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank Foto: picture alliance/dpa

Antisemitische und frauenfeindliche Narrative verstecken sich laut Extremismusforschern zunehmend zwischen völlig unpolitischen Inhalten der Sozialen Medien. »Junge Menschen werden im Netz mit fragwürdigen politischen Botschaften konfrontiert - selbst dann, wenn sie sich nur zu Lifestyle-Themen wie Fitness oder Kampfsport informieren möchten«, warnte die Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, Deborah Schnabel, bei einer zweitägigen Fachkonferenz in Frankfurt, die am Dienstag zu Ende ging.

»Antisemitismus und Antigenderismus fungieren im Netz als Brückenideologien für rechtsextreme und islamistische Milieus gleichermaßen, die geschickt platziert zwischen Proteinshake-Vermarktung und Fitness-Content in den Feeds vor allem sehr junger Menschen landen«, fuhr Schnabel fort.

Dort sein, wo junge Leute sich informieren

Menschen, die für Demokratie eintreten wollen, müssten verstehen, dass sie neben derartigen extremistischen Lifestyle- und Polit-Influencern im Netz »bestehen, emotional nahbar und neben Online-Angeboten auch analoge Begegnungsräume schaffen müssen, wenn sie junge Menschen für demokratische Inhalte gewinnen möchten«.

Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank und Professor der Sozialen Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences, schilderte: »Wir beobachten, wie Social Media zum Resonanzraum für demokratiezersetzende Kräfte wird und gerade in polarisierten Debatten wie etwa zum Nahostkonflikt extreme Positionen weiter verstärkt.«

Der Vertrauensverlust in klassische Medien, gerade beim Thema Nahostkonflikt, habe sich in den qualitativen Interviews des Forschungsprojekts »Zwischen Like und Hass« bestätigt. Das bestärke die Bildungsstätte Anne Frank darin, Inhalte auf TikTok, Youtube, Instagram und andere Soziale Netzwerke zu tragen, »wo junge Menschen sich heute maßgeblich politisch informieren«, so Mendel.

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026

Berlin

Auswärtiges Amt kritisiert Menschenrechtsbeauftragten

In einer Reaktion auf einen X-Post von Bundesbildungsministerin Prien im Zusammenhang mit dem Flydubai-Flug nennt Lars Castellucci Israels Regierung rechtsradikal. Außenminister Wadephul reagiert

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Gutachten

Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels verfassungskonform

Hessens Justizminister Christian Heinz: »Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung.« Zentralratspräsident Josef Schuster: Die Politik steht in der Pflicht, dem Antisemitismus in seinem neuen Gewand Einhalt zu gebieten

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Recht

Gute Absicht, falsche Umsetzung

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, kritisiert den hessischen Vorschlag für eine Strafbarmachung der Leugnung des Existenzrechts Israels. Er hat aber einen Alternativvorschlag

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Initiative

Hessen dringt auf Strafen für Leugnung des Existenzrechts Israels

Die hessische Landesregierung dringt darauf, dass ihr Vorschlag zur Strafbarkeit israelfeindlicher Äußerungen umgesetzt wird. Die Bundesregierung bleibt aber skeptisch. Auch der Zentralrat der Juden ist nicht restlos überzeugt

 05.10.2026

Josef Schuster

Berlin

Zentralrat: Linke muss Mitglieder bei Antisemitismus ausschließen

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußert klare Erwartungen an die Linkspartei in Bezug auf den innerparteilichen Kampf gegen Judenhass

 05.10.2026

Magdeburg

BSW: Wählen den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten

Am Dienstag kommt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals zusammen. Die AfD hat die Zusage des BSW für die nötigen Stimmen

 05.10.2026

Berlin

Parteien in der Hauptstadt bereiten sich auf drittes Vorgespräch vor

Nach der Abgeordnetenhauswahl setzen Linke, Grüne und SPD auf ein drittes Vorgespräch. Details bleiben geheim – und keiner weiß, wo das Ganze hinführt

 05.10.2026