Debatte

Europäische Rabbiner für Social-Media-Verbot für Kinder

Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt Foto: IMAGO/Sven Simon

Die Forderung nach einem Social-Media-Verbot für Minderjährige findet immer mehr Unterstützer. Auch die Europäische Rabbinerkonferenz sprach sich am Freitag für die Einführung von strikten Alterskontrollen auf den Plattformen, sowie - wenn notwendig - Zugangsbeschränkungen und Social-Media-Verbote für Minderjährige aus. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen pocht zudem auf einen Ausbau von Unterstützungsangeboten für psychisch belastete Jugendliche. Auch die Bundesschülerkonferenz sieht die Gefahren der Sozialen Medien - hält ein Verbot aber nicht für zielführend.

Der Präsident der Rabbinerkonferenz, Pinchas Goldschmidt, begründete die Zustimmung des Gremiums mit einem besseren Schutz von Kindern und Jugendlichen. »Soziale Medienplattformen sind bewusst so konzipiert, dass sie Aufmerksamkeit und Abhängigkeit maximieren, und setzen junge Menschen in einer entscheidenden Phase ihrer Entwicklung psychologischem Druck, Desinformation, Hass und Manipulation aus«, so Goldschmidt.

Kinderschutz vor Konzerninteressen

Zwar sei die Meinungsfreiheit ein grundlegender demokratischer Wert, der auch jungen Menschen zustehe. Sie könne jedoch nicht »die Abwesenheit von Verantwortung« zur Folge haben, mahnte der frühere Moskauer Oberrabbiner. »Der Schutz der psychischen Gesundheit, der Würde und der Zukunft unserer Kinder muss Vorrang vor den kommerziellen Interessen globaler Technologiekonzerne haben.«

Der Ausschuss Jugendmedizin des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen begrüßt die aktuelle Debatte über den Kinder- und Jugendschutz in Sozialen Medien. Dadurch werde hervorgehoben, wie dramatisch sich die gesundheitliche Situation vieler Jugendlicher verschlechtert habe. Psychosomatische Erkrankungen, psychische Belastungen und Schulversäumnisse nähmen deutlich zu. Immer mehr junge Menschen klagten über anhaltende Kopf- und Bauchschmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung, Angstzustände oder depressive Symptome.

Gleichzeitig seien flächendeckende geeignete Versorgungsstrukturen nicht in ausreichender Zahl verfügbar oder fehlten vollständig. »Das ist für Familien verzweifelnd und für Ärztinnen und Ärzte ethisch kaum noch vertretbar«, mahnte die Ausschusssprecherin Soha Asgari. Der Verband forderte unter anderem einen massiven Ausbau psychosozialer Versorgungsangebote.

Belastung durch Vergleichsdruck

Ähnlich äußerte sich auch die Bundesschülerkonferenz. Nach Ansicht von Generalsekretärin Amy Kirchhoff verursachen Soziale Medien große seelische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen. Diese entstünden etwa durch einen zunehmenden Vergleichs- und Leistungsdruck auf Plattformen wie Instagram oder Tiktok. Hinzu kämen Cybermobbing und digitale Gewalt.

Gleichwohl sei sie gegen ein generelles Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 Jahren, sagte Kirchhoff. Denn diese seien für viele junge Menschen zentrale Informationsquellen. Entscheidend sei die Stärkung von Medienkompetenz - und das schon im Kindesalter und nicht erst mit 15 oder 16.

SPD pocht auf europäische Lösung

In Deutschland diskutieren derzeit beide Regierungsparteien über Zugangsbeschränkungen für Soziale Medien. Während die CDU auf ihrem am Freitag beginnenden Bundesparteitag eine Regelung bis 16 Jahren debattiert, will die SPD ein Verbot lediglich bis 14 Jahren durchsetzen. SPD-Parteichef Lars Klingelbeil sagte dem »Straubinger Tagblatt«, dass an klaren Bestimmungen kein Weg mehr vorbeiführen dürfe. Seine Partei sei hier verhandlungsbereit und wolle schnell eine Regelung erreichen. Gleichzeitig sei es gegenüber den Plattformbetreibern auch wichtig, eine gesamteuropäische Lösung zu finden. »Genau deshalb dürfen wir uns hier nicht wegducken, sondern müssen gemeinsam handeln«, so Klingbeil.

Meinung

Wenn niemand sonst zu Israel steht

Unser Autor ist Schüler auf einem Gymnasium nahe Köln. Mit Entsetzen musste er feststellen, dass Antisemitismus und Israelhass in seiner Klasse weit verbreitet sind. Nun fragt er sich: Wie kann das sein?

von Jan Tersteegen  22.06.2026

Verhandlungen

USA lockern Sanktionen auf iranisches Öl

Nach »produktiven« Gesprächen mit dem Iran setzen die USA Teile ihrer Sanktionen gegen den Iran vorübergehend aus. Die Maßnahme könnte dem Iran Milliarden einbringen und die Energiemärkte beruhigen

 22.06.2026

Trauer

Ex-Fed-Chef Alan Greenspan ist gestorben

Er galt jahrelang als Orakel und Maestro: Über 18 Jahre lang herrschte Alan Greenspan als Zentralbankchef über die Zinspolitik der weltgrößten Wirtschaftsmacht

 22.06.2026

Debatte

Jüdischer Verein verlangt Schutz für das Tragen religiöser Symbole

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Bei einem Prozess wegen Volksverhetzung in Flensburg musste eine Zuschauerin ihre Davidsternkette ablegen. Der Verein Jüdischer Hochschullehrender fordert nun Maßnahmen von der Justiz

 22.06.2026

Berlin

Mann mit Kippa beleidigt und bespuckt

Laut eines Medienberichts kam es am Samstag in Berlin-Charlottenburg zu einem antisemitischen Vorfall

 22.06.2026 Aktualisiert

Essay

Das Kopftuch und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  22.06.2026

Berlin

Nova-Ausstellung: Interne Unterlagen zeigen Streit um Fördergeld

Die Finanzierung des Projekts war bis zuletzt umstritten. Eine angekündigte Kürzung der Landesförderung in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro wurde zurückgenommen

 22.06.2026

Hamburg

Er spionierte Josef Schuster und Volker Beck aus: Däne vor Gericht

Der Mann mit afghanischen Wurzeln soll im Auftrag des Iran spioniert haben

 22.06.2026

Bundeswehr

Fünf Jahre Militärrabbinat

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) betonte, die Jüdische Militärseelsorge bereichere den Dienstalltag und schärfe die ethische Orientierung der Streitkräfte

 22.06.2026