Bonn

Ermittlungen gegen Polizisten eingestellt

Im Bonner Hofgarten wurde der israelische Hochschulprofessor von einem jungen Mann mit palästinensischen Wurzeln attackiert. Danach wurde Melamed von der Polizei verletzt. Foto: dpa

Es ist genau neun Monate her, dass in Bonn der jüdische Hochschulprofessor Yitzhak Melamed aus den USA angegriffen wurde. Zuerst von einem jungen Mann mit palästinensischen Wurzeln, der ihm »I fuck Jews« und »Kein Jude in Deutschland« hinterherrief. Und wenige Augenblicke später von Bonner Polizisten, die den Gastprofessor aus den USA mit dem Täter verwechselten – und laut Aussagen des Opfers massiv körperlich attackierten.

Die Bonner Polizeipräsidentin entschuldigte sich daraufhin persönlich bei dem jüdischen Mann. Gegen die Beamten, die den Wissenschaftler verletzt hatten, wurde seitdem wegen des Verdachts der Körperverletzung im Amt ermittelt. Aus Neutralitätsgründen übernahm das Polizeipräsidium Köln die Ermittlungen.

Die »Blendschläge« und die Fixierung seien gerechtfertigt gewesen, da Melamed sich gewehrt habe.

Nun hat die Staatsanwaltschaft Bonn die Ermittlungen gegen vier Polizisten wegen des Vorgehens gegen den israelischen Professor eingestellt. Die Aktionen der Beamten seien »nach Polizeirecht gerechtfertigte Maßnahmen« gewesen, sagte Staatsanwalt Sebastian Buß am Montag.

BESCHWERDEN Die alarmierten Polizisten hatten Melamed irrtümlich für den Angreifer gehalten und ihn deshalb überwältigt, so Buß. Da Melamed sich gewehrt habe, habe man ihn am Boden fixiert, hieß es. Außerdem sei er zweimal ins Gesicht geschlagen worden.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Melamed selbst sagte nach dem Vorfall, er sei »Dutzende Male« geschlagen worden. Außerdem versicherte er: »Ich war nicht zu 100, sondern zu 500 Prozent passiv.« Nachdem die Polizisten ihren Irrtum bemerkt hätten, hätten sie versucht, ihn von einer Beschwerde über ihr Vorgehen abzubringen.

Gegen die vier beteiligten Polizisten wurden daraufhin Ermittlungen wegen des Verdachts der Körperverletzung und der versuchten Strafvereitelung im Amt eingeleitet.

Gegen den Mann, der den jüdischen Professor angegriffen hatte, wird dagegen noch weiter ermittelt.

WIDERSTAND Buß sagte nun, der Tatverdacht habe sich nicht bestätigt. Es sei natürlich sehr bedauerlich, dass die Polizisten das Opfer für den Täter gehalten hätten. Da sich der Professor aber vehement gewehrt habe, seien die Fixierung und die »Blendschläge« – die keine wirklich harten Schläge gewesen seien – gerechtfertigt gewesen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Eingestellt wurden auch Ermittlungen gegen den Professor wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Gegen den Mann, der den Besucher aus den USA angegriffen hatte, wird dagegen noch weiter ermittelt.  dpa/ja

Emmendingen

Scholz fordert Aufklärung über Antisemitismus in Schulen

Es müsse dafür gesorgt werden, dass alle über den Nationalsozialismus Bescheid wüssten, sagt der Kanzler

 28.02.2024

Mannheim

Synagogenfenster mit Graffiti beschmiert

Die Kriminalpolizeidirektion ermittelt

 27.02.2024

Streit

Zentralrat der Juden entzieht der Jüdischen Gemeinde zu Berlin das Stimmrecht

Das unabhängige Gericht beim Zentralrat hatte die Aussetzung des Stimmrechts empfohlen - das Präsidium folgte dem nun einstimmig

von Michael Thaidigsmann  27.02.2024

Einspruch

Juden zählen nicht

Warum Zentralratspräsident Josef Schuster die Berlinale-Preisverleihung an die Paulskirchenrede von Martin Walser erinnert

 28.02.2024 Aktualisiert

Magdeburg

Sieben Jahre Haft für Halle-Attentäter wegen Geiselnahme

Wegen des antisemitischen Anschlags von Halle wurde der Attentäter schon zur Höchststrafe verurteilt. Jetzt hat er eine weitere Strafe bekommen. Es ist offen, ob er je wieder in Freiheit kommt

von Dörthe Hein  27.02.2024

Venedig

Künstler fordern Ausschluss Israels von Kunstbiennale

Mehr als 8000 Kunst- und Kulturschaffende haben einen antisemitischen Brief unterzeichnet

 27.02.2024

München

Antisemitischer Angriff vor Synagoge

Ein 43-Jähriger will einen Streit zwischen Jugendlichen schlichten – und wird selbst zum Opfer

 27.02.2024

Berlin

Zwei Polizisten bei anti-israelischer Demo verletzt

Mehrere Strafermittlungsverfahren mussten eingeleitet werden

 27.02.2024

Berlinale-Skandal

»Es muss sich endlich etwas ändern in der Kulturförderung«

»Hetze gegen Israel auf Kulturveranstaltungen« seien regelmäßig zu hören, kritisiert Josef Schuster

 27.02.2024