NS-Verbrechen

Ermittlungen gegen ehemaligen SS-Mann

Denkmal für die Opfer von Babi Jar Foto: Marco Limberg

Ein 94 Jahre alter ehemaliger SS-Mann aus Georgsmarienhütte bei Osnabrück soll im September 1941 in der Ukraine an Massentötungen von Juden, Roma und Behinderten beteiligt gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft Osnabrück habe bereits im vergangenen Jahr Ermittlungen wegen Beihilfe zum Mord gegen den Mann aufgenommen, sagte Behördensprecher Christian Bagung am Freitag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Niedersächsische Justizministerium wies die Sache inzwischen der Generalstaatsanwaltschaft Celle zu.

durchsuchung Was genau dem 94-Jährigen zur Last gelegt wird, wollte Bagung mit Verweis auf die Übergabe des Falls an Celle nicht sagen. Er bestätigte aber, dass seine Behörde im November 2017 eine Durchsuchung der Wohnung des Beschuldigten veranlasst habe.

»Wir müssen uns jetzt erst einmal ein Bild verschaffen«, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Celle, Bernd Kolkmeier, dem epd. »Wir müssen die uns überlassenen Akten und andere Quellen sichten, das braucht Zeit.« Ob die Ermittler den Beschuldigten selbst vernehmen werden, lasse sich noch nicht sagen.

Die sogenannte SS-Einsatzgruppe »C« hatte am 29. und 30. September 1941 innerhalb von 36 Stunden in Babi Jar bei Kiew fast 34.000 Männer, Frauen und Kinder in einer Schlucht zusammengetrieben und erschossen. An dem Massaker waren auch die Geheime Feldpolizei, die Wehrmacht und ukrainische Milizen beteiligt. Der 94-Jährige aus Georgsmarienhütte hatte in einem Fernsehinterview seine Zugehörigkeit zu der SS-Einheit eingeräumt. Er sei zur fraglichen Zeit aber im Werkstattdienst eingesetzt gewesen und habe von den Massenerschießungen nichts gehört, sagte er.

simon-wiesenthal-zentrum Die Ermittlungen gegen den Mann gehen auf zwei Anzeigen zurück, eine stammt vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in den USA. Die 1977 gegründete, in Los Angeles ansässige jüdische Einrichtung hat es sich zur Aufgabe gemacht, untergetauchte Nazi-Verbrecher und Kollaborateure aufzuspüren.

Nach Bekanntwerden der Ermittlungen hatte das Osnabrücker Bündnis Epos (Emanzipatorische Politik Osnabrück) zwei Kundgebungen in Georgsmarienhütte veranstaltet. Sie standen unter dem Motto »Keine Ruhe den Nazi-Tätern«. Die Organisatoren wollten mit den Aktionen darauf hinweisen, dass eine juristische Aufarbeitung des Massakers von Babi Jar und anderer Massentötungsaktionen durch die SS nicht erfolgt sei. epd

Dresden

Jüdisches Leben: Gefühl von Unsicherheit im Alltag

In Sachsen gestalten Jüdinnen und Juden das kulturelle und gesellschaftliche Leben entscheidend mit. Dennoch bleibt Antisemitismus ein präsentes Problem

 23.06.2026

Meinung

Keine Geschäfte mit »Judensternen«

Schoa-Überlebende waren entsetzt, als ein Auktionshaus persönliche Gegenstände von NS-Opfern versteigern wollte. Der Bundesrat hat nun ein Gesetz auf den Weg gebracht, um das zu verbieten. Gut so!

von Christoph Heubner  23.06.2026

München

Bayern will keine antisemitischen Straftäter an Hochschulen dulden

Antisemitische Straftaten haben bundesweit stark zugenommen. Für rechtskräftig verurteilte Hochschulangehörige plant die Regierung in Bayern zusätzliche Sanktionen. Die Grünen sorgen sich um die Meinungsfreiheit

von Christoph Renzikowski  23.06.2026

Linken-Parteitag

Sie nennen es jetzt einen Genozid

In Potsdam verschärfte Die Linke ihre Position zu Israel, betonte in ihren Beschlüssen aber auch den Schutz jüdischen Lebens. Kritiker werfen der Partei vor, nur Lippenbekenntnisse abzugeben

von Michael Thaidigsmann  23.06.2026

Jubiläum

Fünf Jahre jüdische Seelsorge der Bundeswehr: Militärrabbiner Zsolt Balla zieht Bilanz

Seit dem Start der jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren wächst ihre Bedeutung in der Truppe. Sieben Militärrabbiner tun inzwischen Dienst. Ein Fazit - mit Blick auf Zeitenwende und deutsche Geschichte

von Karin Wollschläger  23.06.2026

Genf

Iran widerspricht Vance: Keine Einigung zu Atom-Inspektoren

Ein iranischer Botschafter stellt klar: Es gibt noch kein grünes Licht für die IAEA. Auch in Hinblick auf die Verwendung von eingefrorenen iranischen Vermögenswerten äußert er sich anders als der US-Vizepräsident

 23.06.2026

New York

Mamdani nennt pro-israelische Lobbygruppe »Monster«

New Yorks Bürgermeister verteidigt seine Wortwahl. Der demokratische Abgeordnete Josh Gottheimer wirft ihm vor, Judenhass salonfähig zu machen

 23.06.2026

Washington D.C.

Rubio spricht mit Golfstaaten über Iran-Abkommen

Der US-Außenminister hat sich bislang nur zurückhaltend zu Trumps Iran-Deal geäußert. Steht er wirklich dahinter?

 23.06.2026

Luzern/Teheran

Vance: Iran will IAEA-Inspektoren zulassen – Zeitplan offen

Es kommt Bewegung in die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Der amerikanische Vizepräsident sagt, wie amerikanische Bauern profitieren sollen

 23.06.2026