Interview

»Er hat stets ein offenes Ohr«

Michael Fürst Foto: dpa

Interview

»Er hat stets ein offenes Ohr«

Michael Fürst über den Bundespräsidenten, dessen Verhältnis zu den Gemeinden und seine Verbundenheit mit Israel

von Katrin Richter  05.07.2010 17:41 Uhr

Herr Fürst, am vergangenen Mittwoch ist Christian Wulff zum zehnten Bundespräsidenten gewählt worden. Ist das gut für Juden?
Ja, ohne jeden Zweifel.

Warum?
Ich kenne ihn schon aus Junge-Union-Zeiten, wir hatten über die Jahre hinweg viel miteinander zu tun. Christian Wulff hatte für alle jüdischen Gemeinden in Niedersachsen stets ein offenes Ohr. Und sicherlich ist es nicht zuletzt ihm zu verdanken, dass wir in den ver gangenen Jahren größere Baumaßnahmen in allen Gemeinden durchführen konnten.

Wulff war sieben Jahre lang Niedersachsens Ministerpräsident. Was prägte sein Verhältnis zu den jüdischen Gemeinden im Bundesland?
Man bekommt sehr schnell mit, dass er weiß, worüber er redet. Er hat die atmosphärischen Schwankungen, die wir in den Gemeinden haben, sehr wohl verstanden. Wulff sieht, dass der Zuzug der russischsprachigen Juden für das deutsche Judentum eine weitreichende Bedeutung hat. Und ihm war immer daran gelegen, durch seine Arbeit die dafür notwendige Stabilität zu geben.

Im Zuge seiner Kandidatur wurde bekannt, dass der Bundespräsident Kontakte zu christlich-konservativen Kreisen pflegt und im Kuratorium der evangelikalen Bewegung »Pro Christ« sitzt. Ist das ein Manko?
Dazu kann ich nicht viel sagen, weil mir das nicht bekannt ist. Aber wir kommen an einem Punkt nicht vorbei. Er ist nun mal ein gestandener Christ mit einer entsprechenden Weltanschauung. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass er zum Judentum einen sehr weitreichenden Bezug hat. Er weiß, dass es das Christentum ohne das Judentum nicht gäbe.

Was die deutsch-israelischen Beziehungen betrifft, tritt Wulff als deutscher Staatschef ein großes Erbe an. Seine Vorgänger Johannes Rau und Horst Köhler haben sich auf diesem Feld sehr engagiert. Ist das auch von ihm zu erwarten?
Man darf nicht verkennen, dass Christian Wulff mit seinen 51 Jahren erheblich jünger ist, als es zum Beispiel Rau bei seinem Amtsantritt war. Für den SPD-Politiker spielte Israel, bedingt durch seine Erfahrungen im Dritten Reich, eine ganz besondere Rolle. Wulff hat hervorragende Beziehungen zum jüdischen Staat und ein sehr gutes Verhältnis zum jeweiligen israelischen Botschafter. Man muss dem gerade erst gewählten Bundespräsidenten nun Gelegenheit geben, das alles auf eine solide Grundlage zu stellen.

Was erwarten Sie von ihm im neuen Amt?
Wulff sollte die besonderen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel genauso wertschätzen und pflegen wie seine Vorgänger. Ich bin sicher, dass ihm dies gelingen wird. Womöglich entwickelt er sich sogar zu einem richtigen Stabilitätsfaktor in diesem nicht ganz unkomplizierten Verhältnis.

Mit dem Vorsitzenden des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen sprach Katrin Richter.

Berlin

Zentralrat der Juden gegen Widerspruchslösung

In seinem Tätigkeitsbericht für 2025 geht der Zentralrat auch ethische Fragen rund um das Thema Organspende ein

 17.04.2026

Genf

So reagiert die Weltbank auf antisemitische Posts von Francesca Albaneses Ehemann

Massimiliano Cali soll den palästinensischen Terrorismus relativiert und gegen Juden gehetzt haben

von Imanuel Marcus  17.04.2026

Paris

Bericht: Marine Le Pen trifft Israels Botschafter

Das Gespräch wirft diese Frage auf: Wie geht die Regierung Netanjahu mit rechtsextremistischen Parteien im Ausland um?

 17.04.2026

Yale-Umfrage

Jüngere Wähler in den USA äußern häufiger antisemitische Ansichten

Auch Plattformen wie TikTok spielen eine Rolle. Ihre Nutzer neigen eher zu Judenhass als Konsumenten herkömmlicher Medien

 17.04.2026

Amsterdam

Neue YouTube-Serie folgt den Spuren von Anne Frank

Eine Schauspielerin reist von Frankfurt über Amsterdam bis Bergen-Belsen und bietet Einblicke in das Leben des jüdischen Mädchens, das Millionen Menschen berührt hat

 17.04.2026

München

Proiranische Terror-Gruppe reklamiert Anschlag auf Restaurant für sich

Laut Generalstaatsanwaltschaft ist ein Bekennervideo der schiitischen Gruppe Harakat Ashab al-Yamin al-Islamia Gegenstand laufender Ermittlungen

 17.04.2026

Berlin

Staatsanwaltschaft geht in Revision im Prozess gegen Mustafa A.

Die Staatsanwaltschaft geht bei dem Angriff auf Lahav Shapira von einer antisemitischen Gewalttat aus. Der Täter bestreitet dies und erreicht im Berufungsprozess eine geringere Strafe. Beendet ist der Fall damit nicht

 17.04.2026

New York

New Yorks First Lady entschuldigt sich für antisemitische Social-Media-Beiträge

Als Jugendliche hatte Rama Duwaji etwa die Flugzeugentführerin Leila Khaled gelobt und behauptet, Tel Aviv hätte nie existieren dürfen

 17.04.2026

Libanon

Mütter im Krieg: Mit einem Neugeborenen im Zelt

Frauen und Kinder gehören im Krieg zu den gefährdetsten Gruppen. Schwangere bringen unter widrigen Bedingungen Babies zu Welt. Kauthar ist eine von ihnen

von Amira Rajab  17.04.2026