Projekt

Endstation

Ein- und Weiterfahrt verboten: Für den »Zug der Erinnerung« könnte das schon bald Realität werden. Foto: Fotolia

Der Initiative »Zug der Erinnerung« könnte nach eigenen Angaben bald das Aus drohen. Das Projekt würde sich allein durch Spenden nicht länger aufrechterhalten, sagte Hans-Rüdiger Minow, Sprecher vom »Zug der Erinnerung«, der Jüdischen Allgemeinen. »Wir werden die Arbeit nicht weiterführen, wenn zum Beispiel Schüler mit 20-Cent-Spenden dafür geradestehen, nur weil sich die Bundesregierung nicht entscheiden kann.«

Das Projekt, das seit 2007 mit einer mobilen Ausstellung über die Rolle der Deutschen Reichsbahn während der NS-Zeit informiert, sei nach »fünf Jahren an einem Punkt angekommen, an dem man der Bundesregierung nicht mehr glaubt«, sagt Minow.

Die Bundesregierung schiebe die Verantwortung für Gedenken hin und her. Das geschehe unabhängig von der Patreienkonstellation, denn auch unter der vorherigen Koalition habe es keine bedeutenden Änderungen gegeben. »Wir sind nicht die Narren der Bundesregierung, die Erinnerungsprojekte immer wieder als Beispiel für eine breite Gedenkkultur heranzieht«, sich dann aber weigere, diese zu unterstützen, betont Minow.

Auf eine kleine Anfrage der Linken zu »Finanziellen Forderungen der Deutschen Bahn AG an den ›Zug der Erinnerung‹« antwortete die Bundesregierung, ihr sei »nicht bekannt, welche Kosten von den Verkehrsunternehmen dem Verein ›Zug der Erinnerung‹ in Rechnung gestellt wurden«. Ob die 2009 entrichtete Spende der Bahn in Höhe von 175.000 Euro an die EVZ die Gebühren für den »Zug der Erinnerung« decke, sei der Bundesregierung ebenfalls nicht bekannt.

Unstimmig Der »Zug der Erinnerung« muss bei Benutzung der Bahnhöfe und der Trassen eine Gebühr an die Bahn entrichten. Diese Kosten sind auch für andere Privatbahnen Pflicht, wie ein Sprecher der Bahn bestätigte. Im Falle des »Zugs der Erinnerung« erstatte die Bahn das Geld in Form einer Spende an die Stiftung »Erinnerung, Verantwortung, Zukunft« (EVZ). Ein Sprecher der Bahn sagte der Jüdischen Allgemeinen, dass das Unternehmen auch weiterhin zu seinem Wort stehe, ebendiesen Betrag zu entrichten.

Nun allerdings gibt es Unstimmigkeiten über die noch offene, zu spendende Summe. Nach Minows Berechnungen seien 90.000 Euro offen, die Bahn komme laut Sprecher auf einen Betrag von 30.000 Euro. Seinerseits kann das Unternehmen nur Vermutungen anstellen, wie die Initiative auf die dreifache Summe kommt. Man könne sich vorstellen, dass seitens des »Zugs der Erinnerung« noch weitere Kosten, wie zum Beispiel die für das Personal, mit eingerechnet würden.

Generell ist die Kommunikation zwischen der Bahn und dem Projekt »Zug der Erinnerung« inzwischen an einem Punkt angekommen, an dem es keine »direkten« Gespräche gebe. »Wir haben einige Sachen erst aus der Presse erfahren«, sagt Minow und betont, dass es auch in der Vergangenheit Höhen und Tiefen im Gespräch mit dem Unternehmen gab, die von »höflich« bis »absolut bösartig« verlaufen seien.

Der Bahnsprecher sagte allerdings, dass es auf »der Arbeitsebene sehr wohl Kontakt gibt«. Ansonsten führe man »gelegentliche« Gespräche. Die Erinnerungsprojekte der Bahn, wie zum Beispiel das Gleis 17 im Berliner Grunewald, hörten sich alle sehr »honorig« an, betont Minow. Der Vorsitzende der Initiative nennt es allerdings »unredlich«, wenn diese Projekte mit den Ausgaben verglichen würden.

Eklat in Halle

AfD-Mann Tillschneider will an Anschlags-Gedenken teilnehmen

Aktivisten der Jüdischen Studierendenunion Deutschland verhinderten, dass der Landtags-Vizepräsident die Synagoge betrat

von André Anchuelo  09.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Sachsen-Anhalt

Zentralratspräsident Josef Schuster: Tillschneider »verhöhnt die Opfer« von Halle

Der rechtsextreme Politiker hatte am Freitag versucht, am Gedenken für die Opfer des Anschlags von Halle teilzunehmen

 09.10.2026

Oslo

Israel-Kritikerin Navanethem Pillay erhält den Friedensnobelpreis

Für ihren Einsatz gegen Menschenrechtsverletzungen und für das Völkerrecht: Mit dem Friedensnobelpreis wird in diesem Jahr die südafrikanische Juristin Navanethem Pillay geehrt

 09.10.2026

Magdeburg

Landtagspräsident Rausch plant außenpolitische Initiativen

Mit Tobias Rausch ist erstmals ein AfD-Politiker zum Präsidenten eines deutschen Landtags gewählt. Während noch über die Hintergründe seiner Wahl diskutiert wird, plant der 35-Jährige bereits außenpolitische Initiativen

 09.10.2026

Sondierungen

Lauterbach gegen Rot-Grün-Rot in Berlin

Karl Lauterbach hält den Antisemitismusvorwurf gegen die Linke in Neukölln für gerechtfertigt. Dennoch warnt er vor einer Gleichsetzung mit der AfD

 09.10.2026

Washington D.C.

Trump: Bis zu den Midterms keine Angriffe auf Iran

Am 3. November wird in den USA gewählt. Medien berichteten über mögliche neue Angriffe gegen den Iran noch vor dem Urnengang. Dem widerspricht der Präsident nun

 09.10.2026

Berlin

Zentralrat der Juden kritisiert Antisemitismus-Papier von Linken, Grünen und SPD

Die mutmaßliche neue Regierung will mit Gremien gegen antisemitische Ausfälle von Abgeordneten der Koalition vorgehen. Den Zentralrat der Juden, die Deutsch-Israelische Gesellschaft und die WerteInitiative überzeugt das nicht

 09.10.2026 Aktualisiert

Nahost

Huthis greifen Flughafen in Riad an

Die Huthi und die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung bekämpfen sich im Jemen weiter. Auch Saudi-Arabien gerät immer wieder selbst in die Schusslinie. Droht eine weitere Eskalation am Golf?

 08.10.2026