Gedenkort

Einschnitt auf dem Lindenhügel

Der Denkmal-Standort im Olympiapark war lange umstritten. Foto: dpa

Der Einschnitt sitzt tief: Was man im Münchner Olympiapark mit seinen sanft angelegten, grünsamtigen Anhöhen lieblich den Lindenhügel nennt, wurde wie von einem scharfen Werkzeug in der Horizontalen durchtrennt.

Die grüne Kuppe ist geblieben, offen nach fast allen Seiten, darunter ein begehbarer Raum, in den ein paar Stufen vom umgebenden »Terrain« hinabführen. »Man tritt in ein Gefäß ein«, sagt der Architekt Peter Brückner, »ein Gefäß, das Menschen und Erinnerungen aufnehmen kann«. Brückner und sein Bruder Christian haben vor drei Jahren mit dem Entwurf ihres Tirschenreuther Büros »Brückner & Brückner« die Ausschreibung für die Gestaltung eines Ortes für sich entschieden, der an das Münchner Olympia-Attentat von 1972 erinnern soll. Sie gaben ihm den Titel »Einschnitt«.

Familien »Was damals passiert ist, war ein dramatischer Einschnitt für die heiteren Spiele, für die noch junge Bundesrepublik, für die internationale Politik, vor allem aber war es ein tödlicher Einschnitt für zwölf Menschen«, sagt der Bayerische Kultus- und Wissenschaftsminister Ludwig Spaenle (CSU), der am Montag einen ersten Blick auf den neuen Erinnerungsort freigegeben hat, bevor zwei Tage später im Beisein von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Israels Staatspräsident Reuven Rivlin und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Stätte den Familien der ermordeten israelischen Sportler übergeben wurde.

45 Jahre ist es her, dass am 5. September 1972 acht palästinensische Terroristen ins Olympische Dorf eindrangen, elf israelische Sportler und Betreuer als Geiseln nahmen und dass alle Israelis und ein bayerischer Polizist nach einer missglückten Befreiungsaktion auf dem Fliegerhorst Fürstenfeldbruck, 25 Kilometer von München entfernt, ihr Leben verloren. »Es ist spät, aber nicht zu spät«, sagt Spaenle und dankt dabei ausdrücklich den Familienangehörigen der israelischen Opfer, die sich »sehr lange für eine Gedenkstätte und dafür eingesetzt haben, dass ein solcher Ort geschaffen wird«.

Der endgültigen Entscheidung war ein »konkurrierendes Verfahren« mit einer »konzeptionellen Vorlage« vorausgegangen, erstellt vom Bayerischen Kultusministerium, vom Jüdischen Museum München und von der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. Auch mit der Israelitischen Kultusgemeinde München hielt man Kontakt und stimmte sich zudem eng mit dem israelischen Generalkonsulat und vor allem mit den Angehörigen der Opfer ab. »Sie sind froh und berührt, dass es diesen Ort jetzt gibt«, sagt Mitkuratorin Piritta Kleiner.

Olympisches Dorf Der Umsetzung waren viele, nicht immer schöne Debatten vorausgegangen, vor allem vonseiten der Anwohner des Olympischen Dorfes. Die Münchner lieben ihren Park. Eine begehbare Gedenkstätte, die an einen Terrorakt erinnert, vor der eigenen Haustür? Keine einfache Sache.

Statt des »Studentenhügels« entschied man sich daher für den etwas weiter im Westen gelegenen »Lindenhügel«, der dem Entwurf die Möglichkeit gab, historische »Blickachsen« entstehen und auf den Besucher wirken zu lassen. Die Erinnerungsstätte hält so »Kontakt« zu den Orten, die von den Taten der Terrororganisation »Schwarzer September« nicht zu trennen sind: Da ist die Connollystraße 31, dort der »Pressehügel«, auf der anderen Seite das Olympiastadion.

Getragen wird das Hügeldach des neuen Erinnerungsortes von einem dunklen »Keil« und einer unebenen Wand, die das offene »Panorama« unterbricht und mit der sich der Raum in den Hügel zu schieben scheint. Auf dem »Keil« lassen sich dicht nebeneinander die Biografien der ermordeten Sportler nachlesen, versehen mit Fotos aus deren Leben und persönlichen Dingen. Es ist laut Spaenle »der Versuch, den Opfern ihr Gesicht, ihre Persönlichkeit zurückzugeben«.

Meinung

Wer definiert das Judentum?

Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg im Üechtland verleiht dem messianischen Rabbiner Mark S. Kinzer die Ehrendoktorwürde. Das belastet das jüdische Verhältnis zu einem katholischen Partner

von Zsolt Balkanyi-Guery  12.05.2026

Nahost

Bericht: Vereinigte Arabische Emirate griffen den Iran heimlich an

Eine der Attacken soll Anfang April ein großes Feuer auf einer Raffinerie auf der iranischen Insel Lavan verursacht haben

 12.05.2026

Washington D.C.

Trump erwägt neue Militärschläge gegen Iran

Der US-Präsident bezeichnete die Antwort Teherans auf seinen jüngsten Vorschlag für eine dauerhafte Waffenruhe als »Müll«

 12.05.2026

Essay

Warum ich Zionist bin

Heute ist Zionismus für viele ein Schimpfwort und gleichbedeutend mit Rassismus. Da muss eine Verwechslung vorliegen. Antizionismus ist Rassismus. Der Zionismus ist die selbstverständlichste Antwort auf zweitausend Jahre Verfolgung, Vertreibung und Völkermord

von Mathias Döpfner  12.05.2026

Berlin

Mehr Straftaten gegen Gedenkstätten im vergangenen Jahr

Sachbeschädigung, Volksverhetzung, Diebstahl, Hausfriedensbruch: Die Zahl der Straftaten in und gegen Gedenkstätten ist im vergangenen Jahr gestiegen

 11.05.2026

Brüssel

EU beschließt Sanktionen gegen Israel

Die Europäische Union hat eine politische Einigung für Strafmaßnahmen gegen israelische Siedler erzielt

von Michael Thaidigsmann  11.05.2026 Aktualisiert

Stuttgart/Ulm

Antrags-Scharmützel im Prozess um Angriff auf israelische Rüstungsfirma

Die Verteidigung geht im Prozess um den Angriff auf das Unternehmen Elbit weiter auf Konfrontation zur Richterin. Die Verlesung der Anklage lässt auf sich warten

 11.05.2026

Iran-Krieg

440 Kilo Uran: Zentraler Streitpunkt mit dem Iran

Es dürfte tief unter der Erde in zwei Atomanlagen lagern. Der Verbleib des hoch angereicherten Urans bleibt Hauptkonflikt mit Teheran

 11.05.2026

Wien

Eurovision-Fans werfen EBU unfairen Umgang mit Israel vor

Der Hintergrund ist diesmal eine Werbekampagne der israelischen Rundfunkanstalt KAN für den Sänger Noam Bettan und dessen Beitrag »Michelle«

 11.05.2026