Berlin

»Eine Frage der Gerechtigkeit«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Thomas Lohnes/Zentralrat der Juden

Die Oppositionsfraktionen von Grünen, Linken und FDP im Bundestag fordern eine Verbesserung der Alterssicherung jüdischer Kontingentflüchtlinge. Die Zuwanderung von Juden aus den Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion sei ein großes Glück für Deutschland.

Zugleich seien die Menschen häufig im Alter in einer schwierigen materiellen Lage, heißt es in einem Antrag der Fraktionen. Vorgestellt wurde die Initiative am Mittwoch von den Bundestagsvizepräsidenten Claudia Roth (Grüne), Petra Pau (Linke) und Wolfgang Kubicki (FDP) in Berlin.

UNTERSTÜTZUNG Der Zentralrat der Juden begrüßt den gemeinsamen Antrag von FDP, Linken und Grünen zur Verbesserung der Alterssicherung jüdischer Kontingentflüchtlinge, der am Donnerstag im Bundestag debattiert werden soll.

»Dieser Antrag hat unsere volle Unterstützung«, betont Josef Schuster.

Dazu erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster: »Dieser Antrag hat unsere volle Unterstützung. Es ist eine Frage der Gerechtigkeit, dass auch in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion geleistete Arbeitsjahre jüdischer Zuwanderer analog zu Spätaussiedlern anerkannt und damit die erbrachte Lebensleistung in ihrer Gesamtheit gewürdigt und rentenrechtlich angerechnet werden.«

Das habe mit Respekt und Wertschätzung zu tun und sollte gerade in Deutschland eine Selbstverständlichkeit sein. »Es ist sehr erfreulich, dass sich neben den Ländern jetzt auch Grüne, Linke und FDP gemeinsam für eine Besserstellung der jüdischen Zuwanderer in der Rente einsetzen«, so Schuster.

OPTIONEN Der Antrag schlägt verschiedene Optionen für die Verbesserung der Renten jüdischer Zuwanderer vor. Eine ist die Umsetzung einer Härtefalllösung, wie sie auch im Koalitionsvertrag von Union und SPD in den Blick genommen wird.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Dies favorisiert die FDP, wie Kubicki sagte. Grüne und Linke sind dagegen eher dafür, die Ungleichbehandlung von Spätaussiedlern und jüdischen Zuwanderern aus der früheren Sowjetunion im Rentenrecht zu beenden. Eine darauf zielende Entschließung hatte in der vergangenen Woche auch der Bundesrat verabschiedet.

Der Antrag schlägt verschiedene Optionen für die Verbesserung der Renten jüdischer Zuwanderer vor.

Bei den rund 200.000 jüdischen Zuwanderern, die als sogenannte Kontingentflüchtlinge nach 1990 nach Deutschland kamen, werden bei der Rentenberechnung nur die Arbeitsjahre in Deutschland herangezogen. Da die meisten von ihnen bei der Einwanderung bereits im hohen Alter waren, leben sie trotz langjähriger Berufstätigkeit im Heimatland deswegen in der Regel von staatlichen Leistungen wie der Grundsicherung im Alter. Bei den rund zwei Millionen Spätaussiedlern werden dagegen die Berufsjahre in der alten Heimat angerechnet.

ALTER Kubicki, Pau und Roth betonten, ihnen seien letztlich alle Wege recht, wenn es schnell zu Verbesserungen kommt. »Die Zeit drängt«, sagte Roth. Pau sagte, die Betroffenen seien in der Regel hochbetagt. Sie habe jüdische Zuwanderer kennengelernt, die bei Kämpfen der Roten Armee am Ende des Zweiten Weltkriegs dabei waren.

Die Lebensleistung der Menschen soll auch vor dem Hintergrund der historischen Verantwortung Deutschlands anerkannt werden.

Kubicki sagte, wenn man weitere fünf Jahre mit einer Lösung warte, gebe es das Problem wahrscheinlich gar nicht mehr. Alle drei drängten darauf, die Lebensleistung und Biografien der Menschen auch vor dem Hintergrund der historischen Verantwortung Deutschlands anzuerkennen. Ihnen müsse ermöglicht werden, in Würde im Alter zu leben.

Als dritte Option erwähnt der Antrag auch ein Sozialversicherungsabkommen mit den betreffenden Nachfolgestaaten, um Leistungen rückwirkend auszugleichen. Kubicki gab aber zu bedenken, dass die Verhandlungen zu einem solchen Abkommen vermutlich zu lange dauerten.

FONDS Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, Härtefälle in der Grundsicherung im Rentenüberleitungsprozess durch einen Fonds auszugleichen. Nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums berät derzeit eine Bund-Länder-Gruppe über die Umsetzung.

Die Gespräche sollen Ende dieses Jahres abgeschlossen werden, teilte eine Sprecherin auf Nachfrage mit. Erst in einem anschließenden Schritt soll dann geprüft werden, ob und wie eine solche Regelung auch für Spätaussiedler und jüdische Kontingentflüchtlinge angewendet werden kann.

Grüne, Linke und FDP machten am Mittwoch aber deutlich, dass sie eine schnellere Lösung wollen. »Noch dieses Jahr wäre meine Vorstellung«, sagte Pau und erhielt Zustimmung von Roth und Kubicki. Am Donnerstag wird über den fraktionsübergreifenden Antrag im Bundestag debattiert.  epd/ja

Die Linke

Neuer Kopf, neue Linie

Luigi Pantisano wird voraussichtlich der nächste Vorsitzende der Linkspartei. Wofür steht der 46-Jährige?

von Ralf Fischer  11.06.2026

Krieg

Trump droht Mullahs mit »vollständiger Kontrolle« der iranischen Öl-Industrie

Darüber hinaus kündigte der US-Präsident auch weitere Angriffe an

 11.06.2026

Berlin

Streit an der TU um Beschlüsse der studentischen Vollversammlung

Besonders umstritten ist die Forderung, bestehende institutionelle Beziehungen zu israelischen Unis auszusetzen und überprüfen zu lassen. Eine jüdische Studentengruppe widerspricht

 11.06.2026

Berlin

Jüdischer Juristenverband als herausragende soziale Initiative ausgezeichnet

Die Organisation jüdischer Juristen ist eines von 25 Projekten, die vom Verein »startsocial« für ihr Engagement gewürdigt wurden. Gastgeber der Ehrenveranstaltung war Bundeskanzler Friedrich Merz

 11.06.2026

Pro & Contra

Soll die Bevölkerung in der Schweiz auf 10 Millionen begrenzt werden?

Ja, sagt Jessie Katz: »Sie anzunehmen sollte schon nur aus dem Grund, um die Sicherheit für die jüdische Bevölkerung zu verbessern.« Nein, findet Zsolt Balkanyi-Guery: »Ein Einwanderungsstopp verspricht nur vordergründig Sicherheit und ist für jüdische Menschen keine Antwort auf die tatsächlichen Herausforderungen des Antisemitismus.«

von Jessie Katz, Zsolt Balkanyi-Guery  11.06.2026

Washington D.C.

Bill Gates: Epstein hat mich erpresst

Der Sexualstraftäter habe sein Wissen um seine Untreue ausnutzen wollen, sagt der Microsoft-Mitgründer. Er räumt aber auch Fehler ein

 11.06.2026

Dresden

Kampagne soll Neugier auf jüdisches Leben wecken

Die Initiative soll mehr Wissen über Judentum und Israel vermitteln

 11.06.2026

Hass auf der Bühne

»Hofnarr der Hamas«: Bassem Youssef tritt heute in Berlin auf

Der amerikanisch-ägyptische Comedian relativiert die Hamas-Verbrechen vom 7. Oktober und verbreitet Verschwörungsmythen über Israel. Nun werden Forderungen nach einer Absage seiner Vorstellung im Tempodrom laut

von Imanuel Marcus  11.06.2026 Aktualisiert

Ramallah

Externe Prüfung geht von Ende der palästinensischen Terror-Renten aus

Vorläufige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Sozialleistungen der PA nicht mehr an die Dauer von Haftstrafen sogenannter »Märtyrer« gekoppelt sind

 11.06.2026