Kommentar

Ein Zeitalter geht zu Ende

Eugen El Foto: Marco Limberg

Ich bin ein Kind des Aufbruchs. Als ich sieben Jahre alt war, besiegelten Leonid Krawtschuk, Stanislaw Schuschkewitsch und Boris Jelzin im Belowescha-Urwald nahe der belarussisch-polnischen Grenze das Ende der Sowjetunion. Die Staatschefs von Ukraine, Belarus und Russland läuteten im Dezember 1991 ein neues Zeitalter ein, indem sie das kommunistische Imperium friedlich beerdigten.

Die 90er-Jahre waren für viele Menschen in der Ex-UdSSR politisch wie wirtschaftlich anstrengend und chaotisch. Ich habe sie als eine Zeit der Öffnung, des Experiments und beständigen Aufbruchs erlebt. Nicht nur im Westen, auch in Minsk, Kiew und woanders glaubten viele, von jetzt an werde sich die Liberalität in allen Belangen durchsetzen.

KRIM 1993 machten wir Urlaub auf der Krim, die ukrainischen Hotelmitarbeiter scherzten über ihr neues Geld und die vielen Touristen aus Belarus. Die große Trübung setzte allmählich ein. 1994 gewann Alexander Lukaschenko völlig überraschend die Präsidentenwahl in Belarus. 1997 flohen wir vor seinem Repressionsregime nach Deutschland.

Als Boris Jelzin am 31. Dezember 1999 seinen Rücktritt erklärte und den bis dahin fast unbekannten Wladimir Putin als seinen Nachfolger präsentierte, wussten meine Eltern sogleich: Das wird nicht gut gehen. Putin sei ein »KGBist«, sagten sie, und man wisse, was das mit sich bringe. Putin hielt, was seine Biografie versprach. Er unterdrückte sehr schnell und sehr systematisch jegliche politische und mediale Opposition. 2014 annektiere er die Krim - und damit auch ein Stück meiner Kindheit.

ÜBERFALL 22 Jahre nach seiner Einsetzung und 30 Jahre nach dem friedlichen Ende der Sowjetunion hat Wladimir Putin ein neues Zeitalter eingeläutet. Sein Überfall auf die Ukraine beendet endgültig die Zeit des Aufbruchs, in der ich aufwachsen durfte. Putin katapultiert uns alle in ein finsteres Zeitalter zurück, das die meisten von uns noch nicht erlebt haben.

Wie auch immer sich dieser Krieg entwickeln wird: Auf Jahrzehnte hin vergiftet der russische Präsident die Beziehungen zu so ziemlich allen Staaten und Menschen der Ex-UdSSR, Europas und des Westens. Wird Russland das je wiedergutmachen können?

Warschau

Absage an Antisemitismus: Polnische Bischöfe besuchen Synagogen

Vor 40 Jahren umarmte Papst Johannes Paul II. in Roms Hauptsynagoge den dortigen Oberrabbiner. In Polen erinnern nun Bischöfe an diesen Meilenstein in den katholisch-jüdischen Beziehungen. Es gibt aber auch Misstöne

von Oliver Hinz  14.04.2026

Jom Haschoa

»Die Bedrohung ist nicht mehr abstrakt«

Israelischer Botschafter Ron Prosor fordert bei einer Gedenkveranstaltung im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen entschlossenes Handeln und den Schutz jüdischen Lebens

 14.04.2026

Düsseldorf

Studentenparlament fordert Boykott israelischer Hochschulen

Der Antrag stammt aus dem Umfeld der antisemitischen BDS-Kampagne. Jüdische Studenten und andere Demokraten üben heftige Kritik an dem Entschluss

 14.04.2026

Rom

Italien setzt Verteidigungsvereinbarung mit Israel aus

Italien unter Ministerpräsidentin Meloni gilt als enger Verbündeter Israels. Nun setzt ihre Regierung eine Vereinbarung mit dem jüdischen Staat aus. Konkrete Auswirkungen hat dies aber wohl nicht

 14.04.2026

Rechtsextremismus und Antisemitismus

Hetze und KI-Fakes belasten Arbeit in Gedenkstätten

Der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Axel Drecoll, beklagt eine besorgniserregende Entwicklung

 14.04.2026

Gedenkstätte KZ Ravensbrück

Hitlergruß im Krematorium: Schülerinnen sorgen für Entsetzen

Nach Angaben der Leitung ließen sich drei Mädchen dabei fotografieren

 14.04.2026

Washington D.C.

Trump löscht umstrittenes KI-Bild, das ihn als Jesus Christus zeigt

Die Abbildung rief scharfe Kritik hervor – auch aus dem konservativen Lager

 14.04.2026

Meinung

Wie die UN indirekt den Holocaust relativieren

Die kürzlich angenommene Resolution zur Aufarbeitung des transatlantischen Sklavenhandels ist ein Akt des geschichtspolitischen Revisionismus

von Jacques Abramowicz  14.04.2026

Meinung

Israel, Ungarn und die Abwahl Viktor Orbáns

Mit dem langjährigen Ministerpräsidenten hatte der jüdische Staat einen Verbündeten in der EU. Dennoch könnte dessen Abwahl eine Chance sein, das ungarisch-israelische Verhältnis auf eine nachhaltigere Grundlage zu stellen

von Domokos Szabó  14.04.2026