Interview

»Ein starker Zusammenhalt«

Rabbi Sudakevitch, wie ist die Lage in Tokio?
Seit ein paar Stunden wackelt die Erde nicht mehr. Aber wir wissen nicht, wie es mit dem Kernreaktor weitergehen wird. Niemand kann das wissen.

Wie haben sich das Erdbeben und der Tsunami auf die jüdische Gemeinde in Japan ausgewirkt?
Wir in Tokio sind verschont geblieben. Die meisten Juden in Japan leben hier in der Hauptstadt.

Wie können Sie den Opfern helfen?
Wir haben bei einem Großhändler Decken und Lebensmittel gekauft – Reis, Zucker, Mehl, Nudeln. Das wollen wir mit Transportern in vier Orte in den Krisengebieten bringen. Wir haben mit anderen Organisationen Kontakt aufgenommen, um vielleicht zusammenzuarbeiten. Ich habe viel zu tun, denn ich bin allein hier im Chabad-Zentrum.

Trotz der katastrophalen Situation bewahren die Menschen auf den Straßen und in den Geschäften die Ruhe. Wie erklären Sie sich das?
Ich denke, es liegt an der Mentalität. Die Japaner sind Erdbeben gewohnt – wenn auch nicht in dieser Stärke. Jahrelang haben sie geübt, wie sie sich im Katastrophenfall verhalten sollen. Jetzt tun sie genau das, was sie gelernt haben. Mir fällt auf, dass es einen starken Zusammenhalt gibt. Aber die Menschen spüren, dass man nicht viel tun kann.

In wenigen Tagen ist Purim. Wie werden Sie es feiern?
Das ist eine schwierige Frage. Ich weiß keine Antwort darauf. Viele haben Tokio verlassen. Es wird keine große Party geben, wie wir es ursprünglich geplant hatten.

Mit dem Chabad-Rabbiner von Tokio sprach Tobias Kühn.

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