Israelkongress

»Ein Signal der Fröhlichkeit«

Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland:

Die Botschaft hier ist: Israel ist nicht alleine – und wir, die wir Israel unterstützen, sind auch nicht alleine! (…) Israel zu verteidigen, ist leider so gar nicht populär. Aber nach wie vor wichtig, ja unverzichtbar. Denn – die Wahrheit ist nach wie vor leider: Israel ist heute das einzige Land auf der ganzen Welt, das seine Feinde nicht nur einfach besiegen, sondern ausdrücklich total vernichten und sogar auslöschen wollen. Die Islamisten von heute kritisieren an Israel ja gar nicht seine konkrete Politik, sondern schon alleine seine bloße Existenz. (…) Ziel der Islamisten ist nicht etwa ein anderes, nicht ein »besseres« Israel, sondern überhaupt kein Israel. Ziel ist die Auslöschung des jüdischen Staates.

Aber – niemals werden sie dieses Ziel erreichen. Das versprechen wir alle ganz fest. Wir Juden haben gelernt: Wenn jemand droht, uns vernichten zu wollen, so müssen wir das ernst nehmen. Denn: Hat er einmal die Möglichkeiten dazu in der Hand, wird er sie auch einsetzen. Das ist unsere Erfahrung, das ist unsere Geschichte. Aber das wird ganz sicher nicht unsere Zukunft sein! (…)

Macht Israel auch Fehler? Ja, jede Menge sogar. Aber: Wer macht die eigentlich nicht?! Mehr Fairness im Umgang mit Israel, das wünschen wir uns. (…) Und weniger Kälte, weniger Rechthaberei, denn die Kübel von Häme, von Hass und von Hetze, die geradezu genüsslich über Israel ausgegossen werden, sind zutiefst ungerecht und manchmal auch nur noch niederträchtig. Natürlich ist es im guten, alten, gemütlichen Europa oft so viel einfacher, kluge und weise Ratschläge zu geben. (…)

Probleme Aber in Israel geht es nun mal nicht um lustvolle Luxusprobleme wie »Schöner Wohnen« (…). Nein: Für Israel ist es eine Sache von Leben und Tod. In Israel kann jeder Fehler buchstäblich tödlich sein.

Israel wird darum immer bereit sein müssen, um seine Menschen schützen zu können. Genau das führt dazu, dass Israel nach wie vor mit die höchsten Militärausgaben pro Kopf weltweit hat (…). Und dass das auch zu massiven sozialen Spannungen im Innern führen kann, haben wir gerade an den großen Massendemonstrationen in Israel im Sommer gesehen. Die Menschen in Israel zahlen jeden Tag sehr persönlich einen ganz konkreten Preis für ihren Kampf ums Leben und ums Überleben. (…)

Israel muss immer auf das Gute hoffen und sich auch auf das Schlechte vorbereiten. Das bleibt so, auch wenn im Moment gerade der Wind des Wandels durch die arabische Welt fegt. Wenn Menschen sich einsetzen für die Freiheit, wenn sie die Mauern der Diktatur niederreißen wollen, sind unsere Herzen sicher immer auf ihrer Seite. Ohne Wenn und Aber. (…) Was wir etwa im September in Kairo erleben mussten, die Erstürmung der israelischen Botschaft durch einen rasenden, blindwütigen Mob – das erzeugt ganz gewiss so gar keine freundlichen Frühlingsgefühle. (…)

Werte Nicht vergessen aber darf man: In der Region gibt es schon eine bewährte, lebendige, bunte Demokratie – und das seit mehr als sechs Jahrzehnten. Viel zu wenig gewürdigt wird, dass uns in Deutschland mit Israel eine wirkliche Wertegemeinschaft verbindet. (…) Jenseits aller Überlegungen also, was die Vergangenheit angeht: Indem wir hier Israel unterstützen, helfen wir uns selbst. Es ist eine Investition in unsere eigenen Werte, in unsere Zukunft!

In den letzten Monaten erleben wir plötzlich die politische Aufwertung der Hamas, infolge der neuen und fatalen Verbrüderung zwischen der Fatah und der Hamas. Die Hamas wird uns nun plötzlich sogar als neuer Friedenspartner präsentiert. (…) Für uns bleibt sie, was sie immer war: eine mörderische, brutale Terror‐Truppe. (…)

Und gerade in diesen Tagen haben wir die Heimkehr von Gilad Schalit erlebt. Wie sehr freuen wir uns darüber von ganzem Herzen – unbeschreiblich groß ist unsere Freude, dass seine Eltern ihn nun endlich wieder in die Arme schließen können! (…) Aber vergessen wir nicht den immensen Preis, den Israel dafür zahlen musste und den die Hamas Israel dafür abgepresst hat: Über 1.000 Gefangene muss Israel freilassen, darunter verurteilte, sadistische Massenmörder, Terroristen mit Strömen von Blut an ihren Händen. (…) In Israel gilt der Triumph des Lebens, ein einziges Leben zählt mehr als alles andere sonst. Die Hamas dagegen hat Gilad Schalit jahrelang illegal gefangen gehalten, ihn benutzt als reine Ware. Dort gilt der Kult von Opfer und von Tod. (…)

Ratschläge Und dennoch: Inzwischen gibt es mehr und mehr Politiker auch bei uns, die Israel freundlich, oder auch bedrängend, empfehlen, doch mit der Hamas nun endlich gütlich zu reden und vernünftig zu verhandeln. Solche Politiker finden wir natürlich ganz oft in der Linkspartei (…). Aber auch in anderen Parteien finden wir immer mehr Politiker, die solche Ratschläge (…) geben. Diesen klugen Ratgebern gebe ich meinerseits den Rat, sich einmal die Mühe zu machen und die gültige Charta der Hamas selbst zu lesen. Dort findet man nicht nur die selbstverständliche Ankündigung, Israel zu vernichten, sondern auch die Aufforderung, alle Juden in der ganzen Welt ermorden zu wollen. (…) Wem, der noch recht bei Sinnen wäre, wäre zuzumuten, mit seinen Todfeinden über seine eigene Vernichtung zu verhandeln? Das sind keine Ratschläge, das sind Tiefschläge. Israel kann und wird und darf diese Ratschläge mit Sicherheit niemals befolgen. (…)

Wer über den Terror im Nahen Osten redet, der kann und darf über den Iran nicht schweigen. Die Drahtzieher, Anstifter, Hintermänner und Paten des Terrors sitzen in Teheran. (…) Viel zu viele deutsche Firmen verhalten sich hier geradezu zum Schaudern schändlich und betreiben (…) ihre Geschäfte mit einem Régime, das die Judenfeindschaft zur Staatsräson gemacht hat (…). Diese schreckliche Geschäftemacherei ausgerechnet deutscher Firmen mit denen, die uns Juden ganz offen schon den nächsten Holocaust ankündigen, ist eine Schande. (…)

Wir alle, denen Israel am Herzen liegt, müssen auch künftig zusammenhalten und zusammen arbeiten. (…) Aber bei allem Einsatz: Es ist bestimmt auch keine fanatische Verbissenheit, die uns antreibt. Wir sind gegen niemanden – sondern für einen gerechten Frieden für alle. Unser Anliegen ist aber auch ein Signal von munterer Fröhlichkeit, denn Israel ist ein Land voller Lebenskraft, Lebenslust, Lebensfreude, energiegeladen, enthusiastisch, herzlich, fröhlich und dem Optimismus immer zugewandt. Dieses Lebensgefühl gibt auch uns Stärke und Kraft und neuen Mut. Da bin ich mir ganz sicher!
Ralph Giordano, Schriftsteller und Publizist:

Ich bin hier an einem neuralgischen Punkt meiner Existenz angelangt – der Spannung zwischen der Liebe zu Israel und der Unteilbarkeit der Humanitas. Wo immer sie verletzt wird, es muss auf den Tisch. Bekanntlich wird Israel von niemandem schärfer kritisiert als von Israelis selbst – ein Zeichen ihrer verfassungsrechtlichen Freiheit. Ich könnte mich also in bester Gesellschaft fühlen, und doch bauen sich innere Hemmungen auf. (…)

Liegen sie doch nur allzu schmerzhaft offen, die »Probleme«, über die Israelis erbittert miteinander streiten, soziale, innen‐ und außenpolitische, von der Siedlungspolitik bis zum Wohnungsbau, von der Mauer bis zu militärischen Aktionen. Dazu das riesige, riesige Palästinenserproblem (…).

Dennoch darf es keinen Zweifel geben, wie im Falle eines Falles die jeweilige Entscheidung auszufallen hat: für die Unteilbarkeit der Humanitas – das unaufkündbare Siegel des Bündnisses mit Israel.

Besserwisser Mit der Legitimation dieser Entscheidung aber empöre ich mich über die Selbstverständlichkeit, mit der Israel hierzulande von großen Teilen der öffentlichen und der veröffentlichten Meinung auf die Anklagebank gesetzt wird. (…) Ich sehe rot, wenn ungefährdete Deutsche in Redaktionsstuben, Chefetagen und Talkshows Israel besserwisserisch belehren wollen, wie es sich schützen könnte vor einem Gegner, der mit der Losung »Ihr liebt das Leben, wir den Tod« den stärksten aller menschlichen Triebe, den der Selbsterhaltung, außer Kraft gesetzt hat. (…)

Es wäre heilsam, sich immer wieder klarzumachen, welche Gegner Israel gegenüberstehen, nämlich »bösartige und archaische Diktaturen«, wie der diesjährige Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels, der Algerier Boualem Sansal, sie in seiner Paulskirchen‐Dankesrede ohne Umschweife beim Namen genannt hat. (…)

Skrupel So sicher, wie jede jüdische Intifada in jedem islamischen Land von den Machthabern schon am Abend des Tages, an dem sie ausgebrochen war, in ihrem eigenen Blut ertränkt worden wäre, so sicher hätte Israel die militärische Stärke, alle Blockadebrecher schon auf hoher See abzufangen und auf den Grund des östlichen Mittelmeers zu schicken und überhaupt mit jeder Art von Angriff rigoros fertig zu werden. Nur – Israel kann den Kampf nicht führen, wie seine Gegner ihn führen würden – das geht nicht. (…)

Dass Israel sich die Skrupel auch angesichts seiner skrupellosen Gegner bewahrt hat, das kommt aus seiner tiefsten Genesis, seinem innersten Ursprung. (…) Es ist der kleine Judenstaat, der an seinem Standort die großen Werte der Menschheit verteidigt, nicht seine Gegner. Warum begreift die Welt nicht, dass ihr Schicksal mit dem Israels, im Guten wie im Bösen, unlösbar verbunden ist? (…)

Nun macht der 2. Deutsche Israelkongress mich zum ersten Preisträger des neu geschaffenen Vereins »ILI«. Ich nehme die Auszeichnung dankend an, verbunden mit allen jüdischen und nichtjüdischen Freunden Israels, besonders den deutschen, die es schon einmal leichter als heute hatten, sich zu Israel zu bekennen. Aber wir wissen, dass sie da sind, zuverlässige Bundesgenossen, auf deren Wort wir bauen können und die mit uns rufen: »I like Israel!«
Yes – I do, we do!
Yoram Ben‐Zeev, Botschafter des Staates Israel in der Bundesrepublik Deutschland:

Seit der Gründung unseres Staates vor 63 Jahren versuchen wir, Frieden mit unseren Nachbarn zu erreichen. Ein echter Frieden ist das Beste für uns alle. Ich bin überzeugt davon, dass Frieden auch die beste Garantie für Israels Sicherheit ist. Wir wollen Frieden – vor allem mit unseren palästinensischen Nachbarn. Wir wollen die Zwei‐Staaten‐Lösung gemeinsam mit ihnen umsetzen. Doch das werden wir nur durch direkte Verhandlungen schaffen. Einseitige Schritte der Palästinenser bei den Vereinten Nationen bringen uns dem Frieden nicht näher. Keine einzige der Kernfragen wie Grenzen, Wasser, Flüchtlinge, Sicherheit und Jerusalem kann durch UNO‐Resolutionen geklärt werden. Es gibt nur einen Weg: Wir müssen an den Verhandlungstisch zurückkehren. Israel ist dazu bereit. (…)

Stolz Liebe Freunde, trotz aller Aufregung um uns herum ist in Israel die Lage stabil. Wir müssen – wie immer – mit allen neuen Herausforderungen flexibel umgehen. Wir haben ja auch keine Wahl, denn wir leben im Nahen Osten. Ich gebe Ihnen einige Beispiele dafür, dass wir uns nicht von unserem erfolgreichen Weg abbringen lassen. Erstens: Wirtschaft. Auch im weltweit ökonomisch schwierigen Jahr 2011 ist die israelische Wirtschaft noch um 4,8 Prozent gewachsen! Zweitens: Demokratische Werte. Ein Beispiel dafür, dass unsere lebendige Demokratie funktioniert, ist die Bewegung für soziale Gerechtigkeit, die in diesem Sommer große Teile der Bevölkerung mobilisiert hat. (…) So funktioniert Demokratie. Lösungen werden in einem Dialog gesucht – ohne Gewalt! Drittens: Forschung. Wir sind stolz darauf, dass der Chemie‐Nobelpreis in diesem Jahr an den israelischen Wissenschaftler Daniel Shechtman vom Technion in Haifa verliehen wird. (…)

Dieser Erfolg zeigt uns, dass die Freiheit des Geistes Israels wichtigstes Kapital ist. Israelis denken »outside the box«. Und dieses kreative Denken war und ist der Ursprung der Innovationen, die unser Land voranbringen.

Gemeinsam Unser Erfolg bedeutet nicht, dass wir andere bevormunden wollen. Ganz im Gegenteil. Wir wollen mit unseren Nachbarn zusammenarbeiten. Wir wollen gemeinsam die Wüstenbildung bekämpfen, die Landwirtschaft voranbringen, uns um die Wasserressourcen kümmern. Es ist an der Zeit, dass unsere arabischen Nachbarn begreifen, dass nicht Israel der Feind ist. Der Feind sind der Mangel an Bildung, fehlende Meinungsfreiheit, die Unterdrückung von Minderheiten, Wassermangel und so weiter.

Liebe Freunde, schließen möchte ich mit einem Blick auf die deutsch‐israelischen Beziehungen. Und ich möchte es ganz deutlich sagen: Ich halte unsere Beziehungen insgesamt für hervorragend! Diese Tatsache schließt natürlich nicht aus, dass wir auch Meinungsverschiedenheiten haben. Doch ich hoffe, dass wir uns respektieren und gegenseitig zuhören, auch wenn wir nicht immer derselben Meinung sind. (…) Meine Damen und Herren, ich weiß: Israel hat gute Freunde in Deutschland. (…) Ich hoffe, dass der Israelkongress ein fester Bestandteil dieser Freundschaft bleiben wird.

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