Gabriel Bach

Ein Leben für Blau-Weiß

Gabriel Bach sel. A. (1927–2022) Foto: picture alliance/dpa

Gerade bei deutschen Gesprächspartnern hat Gabriel Bach Eindruck hinterlassen. Das lag nicht nur an seinem geschliffenen, akzentfreien Deutsch sowie seinem überragenden Intellekt und Charisma. Es hatte auch mit Bachs Art zu tun, auf Menschen zuzugehen.

1927 wurde er in Halberstadt am Harz als Sohn von Erna und Victor Bach geboren. Wenige Wochen später zog die jüdische Familie nach Berlin. Victor Bach, einer der führenden deutschen Zionisten seiner Zeit, war Generaldirektor einer Kupfer- und Messingfirma. Gabriel ging auf die jüdische Theodor-Herzl Schule – »die lag damals am Adolf-Hitler-Platz«, wie er einmal sarkastisch anmerkte.

Nur zwei Wochen vor den Novemberpogromen 1938 gelang den Bachs trotz bürokratischer Widrigkeiten die Flucht aus Nazi-Deutschland. Zunächst ging es in die Niederlande, und von dort 1940 weiter nach Palästina. Das Überleben habe seine Familie auch dem »sechsten Sinn« des Vaters verdankt, sagte Bach einmal, denn der habe gewusst, was den deutschen Juden blühen würde. Obgleich er den britischen Premier Neville Chamberlain heute rational gesehen für dessen Appeasement Hitlers kritisieren müsse, habe Chamberlains Agieren »uns damals wahrscheinlich das Leben gerettet«, so Bach.

LAUFBAHN Nach dem Krieg absolvierte er am University College in London ein Jurastudium – in seiner neuen Heimat Israel gab es damals noch keine juristische Fakultät. 1953 begann Bach seine berufliche Laufbahn bei der Staatsanwaltschaft und machte dort schnell Karriere.

1961, mittlerweile stellvertretender Generalstaatsanwalt des Landes, wurde er von (dem ebenfalls aus Deutschland stammenden) Justizminister Pinchas Rosen gebeten, die Anklage gegen Adolf Eichmann vorzubereiten.

Der Jurist war zunächst die einzige Person, die mit dem in Argentinien aufgespürten SS-Mann sprechen durfte. Im Prozess, der 1963 mit einem Schuldspruch und Todesurteil endete, präsentierte Bach zahlreiche Dokumente und Filmmaterial, das den Massenmord der Nationalsozialisten an den Juden minutiös belegte.

Dem Verein Schalke 04 hielt Bach zeitlebens die Treue und trug das Trikot stolz unter dem Jackett.

Der Hinrichtung Eichmanns wollte Bach selbst nicht beiwohnen. Er habe seine Schuldigkeit getan, sagte er. 1969 wurde der Jurist zum Generalstaatsanwalt berufen, und von 1982 bis zu seiner Pensionierung 1997 war Bach Mitglied des Obersten Gerichtshofes Israels.

ZEITZEUGE Mit seiner Frau Ruth lebte er in Jerusalem und trat bis kurz vor seinem Tod als Zeitzeuge auf. Es gab praktisch kein Interview, bei dem Bach nicht zum Verfahren gegen Adolf Eichmann befragt wurde. »Es ist kaum ein Tag vergangen, an dem ich nicht an diesen Prozess erinnert worden wäre«, sagte er 2013.

Seiner deutschen Heimat blieb Bach trotz der NS-Verbrechen verbunden und wirkte aktiv an der Verbesserung der deutsch-israelischen Beziehungen mit.
Sein Tod am vergangenen Samstag im Alter von 94 Jahren löste hierzulande große Trauer aus. Der ehemalige SPD-Vorsitzende Martin Schulz, der Bach noch vor Kurzem in Israel besucht hatte, schrieb auf Twitter: »Sein Beitrag zum Prozess gegen Adolf Eichmann war ein Beweis dafür, dass es Gerechtigkeit gibt und zugleich immer auch Versöhnung möglich ist. Ich verneige mich in Ehrfurcht vor seiner großen Weisheit und Güte.«

Eine Würdigung des Verstorbenen kam auch vom Fußball-Bundesligisten Schalke 04, dem Bach zeitlebens die Treue gehalten und dessen Trikot er ab und an stolz unter dem Jackett getragen hatte. In der Stadionzeitung schrieb Gabriel Bach einmal: »Der FC Schalke hatte damals wie heute eine der besten Mannschaften in Deutschland. Und das Schönste: Die Trikots der Schalker hatten die gleichen Farben wie meine Schuluniform an der Theodor-Herzl-Schule in Berlin: blau und weiß.«

Frankreich

»Fick dich, Gisèle, fickt euch, ihr Zionisten«

Gisèle Journo ist Jüdin und betreibt in Paris eine Agentur für Influencer. Jetzt ist sie Zielscheibe antisemitischer Anfeindungen geworden. Auslöser war der Boykottaufruf einer Europaabgeordneten

von Michael Thaidigsmann  21.08.2026

Berlin

Amnesty International ruft Hamas zum Ende der Gewalt auf

Gewalt und außergerichtliche Hinrichtungen durch die Terrororganisation auch gegen Palästinenser kommen laut UN regelmäßig vor. Menschenrechtler fordern ein sofortiges Ende dieser Verbrechen

von Anna Mertens  21.08.2026

Erfurt

Deutsch-israelischer Jugendaustausch kommt nicht voran

Thüringens Antisemitismusbeauftragter Michael Panse sieht strukturelle und politische Gründe. Auch ein Austauschprogramm stockt

von Matthias Thüsing  21.08.2026

Wahlkampf der AfD mit Spitzenkandidat Ulrich Siegmund

Magdeburg

Wie sich die AfD auf eine mögliche Regierung vorbereitet

Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt könnte der rechtsextremistischen AfD erstmals den Weg in eine Landesregierung öffnen. Mit Schulungen, einem Personalpool und Hilfe aus Österreich bereitet sie sich seit langem darauf vor

von Jörg Ratzsch  21.08.2026

Berlin

Bezirk prüft Entzug der Zulassung von antisemitischem Influencer als Berufsbetreuer

Auf Instagram verbreitet er Judenhass und Verschwörungsmythen, im Job soll er Berufstätige mit Herausforderungen betreuen. Passt das zusammen?

 21.08.2026

Iran-Konflikt

Nach Berichten über Missstände: US-Flugzeugträger »USS George Washington« löst Pannenschiff ab

Die »USS Abraham Lincoln« ist seit Monaten im Mittleren Osten eingesetzt und hat zuletzt wegen erheblicher Probleme an Bord Schlagzeilen gemacht. Nun ist ein neuer Flugzeugträger in der Region angekommen

 21.08.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Kommentar

Die verlorene Mitte

Beim Betrachten des Wahlkampfs zu den Landtagswahlen im Herbst muss man feststellen: Judenhass ist in Deutschland längst kein Ausschlusskriterium mehr für die Parteien der sogenannten politischen Mitte

von Benjamin Graumann  21.08.2026

Berlin/Brüssel/Jerusalem

Sieben Staaten und EU verlangen Stopp von Siedlungsprojekt im Westjordanland

Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und weitere Länder fordern Israel auf, die geplante Bebauung zu stoppen. Die EU bereitet offenbar ein Sanktionspaket vor

 21.08.2026

Khan Younis

Israel wirft Hamas Folter in Klinik vor

Die Terrororganisation soll ein Krankenhaus im Süden des Gazastreifens als Folterzentrale nutzen, um ihre Macht über die Bevölkerung auszubauen

 20.08.2026