reaktionen

Ein ganz besonderer Tag

Top-News und Top-Terrorist: Auch in Israel sorgt Osama bin Ladens Tod für Schlagzeilen. Foto: Flash 90

Sie hissten keine Flaggen, auch waren die Freudenrufe verhalten. Denn an dem Datum, als die Welt erfuhr, dass der Top-Terrorist Osama bin Laden endlich gefasst und tot war, gedachte Israel der sechs Millionen im Holocaust ermordeten Frauen, Männer und Kinder. Jom Haschoa ist kein Tag zum Fröhlichsein. Zu tief ist die Trauer über die Getöteten ins nationale Bewusstsein eingebrannt. Im ganzen Land fanden Zeremonien zu Ehren der Opfer der Schoa statt. Dennoch war ein kollektives Aufatmen über das Ende des Al-Qaida-Chefs überall deutlich zu spüren.

jesch Auch in Schulen machte die Nachricht in Windeseile die Runde. Selbst zehnjährige Mädchen und Jungen in den Grundschulen haben den Namen bin Laden bereits gehört, obwohl die Wenigsten wissen, um wen es sich dabei eigentlich handelt. Das Wort »Terrorist« aber kennen sie alle. »Jesch«, riefen sie, als sie in den Pausen über ihre Handys davon hörten. »Sie haben ihn.« Dann kehrten sie zu den Geschichtsvorträgen und Erzählungen der Überlebenden zurück.

Um 10 Uhr zerriss eine Sirene die relative Stille an diesem Tag. Zwei Minuten lang standen Menschen, Autos und Maschinen regungslos, egal, wo sie sich gerade befanden. Trauer legte sich wie ein grauer Schleier über das ganze Land. Die Radio- und Fernsehstationen sendeten bedächtige Musik oder Programme zum Holocaust. In der nationalen Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem fand die zentrale Feier statt, die live im Fernsehen übertragen wurde.

netanjahu Die gesamte Politikerelite war vertreten. Auch Staatspräsident Schimon Peres, der später sagte, dass die Welt ohne bin Laden »ein besserer Ort« sein wird. Das Büro des Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu veröffentlichte ein kurzes Statement: »Der Staat Israel freut sich mit dem amerikanischen Volk.« Kommentatoren meinen jedoch, dass, so sehr sich der Premier auch über bin Ladens Tod freuen dürfte, ihn dieses Ereignis politisch schwächen könnte.

Denn seit Monaten liefert sich Netanjahu mit Barack Obama einen öffentlichen Machtkampf um die festgefahrenen Friedensgespräche und die Siedlungen auf palästinensischem Gebiet. Je wackeliger Obamas Sessel wurde, desto sicherer fühlte sich Netanjahu. Nun aber katapultierte die Tötungsaktion im fernen Pakistan den US-Präsidenten zurück in die Herzen seiner Landsleute. Und Netanjahu muss sich genau überlegen, was er bei seiner Rede in drei Wochen in Washington sagen will.

Die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) im Westjordanland bezog am Montag klar Stellung. Ihr Sprecher, Ghassen Khatib, sagte: »Das Ende bin Ladens ist gut für den Frieden in der ganzen Welt.« Die Hamas jedoch, die im Gazastreifen regiert, bedauerte den Tod des »heiligen arabischen Kriegers« und verurteilte die US-Aktion scharf.

monster Auch die Männer bei »Sami am Kreisel« in Chadera hatten sich am Montagabend ihre Meinung gebildet. Auf einem Großbildschirm lief Obamas Rede von der Nacht zuvor in Endlosschleife. »Nee, der Obama ist kein Freund Israels«, sagte einer im Maler-Overall, »aber das war eine richtig gute Aktion. Kurzer Prozess, so muss das mit solchen Monstern sein.« Ein anderer Gast in dem Fast-Food-Lokal meinte, man solle nicht glauben, mit bin Laden verschwinde der Terrorismus von der Erdoberfläche. »Das Netzwerk ist schon viel zu weitreichend, es hängen die Regierungen vieler Länder mit drin.« Dennoch hätten die Amerikaner »der Welt und auch uns einen großen Gefallen getan«.

»Hier«, ruft der Mann im Overall und zeigt auf den Eingang. Wohin das Auge blickt, flattern seit Tagen die blau-weißen Wimpel und Fahnen im Wind, an Mauern, Balkongeländern, Gartenzäunen. Mit dem Tod des Top-Terroristen hat das nichts zu tun. In der nächsten Woche wird der Unabhängigkeitstag gefeiert. »Darauf sind wir stolz«, sagt der Maler, »und wir zeigen allen Terroristen, dass Israel sich von niemandem unterkriegen lässt.«

Ein Feind der Juden und Israels

Mehrfach hat der Terroristenführer Osama bin Laden in den vergangenen Jahren Israel und Juden in aller Welt den Kampf angesagt. Hier zwei Beispiele:
»Ich möchte unserem Volk in Palästina versichern, dass wir unseren Dschihad dort ausweiten werden. Wir haben die Absicht, Palästina zu befreien, das gesamte Palästina vom Fluss (Jordan) bis zum Meer.« (29. Dezember 2007)
»Wir werden mit Gottes Hilfe den Kampf gegen Israel und seine Verbündeten fortsetzen, wir werden keine Scholle des Landes Palästina aufgeben. Der Heilige Krieg um Palästina ist eine religiöse Pflicht.« (16. Mai 2008, zum 60. Jahrestag der Gründung des Staates Israel)

Berlin

CSD-Veranstalter: Anschlag nicht instrumentalisieren

Der Berliner CSD-Verein fordert Solidarität statt Spaltung nach dem Anschlag im Tiergarten. Was die Veranstalter noch betonen

 26.07.2026

Berlin

Wegner lobt nach Anschlag Einsatzkräfte und CSD-Veranstalter

Berlins Regierungschef Wegner hebt das rasche Handeln und das Zusammenspiel nach dem Terroranschlag am Rande des CSD hervor. Worüber er nun in den nächsten Tage sprechen möchte

 26.07.2026

Berlin

Bundeskanzler nennt CSD-Anschlag terroristisch und islamistisch

Nicht nur ein Angriff auf Teilnehmer des Berliner CSD, sondern auch einer gegen Freiheit und Offenheit – Bundeskanzler Merz kündigt an, genau das über Parteigrenzen verteidigen zu wollen

 26.07.2026

Karlsruhe

Generalbundesanwalt soll CSD-Ermittlungen übernehmen

Ein mutmaßlich islamistischer Hintergrund steht bei den Ermittlungen zum Anschlag am Rande des Berliner CSD im Fokus. Die Zuständigkeit wechselt daher bald zur obersten Anklagebehörde in Deutschland

 26.07.2026

Berlin

Dobrindt spricht von Terroranschlag – Verdächtiger flüchtig

Dramatisches Ende eines bunten Festes: Am Rande des CSD in Berlin fährt ein Fahrzeug in die Menge. Eine Person stirbt, 29 Menschen werden verletzt. Nach dem mutmaßlichen Täter wird gefahndet

 26.07.2026 Aktualisiert

Meinung

Die Gefahr des Islamismus endlich ernst nehmen

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD reichen Bekundungen der Trauer und Betroffenheit nicht. Es braucht konkretes gesetzgeberisches Handeln, um dem Terror zu begegnen

von Volker Beck  26.07.2026

Berlin

Blumen, Trauer und Tränen nach CSD-Angriff

Eine Frau stirbt, viele Menschen werden schwer verletzt. Der Angriff mit einem Auto im Berliner Tiergarten galt offensichtlich den Besuchern des Christopher Street Day

von Andreas Rabenstein, Monika Wendel  26.07.2026

Teheran

Iran droht USA mit Ausweitung des Konflikts

Das iranische Militär droht den USA mit einer Ausweitung der Kämpfe. Sollten die Luftangriffe andauern, werde Teheran neue militärische Strategien in der Region anwenden

 26.07.2026

Berlin

CSD-Angriff: Keine Lebensgefahr bei acht Charité-Patienten

Ein Mann steuert am Samstagabend einen Van in eine Menschenmenge. Eine Frau stirbt. Mehrere Menschen erleiden teilweise schwere Verletzungen. Acht von ihnen werden in die Charité gebracht

 26.07.2026