Berlin

»Ein deutliches Zeichen«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Thomas Lohnes / ZR

Rheinland-Pfalz will als erstes Bundesland einen Beauftragten zur Bekämpfung des Antisemitismus berufen. Die Ankündigung der Landesregierung in Mainz stieß beim Zentralrat der Juden in Deutschland auf Beifall. »Damit setzt die rheinland-pfälzische Landesregierung ein deutliches Zeichen, dass der Kampf gegen Antisemitismus für sie Priorität hat«, sagte Präsident Josef Schuster am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auf Bundesebene geht die Diskussion um die Einsetzung eines Antisemitismusbeauftragten unterdessen weiter.

Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hatte am Dienstag angekündigt, dass der Bürgerbeauftragte Dieter Burgard den ehrenamtlichen Posten unmittelbar nach dem Ausscheiden aus seinem bisherigen Amt im Frühjahr übernimmt. Die steigende Zahl antisemitischer Delikte dürfe nicht tatenlos hingenommen werden, sagte Dreyer in Mainz. Burgard soll Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus koordinieren und unbürokratisch als Ansprechpartner für Opfer antisemitischer Vorfälle dienen. Eigene Haushaltsmittel sind dafür nicht vorgesehen.

bundesebene Zentralratspräsident Schuster begrüßte, dass der Antisemitismusbeauftragte direkt in der Mainzer Staatskanzlei angesiedelt wird. »Ich hoffe, dass die Stelle so ausgestaltet sein wird, dass Antisemitismus in Rheinland-Pfalz effektiv angegangen werden kann«, sagte er. Schuster äußerte die Hoffnung, dass weitere Bundesländer und die Bundesregierung dem Mainzer Beispiel folgen: »Von besonderer Wichtigkeit ist für den Zentralrat der Juden ein Beauftragter zur Bekämpfung von Antisemitismus auf Bundesebene.«

Zuvor hatten Demonstrationen, bei denen aus Protest gegen die Anerkennung Jerusalems als Israels Hauptstadt durch die USA israelische Fahnen verbrannt wurden, eine neue Debatte um Antisemitismus in Deutschland entfacht.

gesetzesverschärfung Politiker und Organisationen wie der Zentralrat der Juden regten Gesetzesverschärfungen an, um solche Demonstrationen zu verbieten. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach sich zudem für die Einsetzung eines Antisemitismusbeauftragten durch die künftige Bundesregierung aus. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) unterstützt den Vorstoß.

Auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz (SPD), stellte sich hinter die Forderung nach einem Antisemitismusbeauftragten. Dafür gebe es »gute Gründe«, sagte sie der »Passauer Neuen Presse« (Mittwoch). Zugleich betonte die Staatsministerin, der Kampf gegen Antisemitismus sei »unmöglich von einem Beauftragten im Bund allein zu bewältigen«. »Kein Beauftragter wird allein etwas ausrichten können, wenn sich zum Beispiel nicht die Schulen und die politische Bildungsarbeit stärker mit dem Thema befassen«, sagte die SPD-Politikerin. epd

Düsseldorf

Attacke auf Juden wird Thema im Landtag NRW

Nach dem antisemitischen Angriff auf einen Juden am vergangenen Dienstag sucht die Polizei weiter nach den Tätern. Nun soll Innenminister Reul (CDU) im Innenausschuss Auskunft geben

 28.09.2026

Berlin

Linksjugend: Polizei ist »krimineller Clan«

»Wenn die Presse uns erzählt, in Berlin gebe es ein Problem mit bewaffneten Clans, sind das die, die mit hellen Handschuhen und Knüppeln heute in den Schulstreik hineingerannt sind«, sagt eine Sprecherin

 28.09.2026

Offener Brief

Mehr als 6000 Unterzeichner weisen Vorwurf des Völkermords gegen Israel zurück

»Wir, die Unterzeichner, sind empört und angewidert über die jüngste Blutverleumdung gegen das jüdische Volk: die Lüge, dass Israel in Gaza einen ›Genozid‹ begangen habe«, heißt es in dem Schreiben

 28.09.2026

Berlin

Linken-Chef sieht seine Partei »ganz klar an der Seite jüdischer Menschen«

Nach ihrem Wahlsieg in Berlin strebt die Linke eine Regierungsbildung an. Der Bundesvorsitzende Luigi Pantisano widersprach nun Anschuldigungen, die Partei sei antisemitisch

 28.09.2026

Liverpool

Dutzende Festnahmen bei Solidaritätsaktion für Palestine Action

Am Rande des Labour-Parteitags im nordenglischen Liverpool haben mehr als 250 Menschen gegen das Verbot der als Terrorgruppe eingestuften Organisation demonstriert

 28.09.2026

Berlin

»Die Berliner Linkspartei pflegt einen verstörend engen Kontakt zu Judenhassern«

Unionsfraktionschef Thorsten Frei warnt die Grünen und die SPD vor einer Regierungszusammenarbeit mit der Berliner Linken

 28.09.2026

Berlin

Streit über Antisemitismusvorwurf: Linke zeigt Dobrindt an

Der Bundesinnenminister kommentiert in der Sendung »Maybrit Illner« einen Versprecher der Moderatorin über die Berliner Linke Elif Eralp. Die sieht Anlass für eine Strafanzeige

 28.09.2026

London

Reporter oder doch Terroristen? BBC prüft Liste in Gaza getöteter Journalisten

Konkret geht es um 53 Personen, bei denen Verbindungen zu palästinensischen Terrororganisationen festgestellt wurden

 28.09.2026

Deutschland

Stolperstein-Verbot in Heidenau löst bundesweite Debatte aus

In der sächsischen Stadt Heidenau sollen keine Stolpersteine zum Gedenken an NS-Opfer mehr verlegt werden. Die Bildungsministerin spricht von einem Skandal

von Paula Konersmann  27.09.2026