Mazze

Eckig, Rund, Bio, Schoko

Es wird wieder trocken auf Israels Tischen. Mit dem Pessachfest landen die ungesäuerten Fladen auf den Tellern. Obwohl sich die Kisten voller Mazzot bereits seit Wochen in den Supermärkten türmen, greifen die meisten erst in den letzten Tagen vor dem Sederabend zu. »Um die Vorfreude anzuheizen«, wie die Hausfrau Carmit Cohen erklärt. »Denn die erste Mazza ist immer die beste.«

ei und honig Kurz nach ihrem Exodus aus Ägypten verspeisten die Ahnen nur ungesäuertes Brot. Sie mussten ihre Siebensachen in größter Eile packen – keine Muße, um Sauerteig herzustellen oder mitzunehmen. Und obwohl die modernen Israelis ihren Vorvätern an Pessach nacheifern und sich lediglich von Ungesäuertem ernähren, müssen sie es ihnen in Sachen geschmacklicher Eintönigkeit nicht mehr gleichtun. Ob mit Honig, Knoblauch oder Ei: Die Mazze-Vielfalt wird jedes Jahr größer.

Cohen mag auf ihrem feierlich gedeckten Sedertisch am liebsten runde Mazzen. »Die haben schon meine Eltern aufgetischt«, sagt sie. »Doch über die Woche darf es so viel Abwechslung wie möglich sein.« So steht sie zwischen den Regalen im Supermarkt von Ramat Hascharon und denkt nach. »Ich möchte für jeden die passende Mazze besorgen. Mein Mann Rami mag die mit Zwiebelgeschmack, Oma die mit Ei. Die Kinder lieben natürlich alles mit Schokolade.« Während sie grübelt, wem was munden könnte, spricht eine andere Dame sie von der Seite an: »Nimm die aus Roggen, der Geschmack ist ganz wunderbar.«

mizwa Rabbiner Esriel Munk, der die Einhaltung des Kaschrut in der Mazzefabrik von Jad Benjamin überwacht, erläutert: »Am ersten Pessachabend Mazzot zu essen – und in der Diaspora an den ersten beiden Abenden –, ist eine Mizwa.« Weil das so ist, feuern die Produzenten in Israel ihre Öfen schon Monate vor dem Fest an, um genug für alle herzustellen.

Die Fabrik Aviv in Bnei Brak hat das Sortiment in ihren 120 Jahren Backtradition ausgiebig erweitert. Während es vor Jahren gerade einmal die Sorten Mazze eckig, Mazze rund sowie Mazze mit Ei gab, stehen heute um die 20 unterschiedlichen Produkte im Katalog. Die Kunden können wählen zwischen Fladen aus Roggen, aus Weizen mit Kleie, mit Zwiebel- oder Knoblauchgeschmack, verfeinert mit Honig, in Schokolade getaucht und sogar solchen – so verspricht es zumindest die Aufschrift auf der Packung –, die kein bisschen krümeln.

öko Auch Bio-Liebhaber müssen nicht auf Chametz umsteigen. In den Ökoläden finden sich Mazze aus biologischem Anbau und vollem Korn. Außerhalb von Pessach essen die Menschen hierzulande so gut wie keine Mazzen. »Die schmecken dann einfach nicht«, lautet das Urteil vieler. In der Festwoche aber knuspern die meisten. Eine Umfrage vom vergangenen Jahr zeigt, dass sich heute noch um die 70 Prozent der Israelis an das Gebot halten, kein Gesäuertes zu verzehren. Tendenz steigend.

Sogar viele Ultra-Säkulare machen mit. Wie Nir Benami. »Ich suche nicht nach Krümeln in meiner Wohnung«, sagt der Student, während er sein Fahrrad über den Tel Aviver Carmelmarkt schiebt, »oder verbanne Pasta und Kekse aus meiner Küche. Aber ich esse es nicht.« Pessach müssen es einfach Mazzen sein. »Ich freue mich schon jetzt auf die erste mit Charosset vom Sederteller.« In Geschmacksfragen ist Benami traditionell. »Ich stehe auf die Gewöhnlichen, die ich schon seit meiner Kindheit esse. Ich will keine Schokolade drin und auch nicht irgendwelche Körner«, sagt er schmunzelnd. »Da bin ich furchtbar altmodisch.«

iphone Als modern würde sich gewiss auch Sigal Menasche bezeichnen. Mit ihrem nagelneuen iPhone am Ohr füllt sie im Supermarkt ihren Wagen. Ganz obenauf: vier Großpackungen zu je 2,5 Kilogramm. Zehn Kilo Mazze – wer soll die essen? Die Frau mit den blonden Strähnchen im brünetten Haar lacht laut. »Die gehen schon in den ersten vier Tagen weg. Zum Sederabend kommen 50 Leute – wir sind eine große Familie. Und anderes Brot gibt es nicht.«

Bei der Auswahl jedoch lässt sie sich gern inspirieren. »Nach ein paar Tagen haben meine Jungs keinen Appetit mehr auf die trockenen Dinger, und ich muss sie dann bei Laune halten«, erzählt die Mutter von drei Kindern aus Binjamina. »Denn außer Mazzen kommt mir zu Pessach nichts ins Haus.«

Sachsen-Anhalt

Wagenknecht-Partei als Königsmacherin?

Vor ein paar Tagen steckte das Bündnis Sahra Wagenknecht im Abwärtsstrudel. Nach dem Sprung in den Magdeburger Landtag hat die Partei nun plötzlich Macht. Was fängt sie damit an?

von Verena Schmitt-Roschmann  07.09.2026

Landtagswahl Sachsen-Anhalt

Viele Fragen offen - wie geht es in Sachsen-Anhalt weiter?

Die AfD gewinnt, doch eine Regierungsbildung ist kompliziert. Welche Szenarien jetzt diskutiert werden, wer dabei welche Rolle spielt und was heute passieren könnte

 07.09.2026

Sachsen-Anhalt

BSW sucht Nähe zur AfD

Bei der Wahl des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt könnte das BSW das Zünglein an der Waage werden. Von einer Brandmauer zur AfD will dessen Spitzenkandidat nichts wissen

 06.09.2026

Sachsen-Anhalt

AfD: Und plötzlich spricht Ulrich Siegmund von möglichen Neuwahlen ...

 06.09.2026

Berlin

Wie gefährlich wird der AfD-Wahlsieg für Friedrich Merz?

Die CDU halbiert ihr Ergebnis, die AfD verdoppelt ihres - und könnte erstmals in einem Bundesland an die Macht kommen. Kanzler Merz stehen schwierige Wochen bevor

von Theresa Münch  06.09.2026

Magdeburg

AfD-Parteichef: Wir sind zu Kompromissen bereit

Man biete allen Parteien Gespräche an - Zugeständnisse seien nicht ausgeschlossen

 06.09.2026

Washington

Trump postet Hochrechnung zur Sachsen-Anhalt-Wahl

Auch der US-Präsident hat Kenntnis bekommen vom AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt. Gesagt hat er aber noch nichts dazu

 06.09.2026

Landtagswahl

AfD strebt nach Wahl-Triumph an die Macht in Sachsen-Anhalt

Die AfD will in Sachsen-Anhalt regieren. Sollte es dazu kommen, wäre das historisch. Für eine Alleinregierung der als rechtsextremistisch eingestuften Partei reicht es laut Hochrechnungen nicht

 06.09.2026

Landtagswahl

Charlotte Knobloch: »Das macht mir Angst«

Nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt schickt Charlotte Knoblauch einen Appell an Demokraten. Denn was nun passiert ist, hätte sie sich in ihren »schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können«

 06.09.2026 Aktualisiert