Meinung

Dunkle Fußballmächte

Martin Krauß Foto: Stephan Pramme

Lange hat es nicht gedauert, bis zu lesen war, wer denn die Schuld daran trägt, dass der Weltfußballverband FIFA derzeit so in der Kritik steht: Die Zionisten sind es, wer sonst. Den Anstoß für diese Erkenntnis gab ein ganz Großer: Jack Warner, gerade aus der Haft entlassener früherer FIFA-Vizepräsident, hatte schon 2011 seinen korruptionsbedingten Sturz dem Zionismus angelastet.

Da aber dieser Unfug nicht jedem sofort einleuchtet, hat die britische Palestine Solidarity Campaign die Argumentation einmal durchgeknetet: Weil doch beim FIFA-Kongress in Zürich in der vergangenen Woche der palästinensische Antrag behandelt werden sollte, Israel aus dem Weltfußball auszuschließen, hätten die Zionisten ein Interesse daran, die honorige Vereinigung in einem schlechten Licht dastehen zu lassen – und also die ihnen hörige US-Justiz losgeschickt, sieben Funktionäre zu verhaften.

antrag Dümmliche Verschwörungstheorien aus der Welt des Fußballs zu lesen, ist immer eine helle Freude: Dschibril Radschub etwa, Präsident des palästinensischen Verbands, war von seinen Protegés und Finanziers – Sepp Blatter, der gerade seinen Rücktritt als FIFA-Boss bekannt gegeben hat, und UEFA-Präsident Michel Platini – dazu gedrängt worden, den Antrag, Israel rauszuwerfen, zurückzuziehen. Also schwadronierte er, es wäre unklar, ob er beim nächsten FIFA-Kongress noch am Leben sei. Dem martialischen Auftritt folgte dann Radschubs »Änderung« seines Antrags: Israel solle nun doch nicht ausgeschlossen werden, sondern eine Kommission solle die Vorwürfe prüfen.

Dass der israelische Verbandspräsident Ofer Eini diesem neuen Antrag zustimmte, muss Herrn Radschub schon sehr verwirrt haben. Dass aber Eini dann noch zu ihm kam, um ihm die Hand zu geben, dürfte Radschub den Rest gegeben haben. Dabei hätte Radschub von Sepp Blatter lernen können, wie man professionell eine Verschwörungstheorie in die Welt hinausbläst: mit einer dunklen Andeutung. »Diese Sache riecht nicht gut«, raunte Blatter als Noch-Präsident und sonderte wirres Zeug über die Motive der US-Justiz ab, Korruption ausgerechnet in seiner FIFA zu suchen.

Verschwörungstheoretiker können also etwas lernen: Wer allzu konkret dem Zionismus oder Judentum Korruption, Antikorruption oder schlechtes Wetter anlastet, läuft Gefahr, sich lächerlich zu machen! Wer aber über dunkle Mächte munkelt, die übel riechen, hat beste Chancen, es ganz weit nach oben zu bringen. Zumindest im Fußball.

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Brüssel

EU setzt nach Wahl in Israel auf enge Zusammenarbeit

Nach der Parlamentswahl in Israel stehen Verhandlungen über die nächste Regierung an. Die EU will mit ihr zusammenarbeiten – und zugleich bestehende Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen

 28.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

So geht es im Streit um Vanessa Emde weiter

Die Linke tut sich schwer, einen Umgang mit der israelfeindlichen Abgeordneten zu finden, die sich über Fraktionsentschlüsse hinwegsetzt. »Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, heißt es aus der Partei

 28.10.2026

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026