Meinung

Du darfst nicht »Jude« sagen

Möglich wäre es ja. Wenn eine Meldung mit »Junge-Union-Chef verbreitet Nazi-Parolen« betitelt ist, würde wohl niemand behaupten können, dass so etwas völlig undenkbar wäre. Nicht mal ein CDU-Generalsekretär. Doch der im konkreten Fall Angegriffene, Malte Engelmann, bis vor wenigen Tagen Vorsitzender der CDU-Nachwuchsorganisation in Bremen, hatte gar nicht getan, was ihm vorgeworfen wird. Er ist bloß Opfer eines Klimas, in dem nicht mehr gelesen oder zugehört, sondern nur geurteilt wird.

ramadan Der Bremer CDU-Politiker Heiko Strohmann hatte während des Ramadan etliche Muslime zum Fastenbrechen eingeladen. Dafür gab es von der Parteirechten Kritik: Man solle die kulturellen Unterschiede »nicht vermischen«. Gegen diese, wie er fand, integrationsfeindliche Haltung wandte sich Engelmann in seinem Blog: »Deutsche! Kauft nicht beim Juden! Äh, ich mein: Heiko! Koch’ nicht für den Muselmann.«

Das ist einiges: schlechter Humor, verunglückte Satire und obendrein ein dümmlicher Vergleich. Aber gewiss wird nicht, wie behauptet, eine Nazi-Parole verbreitet. Vielmehr hat Engelmann versucht, den schlimmen Satz kritisch auf heutige Zustände zu beziehen. Solch Verfahren ist nicht unüblich und wird oft angewandt, wenn irgendwelche Politaktivisten wieder mal glauben, Israel boykottieren zu müssen.

charme Im Ergebnis ist Engelmanns Versuch, für eine integrationsfreundlichere CDU zu werben, grandios gescheitert. Das ist ärgerlich, aber eines tröstet: Schlechter Humor als Grund für den Rücktritt eines Politikers hat ja auch seinen Charme.

Düsseldorf

Nach Angriff auf Juden: Polizei veröffentlicht Fahndungsfoto

Die Tatverdächtigen sollen einen Mann verprügelt haben, weil der ein T-Shirt mit »IDF«-Schriftzug getragen hatte

 06.10.2026

Essay

Der 7. Oktober und das Ungeheuer

Damals ist das Ungeheuer namens Judenhass neu ausgebrochen und wütet seitdem mit einem Furor, dem wir fassungslos gegenüberstehen. Sein Appetit ist ungebrochen, und es wird täglich gefüttert

von Esther Schapira  06.10.2026

Aufruf

Buchpreis-Trägerin Shida Bazyar warnt vor AfD

Shida Bazyar ist mit dem diesjährigen Deutschen Buchpreis ausgezeichnet worden. In einem Vorab-Interview äußerte sie sich auch politisch

von Anita Hirschbeck  06.10.2026

Berlin

Mittel gegen Antisemitismus in Millionenhöhe bleiben liegen

Vor allem wegen der Nachwirkungen der »Fördergeldaffäre« konnten viele Gelder nicht mehr abgerufen werden. Projekte wurden aber auch strenger geprüft

 06.10.2026

Dritter Jahrestag des Terrorangriffs

Drei Jahre nach den Hamas-Massakern: Gedenkveranstaltungen in Berlin

Der Opfer des 7. Oktobers 2023 wird gedacht. Welche Kundgebungen sind geplant?

von Imanuel Marcus  06.10.2026

Meinung

Wenn Empörung den Blick verstellt

Eine Replik an Wolf Biermann

von Sacha Stawski  06.10.2026

Gesellschaft

Wadephul: Anstieg des Antisemitismus »katastrophale Fehlentwicklung«

Zugleich betonte er, dass Kritik an der israelischen Regierung weiter möglich sein müsse

 06.10.2026

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026

Berlin

Auswärtiges Amt kritisiert Menschenrechtsbeauftragten

In einer Reaktion auf einen X-Post von Bundesbildungsministerin Prien im Zusammenhang mit dem Flydubai-Flug nennt Lars Castellucci Israels Regierung rechtsradikal. Außenminister Wadephul reagiert

 05.10.2026