Meinung

Du darfst nicht »Jude« sagen

Möglich wäre es ja. Wenn eine Meldung mit »Junge-Union-Chef verbreitet Nazi-Parolen« betitelt ist, würde wohl niemand behaupten können, dass so etwas völlig undenkbar wäre. Nicht mal ein CDU-Generalsekretär. Doch der im konkreten Fall Angegriffene, Malte Engelmann, bis vor wenigen Tagen Vorsitzender der CDU-Nachwuchsorganisation in Bremen, hatte gar nicht getan, was ihm vorgeworfen wird. Er ist bloß Opfer eines Klimas, in dem nicht mehr gelesen oder zugehört, sondern nur geurteilt wird.

ramadan Der Bremer CDU-Politiker Heiko Strohmann hatte während des Ramadan etliche Muslime zum Fastenbrechen eingeladen. Dafür gab es von der Parteirechten Kritik: Man solle die kulturellen Unterschiede »nicht vermischen«. Gegen diese, wie er fand, integrationsfeindliche Haltung wandte sich Engelmann in seinem Blog: »Deutsche! Kauft nicht beim Juden! Äh, ich mein: Heiko! Koch’ nicht für den Muselmann.«

Das ist einiges: schlechter Humor, verunglückte Satire und obendrein ein dümmlicher Vergleich. Aber gewiss wird nicht, wie behauptet, eine Nazi-Parole verbreitet. Vielmehr hat Engelmann versucht, den schlimmen Satz kritisch auf heutige Zustände zu beziehen. Solch Verfahren ist nicht unüblich und wird oft angewandt, wenn irgendwelche Politaktivisten wieder mal glauben, Israel boykottieren zu müssen.

charme Im Ergebnis ist Engelmanns Versuch, für eine integrationsfreundlichere CDU zu werben, grandios gescheitert. Das ist ärgerlich, aber eines tröstet: Schlechter Humor als Grund für den Rücktritt eines Politikers hat ja auch seinen Charme.

Brüssel

Überwachungsbehörde nimmt Europapartei der AfD ins Visier

Verstößt die Europapartei, zu der auch die »Alternative« gehört, gegen Grundwerte der EU? Die zuständige Behörde sieht Hinweise auf problematisches Vorgehen in Mitgliedsparteien. Kommt ein Verfahren?

von Valeria Nickel  29.05.2026

Beirut

Entwaffnung der Hisbollah - ein unmögliches Unterfangen?

Seit mehr als zwei Jahren attackiert die Hisbollah Israel. Die Regierung in Jerusalem will eine Entwaffnung der Terrororganisation. Doch geht das?

 29.05.2026

Hintergrund

Israel über Guterres: »Sind mit diesem Generalsekretär fertig«

Die Beziehungen zwischen Israel und dem bald aus dem Amt scheidenden UN-Generalsekretär António Guterres sind auf einem neuerlichen Tiefpunkt. Dabei hatte alles ganz anders begonnen

von Michael Thaidigsmann  29.05.2026

Kiel

Mehr als 400 antisemitische Vorfälle im Norden gemeldet

»Die massiven Konsequenzen (...) sind Ausdruck eines wachsend gesamtgesellschaftlich antisemitischen Grundrauschens, das wir seit 2023 beobachten müssen«, so die Dokumentationsstelle Antisemitismus

 29.05.2026

New York

Streit um Bericht zu sexueller Gewalt: WJC kritisiert UN scharf

Narrative, die Israel pauschal delegitimierten, seien problematisch, so der Jüdische Weltkongress. Die ursprünglichen Gründungsideale der Vereinten Nationen müssten wieder in den Mittelpunkt rücken

 29.05.2026

Interview

»Ohne den Mossad wäre ich vermutlich schon unter der Erde«

Das iranische Regime wollte Volker Beck ermorden lassen. Im Gespräch erzählt der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, wie der Anschlagsplan sein Leben verändert hat und was sich seiner Meinung nach nun ändern muss

von Leon Stork  29.05.2026

Berlin

Gutachten zweifelt an Vorstoß gegen Leugnung des Existenzrechts Israels

Hessen will über den Bundesrat erreichen, dass die Leugnung des Existenzrechts Israels unter Strafe gestellt wird. Ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes im Bundestag erhebt Bedenken

 29.05.2026

Colorado Springs

JD Vance: USA und Iran kurz vor Einigung

Es sei noch zu früh, um zu sagen, »wann oder ob« die USA und der Iran die Verhandlungen erfolgreich abschließen könnten, sagt der Vizepräsident

 29.05.2026

Toronto

Vermisste 14-Jährige Esther wohlbehalten aufgefunden

Das jüdische Mädchen ist wieder bei seiner Familie. Die Jugendliche wurde in einem Wohnhaus entdeckt

 29.05.2026