Meinung

Du darfst nicht »Jude« sagen

Möglich wäre es ja. Wenn eine Meldung mit »Junge-Union-Chef verbreitet Nazi-Parolen« betitelt ist, würde wohl niemand behaupten können, dass so etwas völlig undenkbar wäre. Nicht mal ein CDU-Generalsekretär. Doch der im konkreten Fall Angegriffene, Malte Engelmann, bis vor wenigen Tagen Vorsitzender der CDU-Nachwuchsorganisation in Bremen, hatte gar nicht getan, was ihm vorgeworfen wird. Er ist bloß Opfer eines Klimas, in dem nicht mehr gelesen oder zugehört, sondern nur geurteilt wird.

ramadan Der Bremer CDU-Politiker Heiko Strohmann hatte während des Ramadan etliche Muslime zum Fastenbrechen eingeladen. Dafür gab es von der Parteirechten Kritik: Man solle die kulturellen Unterschiede »nicht vermischen«. Gegen diese, wie er fand, integrationsfeindliche Haltung wandte sich Engelmann in seinem Blog: »Deutsche! Kauft nicht beim Juden! Äh, ich mein: Heiko! Koch’ nicht für den Muselmann.«

Das ist einiges: schlechter Humor, verunglückte Satire und obendrein ein dümmlicher Vergleich. Aber gewiss wird nicht, wie behauptet, eine Nazi-Parole verbreitet. Vielmehr hat Engelmann versucht, den schlimmen Satz kritisch auf heutige Zustände zu beziehen. Solch Verfahren ist nicht unüblich und wird oft angewandt, wenn irgendwelche Politaktivisten wieder mal glauben, Israel boykottieren zu müssen.

charme Im Ergebnis ist Engelmanns Versuch, für eine integrationsfreundlichere CDU zu werben, grandios gescheitert. Das ist ärgerlich, aber eines tröstet: Schlechter Humor als Grund für den Rücktritt eines Politikers hat ja auch seinen Charme.

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Brüssel

EU setzt nach Wahl in Israel auf enge Zusammenarbeit

Nach der Parlamentswahl in Israel stehen Verhandlungen über die nächste Regierung an. Die EU will mit ihr zusammenarbeiten – und zugleich bestehende Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen

 28.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

So geht es im Streit um Vanessa Emde weiter

Die Linke tut sich schwer, einen Umgang mit der israelfeindlichen Abgeordneten zu finden, die sich über Fraktionsentschlüsse hinwegsetzt. »Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, heißt es aus der Partei

 28.10.2026

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026