Kiel

DIG-Landesvorsitzender nach Demo attackiert

Foto: picture alliance/dpa

In Kiel ist es nach zwei Demonstrationen am Samstag zu mehreren gewalttätigen Übergriffen gekommen, die nach ersten Erkenntnissen politisch motiviert gewesen sein könnten. Angegriffen wurde unter anderem Jan Schellbach, der Landesvorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Schleswig-Holstein (DIG SH).

Nach Darstellung der Organisation lauerten drei vermummte Täter dem Schellbach nach einer Kundgebung in Solidarität mit Israel und der iranischen Freiheitsbewegung auf. Als er mit seiner Begleiterin im Auto saß, sollen die Angreifer versucht haben, die Türen aufzureißen, um ihn anzugreifen. Der Mann konnte sich durch das Verriegeln des Fahrzeugs schützen, während die Täter gegen das Auto schlugen und traten. Schließlich entwendeten sie eine Tasche mit Fahnen und Bannern der iranischen Opposition sowie mit Materialien gegen Antisemitismus und Islamismus und flüchteten.

Der DIG-Landesvorsitzende verfolgte die Täter zu Fuß und alarmierte die Polizei. In der Innenstadt konnte ein Verdächtiger gestellt werden, die gestohlene Tasche wurde später wiedergefunden. Eine interne Aufarbeitung wurde angekündigt.

Lesen Sie auch

Schellbach schilderte den Vorfall als äußerst bedrohlich: »Wir haben großes Glück gehabt, dass diese hasserfüllten antisemitischen Gewalttäter nicht an uns herankommen konnten und wir unverletzt mit dem Schrecken davon gekommen sind.« Er sprach von einem gezielten und organisierten Überfall und verwies auf jahrelange antisemitische Anfeindungen und Drohungen gegen seine Person.

Die Polizei bestätigte gegenüber den »Kieler Nachrichten« mehrere Vorfälle im Umfeld der Demonstrationen. Wie das Blatt unter Berufung auf die Polizeidirektion Kiel berichten, wurde eine Person nach den Versammlungen von mehreren Unbekannten verfolgt und geschlagen und dabei leicht verletzt. Zudem seien drei Männer auf ein Auto mit Teilnehmern einer pro-israelischen Kundgebung zugegangen und hätten eine Tasche mit Demo-Material gestohlen. Ein Tatverdächtiger sei vorübergehend festgenommen worden. Der Staatsschutz habe die Ermittlungen übernommen, da ein politischer Hintergrund »nicht ausgeschlossen« werde.

Die DIG Schleswig-Holstein bewertet die Angriffe als Ausdruck eines wachsenden israelbezogenen Antisemitismus. Seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 seien Hemmschwellen gefallen, und antisemitische Gewalt und Hetze nähmen zu, hieß es in einer Presseerklärung der Organisation. Antisemitismus bedrohe nicht nur Juden, sondern auch andere Minderheiten sowie die demokratische und offene Gesellschaft insgesamt. im

Iran

Trauerzug mit Chameneis Leichnam führt durch Teheran

Rund vier Monate nach seiner Tötung soll Irans Staatsoberhaupt Ajatollah Ali Chamenei beerdigt werden. Die Trauerfeiern sollen die Geschlossenheit des Regimes demonstrieren, zeigen aber auch, welcher politische Flügel ausgeschlossen wird

 06.07.2026

Debatte

Zentralrat der Juden positioniert sich zum Thema AfD-Verbot

 05.07.2026

Religionsfreiheit

Oberrabbiner sieht religiöse Praktiken europaweit unter Druck

Bei einem Symposium in Amberg diskutierten Politiker, Vertreter von Religionsgemeinschaften und Juristen über die Einschränkungen der Religionsfreiheit

von Christoph Renzikowski  05.07.2026

Terrorismus

In diesem Land gibt es keinen Platz für Islamisten. Sie sollten konsequent abgeschoben werden

Eine Klarstellung

von Jessie Katz  05.07.2026

Kommentar

250 Gründe, die USA zu lieben

Am 4. Juli 1776 wurden die Vereinigten Staaten gegründet. Eine etwas andere Liebeserklärung

von Imanuel Marcus  04.07.2026

Parteien

AfD-Chefin Alice Weidel äußert sich zu möglichen Koalitionen mit der CDU

Wie hält es die rechtsextreme Partei ihrerseits mit einer Annäherung an die Union?

 04.07.2026

Parteitag

AfD bestätigt Führungsduo – Chrupalla verliert an Rückhalt

Die AfD hat ihr Spitzenduo Weidel-Chrupalla wiedergewählt. Chrupalla muss allerdings Federn lassen. In der zweiten Reihe gibt es neue Gesichter

von Anne-Beatrice Clasmann  04.07.2026

Essay

Die Sprache der AfD

Gewalt, NS-Bezüge und Antisemitismus: Wie die rechtsextreme Partei auch rhetorisch die Grenzen verschiebt. Eine linguistische Analyse

von Deborah Kämper  04.07.2026

Thüringen

Mehr als 30.000 Menschen protestieren gegen AfD-Parteitag

Trotz Blockaden bleibt die Stimmung meist friedlich – doch es gibt auch Zwischenfälle mit Pyrotechnik und Flaschenwürfen

von Simone Rothe  04.07.2026