Zweiter Weltkrieg

»Die Zerstörung begreifen«

Andreas Nachama Foto: imago/IPON

Herr Nachama, am 1. September wird an den Beginn des Zweiten Weltkriegs vor 80 Jahren erinnert. Welche Bedeutung hat dieser Tag heute?
Er markiert nicht nur den Beginn des Zweiten Weltkriegs, sondern auch der Schoa. Mit der Besetzung des westlichen Teils Polens durch die Wehrmacht beginnt die Ermordung der polnischen Juden.

Ist dieser Tag im Bewusstsein der Deutschen ausreichend verankert?
Ich fürchte nicht. Nur wenige sind sich darüber im Klaren, was dieser Tag für die europäischen Juden und für Europa bedeutet. Durch den kurz zuvor abgeschlossenen Hitler-Stalin-Pakt wurde Polen zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt. Die heutige Ostgrenze Polens ist die in dem damaligen Vertrag festgelegte. Insofern beginnt mit diesem Tag etwas, was ganz Europa umgestaltet hat. Ich glaube nicht, dass man sich in Deutschland dessen bewusst ist.

Wie kann dem entgegengewirkt werden?
Man muss mit den Mitteln, die der politischen Bildung zur Verfügung stehen, klarmachen, welch ein einschneidender Tag dieser 1. September 1939 in der Geschichte des 20. Jahrhunderts und bis heute ist. Damals wurde etwas losgetreten, was unsere Welt bis heute prägt.

Welche Mittel sind das genau?
Dazu zählen der Schulunterricht, aber auch symbolische Akte wie Gedenkfeiern im Deutschen Bundestag oder Gedenkveranstaltungen vor Ort. Es gibt ja durchaus Beispiele, wie das geschehen kann. Denken Sie an den 3. Oktober. Jedes Jahr hat ein anderes Bundesland die Federführung, und dadurch verleiht man diesen Tagen auch einen ganz anderen Ausdruck. Nur, dass es nichts Freudiges ist, sondern etwas sehr Ernstes.

Könnte ein Dokumentationszentrum über den Vernichtungskrieg ein Weg sein, den Tag stärker ins Bewusstsein zu rücken?
Ich weiß nicht, ob wir noch ein solches Zentrum brauchen. Nach meinem Dafürhalten sollte man an öffentlichen Orten – Bushaltestellen, Theatern – diesen 1. September so herausstellen, dass den Menschen klar wird: Das war eine Zäsur. So wie der 8. Mai ein Tag der Befreiung und der 3. Oktober ein Tag der Freude ist, so sollte der 1. September zu einem Tag werden, an dem für jeden verständlich wird: Hier begann millionenfaches Morden an den europäischen Juden und Nichtjuden.

Seitens der polnischen Regierung werden Forderungen nach Reparationszahlungen Deutschlands laut. Wie ist Ihre Meinung?
Der wesentliche Punkt im Umgang mit dem Zweiten Weltkrieg ist nicht Geld, sondern man muss die Zerstörung begreifen, die über Europa und die europäischen Juden hereingebrochen ist. Dieser Tag muss als ein Tag der Mahnung verankert werden, der zeigt, dass man mit Kriegen und scharf gemachten Grenzen in Europa nichts erreicht.

Mit dem Direktor der Stiftung Topographie des Terrors sprach Katrin Richter.

Nahost

Rubio: »Die Operation Gewaltiger Zorn ist abgeschlossen«

»Jetzt widmen wir uns dem Projekt Freiheit«, betont der amerikanische Außenminister

 05.05.2026

Krise

Merz schließt Minderheitsregierung und Neuwahl aus

Die schwarz-rote Regierung ist in den vergangenen Wochen im Streit versunken. Der Kanzler sieht trotzdem keine Alternative zur Zusammenarbeit mit der SPD

von Michael Fischer  05.05.2026

Bayern

14-Jähriger im Allgäu getötet - Details zu Verdächtigem werden bekannt

Ein vermisster Jugendlicher, eine Leiche und Polizeischüsse bei einer Fahndung - in Memmingen überschlagen sich die Ereignisse. Jetzt werden weitere Erkenntnisse bekannt

 05.05.2026

Berlin

Deutschland und Israel demonstrieren Einigkeit in Iran-Frage

Die Außenminister Deutschlands und Israels zeigen einen engen Schulterschluss gegen den Iran - reden aber auch kritisch miteinander

von Ulrich Steinkohl  05.05.2026

Meinung

Wir haben ein Problem – und wir müssen endlich darüber reden

Ein Weckruf über verfehlte Migration, ausländische Einflussnahme und das ohrenbetäubende Schweigen der »Progressiven«

von Jacques Abramowicz  05.05.2026 Aktualisiert

Washington D.C.

Obama kritisiert Netanjahu-Kurs und warnt vor Eskalation im Nahen Osten

Der frühere Präsident sagt, vor Jahren habe Netanjahu ihm gegenüber ähnliche Argumente für ein militärisches Vorgehen gegen den Iran vorgebracht, wie später gegenüber Trump

 05.05.2026

Abu Dhabi

Emirate melden neue Angriffe Irans

Einige Wochen lang schien sich die Lage für Anwohner in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit Blick auf Irans Angriffe zu entspannen. Kommt es jetzt zur erneuten, größeren Eskalation?

 05.05.2026

Washington

Hegseth: »Die Waffenruhe ist nicht beendet«

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran haben am Montag wieder zugenommen. Ausgangspunkt war eine neue US-Initiative zur Öffnung der Straße von Hormus. Nun gibt der Pentagonchef ein Update dazu

 05.05.2026

Erinnerungsarbeit

Virtuelle Ausstellung mit NS-Zeitzeugen tourt durch Brandenburg

In der mobilen Ausstellung »In Echt?« berichten NS-Zeitzeuginnen und -zeugen von ihren Schicksalen. Die virtuelle Schau wurde 2023 in Potsdam entwickelt und tourt wieder durch Brandenburg

 05.05.2026