Meinung

Die Würde der Überlebenden

Rüdiger Mahlo Foto: Claims Conference

Manch einer wird sich fragen, ob 70 Jahre nach dem Holocaust eine Interessenvertretung für die jüdischen NS-Verfolgten noch benötigt wird. Die Antwort ist ein klares Ja. Die heute noch lebenden 500.000 Überlebenden der Schoa brauchen, hochbetagt und gebrechlich, mehr denn je tätige Hilfe und Unterstützung.

Die Bedarfslage von NS-Opfern hat sich 70 Jahre nach Kriegsende grundlegend geändert. Die Sorgen der zumeist jungen Überlebenden galten in den ersten Jahrzehnten nach der Verfolgung, die sie allein, entwurzelt, mittellos und ohne Berufsausbildung zurückgelassen hatte, dem Aufbau einer eigenen Familie und der beruflichen Orientierung.

Armutsgrenze Etlichen gelang der Neuanfang glänzend; andere haben den Weg in eine gesicherte Existenz nie mehr finden können, mit gravierenden Folgen für die materielle Sicherung des Lebensabends. Heute lebt rund die Hälfte der Überlebenden unterhalb der Armutsgrenze, wie sie im jeweiligen Land gilt.

Die Anforderungen an die Altersbetreuung von Holocaust-Überlebenden sind aufgrund der NS-Verfolgung besonderer Art. Bei vielen Überlebenden ist ein betreuendes familiäres Umfeld infolge der Ermordung ganzer Familienverbände nicht vorhanden. Lang anhaltende Mangelernährung, körperliche Auszehrung und Kälte während der Verfolgung rufen Erkrankungen hervor, die erst im fortgeschrittenen Alter zutage treten.

Extrembelastung Die Trennung und Ermordung von Angehörigen und Extrembelastungen wie die allgegenwärtige Todesangst während der Verfolgung sind Ursachen für psychische Folgeleiden. Allgemeine Einrichtungen der Seniorenbetreuung können selten damit umgehen, und allein die Vorstellung, mit Tätern aufs Engste zusammenzuleben, ist unerträglich.

Mit Unterstützung der Bundesregierung versucht die Claims Conference dieser schwierigen Situation mit eigens zugeschnittenen Programmen in mehr als 40 Ländern zu begegnen.

Für die wenigen, die die Verfolgung überlebten, muss ein Lebensabend in Würde sichergestellt werden. Dies ist eine Pflicht, die sich aus dem Selbstverständnis der heutigen deutschen Gesellschaft ergibt.

Der Autor ist Deutschland-Repräsentant der Claims Conference.

Teheran

Irans Generation Z kämpft um ihre Zukunft

Sie sind 17, sprechen über Krieg und denken ans Auswandern. Darja und Negin gehören zu einer Generation, die den Iran verändert, aber an der eigenen Zukunft dort zweifelt

von Arne Bänsch  27.10.2026

Dementi

Trump bestreitet Gespräche über weitere Wahlempfehlung für Netanjahu

Hat Israels Ministerpräsident den amerikanischen Präsidenten um mehr Unterstützung im Wahlkampf gebeten oder nicht?

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt heute über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  27.10.2026 Aktualisiert

Wilko Möller (AfD), Landtagsabgeordneter in Brandenburg, guckt nachdenklich

Rechtsextremismus

Urteil gegen AfD-Politiker wegen Wahlplakats rechtskräftig

Hat der AfD-Abgeordnete Wilko Möller mit einem »Hitlergruß« auf Plakaten Wahlkampf gemacht? Das Landgericht Frankfurt (Oder) hatte ihn zu einer Geldstrafe verurteilt. Dagegen legte der Politiker Revision ein – vergeblich

 26.10.2026

Leerer Klassenraum (Symbolbild)

Hessen

Strafverfahren gegen Lehrer wegen israelfeindlicher Posts eingestellt

Wegen Instagram-Beiträgen, die als »antisemitisch und israelfeindlich« eingestuft wurden, ist ein Gymnasiallehrer seit einem Jahr vom Dienst suspendiert. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung wurde nun eingestellt

 26.10.2026

Krieg

Selenskyj: Warten fast einen Monat auf Hegseth-Unterschrift

Der Ukraine mangelt es nach eigenen Angaben an Raketen zur Abwehr russischer Angriffe. Nun äußert Präsident Selenskyj Kritik am US-Verteidigungsminister Hegseth

 26.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026

Regierungsbildung

Berliner SPD plant Mitgliederbefragung über Koalition

Die Basis soll über eine Koalition mit Linken und Grünen mitentscheiden

 26.10.2026