Vereinte Nationen

»Die USA sind der jüdischen Lobby unterworfen«

Francesca Albanese bei einer UN-Tagung in New York 2018 Foto: picture alliance / AA

Schon vor ihren Amtsantritt als Sonderberichterstatterin des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen Anfang diesen Jahres war Francesca Albanese hoch umstritten und wurde für ihre offen israelfeindliche Haltung kritisiert. Jetzt sind alte Facebook-Posts der Italienerin publik geworden, die Wasser auf die Mühlen der Kritiker sein dürften.

So behauptete die Juristin im Juli 2014 in einem an den katholischen Bischof des Heimatbistums ihrer Familie gerichteten Spendenaufruf, eine »jüdische Lobby« habe die Vereinigten Staaten »unterworfen« und verhindere so, dass Israel gezwungen werde, seine Politik gegenüber den Palästinensern zu ändern. Europa fühle sich »schuldig am Holocaust« und setze sich deshalb zu wenig für die Palästinenser ein.

»SCHULDGEFÜHLE« Das Volk der Palästinenser sei »seit fast einem halben Jahrhundert ständigen Misshandlungen ausgesetzt und von der israelischen Besatzung jeglicher Rechte und Gerechtigkeit beraubt«, so Albanese in ihrem weiterhin öffentlich zugänglichen Post. Israel führe einen »bösartigen Krieg« gegen die Bevölkerung des Gazastreifens, welche unter »israelischem Militärjoch« wie in einem »Gefängnis« leben müsse, und verfolge eine Politik der »ethnischen Säuberung«.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

»Während Länder wie Peru, Ecuador, Chile und Brasilien das Massaker im Gazastreifen bereits verurteilt und alle militärischen und kommerziellen Beziehungen zu Israel abgebrochen haben, sind Amerika von der jüdischen Lobby unterworfen und Europa von Schuldgefühlen wegen des Holocausts geplagt,« schrieb Albanese weiter.

In einem anderen Beitrag aus demselben Jahr, der mittlerweile nicht mehr öffentlich zugänglich ist, bezieht sich Albanese ebenfalls auf eine angebliche »pro-israelische Lobby« und wirft Israel sogar »Gier« vor. Den britischen Sender BBC ging sie laut »Times of Israel« mit den Worten an: »Die israelische Lobby steckt eindeutig in euren Adern und in eurem System, und man wird sich daran erinnern, dass ihr auf der Seite des großen Bruders in diesem orwellschen Albtraum gestanden habt, der einmal mehr durch Israels Gier verursacht wurde. Schande über Sie BBC«.

VERGLEICHE Im vergangenen Jahr hatte Albanese noch behauptet, Lobbys würden versuchen, die Kritik an Israel zum Schweigen zu bringen. Sie sprach wiederholt vom »Apartheidstaat Israel« und zog Vergleiche zwischen der Situation im Gazastreifen und dem jüdischen Ghetto in Warschau während der deutschen Besatzung Polens. Unter dem Hashtag #NoMoreNakbas schrieb sie auf Twitter: »Die Repression der ‚vergessenen Palästinenser‘ (i.e. die Bürger Israels, 20% der Bevölkerung) wird jetzt erst weltweit bekannt.«

Dem italienischen Sender »Radio Radicale« sagte sie: »So tragisch, schrecklich und unaussprechlich die Tragödie ist, die dem jüdischen Volk mit der Schoa widerfuhr, so steht die Nakba für die Palästinenser für den Zerfall des Bindegewebes eines Volkes und den physischen und institutionellen Zerfall.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Als Berichterstatterin für die Menschenrechtslage in den palästinensischen Gebieten wurde die Juristin vom Genfer Menschenrechtsrat vor einigen Monaten ernannt. Zuvor war sie für das UN-Flüchtlingshilfswerk UNRWA tätig. Albanese äußerte nach Bekanntwerden ihres Facebook-Posts ihr Bedauern. Der »Times of Israel« teilte sie jetzt in einer schriftlichen Stellungnahme mit: »Einige der Worte, die ich während der israelischen Offensive auf den Gazastreifen im Jahr 2014 verwendet habe, waren unglücklich, analytisch ungenau und unbeabsichtigt beleidigend. Menschen machen Fehler. Ich distanziere mich von diesen Worten, die ich heute nicht mehr verwenden würde und auch nicht als UN-Sonderberichterstatterin verwendet habe.«

BERICHT Albanese weiter: »Nach dieser Klarstellung sollte unsere Aufmerksamkeit nicht von den rechtswidrigen staatlichen Praktiken abgelenkt werden, die tagtäglich in den besetzten palästinensischen Gebieten Millionen von Menschen Leid zufügen und die Menschenrechte verletzen. Das ist es, worüber ich zu berichten beauftragt bin und worauf wir uns konzentrieren sollten.«

Bereits vor ihrer Ernennung als Sonderbeauftragte des Menschenrechtsrates stand Albanese in der Kritik. Die Genfer NGO UN Watch veröffentlichte Ende März einen Bericht, in der eine Reihe problematischer Äußerungen aufgelistet wurden. Die israelische Regierung wetterte gegen die Ernennung der Aktivistin als Berichterstatterin, allerdings vergeblich. Im Oktober legte Albanese dem Menschenrechtsrat ihren ersten Bericht vor, der wie erwartet Israel als »Apartheidstaat« verurteilte.

Noch mehr Kontroverse löste sie vor zwei Wochen mit einem Video-Auftritt bei einer von der Hamas organisierten Konferenz aus, wo sie der von der EU und Israel als Terrororganisation eingestuften islamistischen Bewegung das »Recht auf Widerstand gegen diese Besatzung« zubilligte.

Stuttgart

»Der Nationalsozialismus war wunderschön«: AfD-Gemeinderat droht Parteiausschluss

Niels Foitzik behauptete in Videos, unter Adolf Hitler sei jeder willkommen und wertgeschätzt gewesen. Sein Landesverband will ihn ausschließen. Nach wie vor ist er Stadtrat der AfD

 07.05.2026

Hamburg

»Nakba«-Protestcamp am Ort der Judendeportation?

Auf dem ehemaligen Juden-Sammelplatz soll wieder ein antiisraelisches Camp errichtet werden. Die Jüdische Gemeinde und die Stadt Hamburg fordern die Verlegung an einen anderen Ort

von Michael Thaidigsmann  07.05.2026

Berlin

Wegner: Kannte Liste mit Antisemitismus-Projekten nicht

Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson war im Zusammenhang mit der umstrittenen Vergabe von Fördermitteln zurückgetreten. Der Regierende Bürgermeister wusste laut eigener Aussage über einen wichtigen Aspekt nicht Bescheid

 07.05.2026

München

»Hitlergruß«-Collage? AfD-Politiker Bystron freigesprochen

AfD-Mann Bystron teilt in sozialen Medien eine Fotomontage - unter anderem mit Angela Merkel mit ausgestrecktem Arm. Strafbar? Geschmacklos? Das Landgericht sieht die Sache anders als die Vorinstanz

 07.05.2026

Redaktion

Die Menschen hinter der Jüdischen Allgemeinen

Wer textet und redigiert, gestaltet, illustriert und organisiert heute die Jüdische Allgemeine? 19 Menschen, neun Ressorts – wir stellen uns vor

 07.05.2026

Bayern

»Antisemitismus ohne mich«: Parteiübergreifende Kampagne

Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Ministerpräsident Markus Söder sowie die Landtagsabgeordneten von CSU, Grünen, Freien Wählern und SPD nehmen Teil

 07.05.2026

Sachsen-Anhalt

Umfrage zur Landtagswahl: Rechtsextreme AfD stärkste Kraft

Die selbsternannte »Alternative« baut ihren Vorsprung zur CDU vor der Landtagswahl aus. Das zeigt eine Umfrage von Infratest dimap. BSW, Grüne und FDP wären nicht im mehr Landtag

 07.05.2026

Berlin

Gericht stoppt geplante Abschiebung israelfeindlicher Aktivistin aus Irland

Im Oktober 2024 dringen 20 Aktivisten in das Präsidium der Hochschule ein, beschädigten Büros und verletzten mindestens einen Mitarbeiter. Die Irin soll dabei gewesen sein

 07.05.2026

Meinung

Die Angst, als Jude erkannt zu werden

Der Lagebericht des Zentralrats offenbart, wie unsicher sich Juden in Deutschland fühlen. Eine Gemeindevorsitzende beschreibt, was das für den Alltag der jüdischen Gemeinschaft bedeutet

von Jeanne Bakal  07.05.2026