Meinung

Die türkische Braut

Basta, es bleibt dabei! Bundeskanzlerin Angela Merkel besteht auf »ergebnisoffenen Verhandlungen« der EU mit der Türkei. Eine Vollmitgliedschaft ist nicht in Sicht, stattdessen wird weiterhin eine »privilegierte Partnerschaft« angestrebt. Doch der gut gemeinte Begriff hat in Ankara einen faden Beigeschmack. Keine Braut will jahrzehntelang warten, bis sich der Bräutigam zum Ja-Wort durchringt. Und eine stolze türkische Braut schon gar nicht. Wenn sie zu lange hingehalten wird, könnte es passieren, dass sie sich am Ende einen anderen Mann sucht. Im Falle der Türkei kommt durchaus der Iran infrage, steht er ihr doch geografisch ohnehin sehr nah. Wen wundert es da, dass Merkels Versuch, Ankara für mögliche Sanktionen gegen Teheran zu gewinnen, erfolglos bleibt. Die Türkei ist der zweitwichtigste Handelspartner des Iran. Erst kürzlich wurden die Verkehrsverbindungen zwischen beiden Nachbarländern ausgebaut. Die Wirtschaftsbeziehungen zum Iran abzubrechen, würde für Ankara ein Opfer bedeuten, für das durchaus eine Gegenleistung zu erwarten ist. Denn die Braut wäre ja dumm, ihrem Bräutigam die Mitgift zu lassen, ohne sicher zu sein, dass er sie eines Tages auch tatsächlich heiraten wird.

Ina Czyborra

Berlin

Kein Antisemitismusbeauftragter vor der Abgeordnetenhauswahl

Das Auswahlverfahren für eine Ansprechperson an Hochschulen der Bundeshauptstadt ist vorerst gescheitert

 28.08.2026

Birmingham

Ermittlungen gegen früheren Polizeichef wegen Ausschluss israelischer Fußballfans

Der Ausschluss von Anhängern des israelischen Fußballclubs Maccabi Tel Aviv bei dessen Auswärtsspiel im November vergangenen Jahres in Großbritannien hat ein Nachspiel

 28.08.2026

Interim

Christoph de Vries übernimmt zeitweise Amt von Felix Klein

Der langjährige Antisemitismusbeauftragte Felix Klein wechselt als deutscher Vertreter zur OECD nach Paris. Bis seine Nachfolge geklärt ist, übernimmt der Parlamentarische Staatssekretär seine Aufgaben

von Anna Mertens  28.08.2026

Social Media

Prozess: Mark Zuckerbergs Meta will knapp 17 Milliarden Dollar zahlen

Das historische Verfahren zwischen Tech-Gigant Meta und fast allen US-Bundesstaaten gilt rechtlich nur für die USA. Doch es könnte auch globale Auswirkungen haben

 28.08.2026

Vereinte Nationen

Generalsekretär Guterres: UN-Sonderberichterstatter »völlig außer Kontrolle« in Bezug auf Israel

Der scheidende UN-Generalsekretär António Guterres hat die extreme Einseitigkeit einiger UN-Sonderberichterstatter bezüglich des jüdischen Staates eingeräumt. Eine allgemeine Voreingenommenheit der UNO gegenüber Israel sieht er aber nicht

 28.08.2026

Diplomatie

Iran-Konferenz in Istanbul wird verschoben

Außenminister Wadephul wollte am Sonntag mit Kollegen unter anderem aus der Türkei, Saudi-Arabien, Ägypten und Pakistan über die Lage in der Straße von Hormus reden. Daraus wird vorerst nichts

 28.08.2026

Golfregion

Irans Außenminister: »Druck funktioniert nicht«

Regionale Staaten haben eine neue Runde diplomatischer Bemühungen im Iran-Krieg begonnen. Teheran richtet eine Botschaft an die USA

 28.08.2026

Professor Lars Rensmann von der Universität Passau

Wissenschaft

Ist die AfD das »freundliche Gesicht« des Antisemitismus?

Das American Jewish Committee thematisiert in einer am Dienstag veröffentlichten Analyse den Antisemitismus in der Alternative für Deutschland

 28.08.2026

Den Haag

Kriegsverbrecher Ratko Mladic gestorben

Er galt als ruchloser Kriegsverbrecher, der Zehntausende unschuldige Zivilisten auf dem Gewissen hatte. Jetzt ist Ratko Mladic tot, gestorben in einem Gefängniskrankenhaus

von Markus Schönherr  28.08.2026