Nahost

Die große Blockade

Kampf dem »zionistischen Gebilde«: Eine Iranerin demonstriert Solidarität mit der Schiitenmiliz Hisbollah. Foto: Reuters

Deutschland betreibt eine ausgewogene Nahostpolitik. Berlin betont das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und befürwortet für sie einen eigenen Staat. Zugleich erklärt Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Sicherheit Israels sei für sie nicht verhandelbar. Einheiten der deutschen Marine patrouillieren vor der Küste des Libanon, um die Versorgung der Hisbollah-Milizen mit Kriegsgerät zu unterbinden, also den jüdischen Staat zu schützen. Der Waffentransfer aber geht ungehindert über Land weiter. Iran und Syrien beliefern die Schiitenmiliz mit Raketen, sodass die Hisbollah heute etwa über 40.000 Fernlenkwaffen verfügt, die auf Israels Städte zielen. Dieser Umstand und Irans Nuklearprogramm sind dafür verantworlich, dass die Sicherheit des jüdischen Staates extrem gefährdet ist.

Anfang November warnte der scheidende Chef der militärischen Abwehr Israels, sein Land müsse in einem zukünftigen Krieg damit rechnen, gleichzeitig von mehreren Seiten angegriffen zu werden. Zudem werde Teheran binnen weniger Monate über ausreichend spaltbares Material verfügen, um zwei Atomsprengsätze herzustellen. Dieses Bedrohungsszenario verlangt nach einer strategischen Weichenstellung.

Iran rüstet seit Jahren nuklear auf. Die Verhandlungen mit den UN-Sicherheitsratsmitgliedern plus Deutschland, die am 5. Dezember in eine neue Runde gehen sollen, dienen Teheran dabei als Tarnvorhang, um seine atomaren Pläne voranzutreiben. Die Großmächte waren hierüber durch ihre Geheimdienste informiert. Dennoch wurde weiter verhandelt, da man hoffte, Teheran von der Gefährlichkeit seines Tuns überzeugen zu können. Um die »Ernsthaftigkeit« der Sechsergruppe zu unterstreichen, verhängte der Weltsicherheitsrat Sanktionen gegen Iran. Diese Maßnahmen schaden zwar Irans Volkswirtschaft und die Versorgung der Bevölkerung leidet, aber die strategische Nuklearaufrüstung läuft weitgehend ungestört weiter.

Der Plan von US-Präsident Obama, Teheran durch ein großzügiges Hilfspaket von seinen atomaren Ambitionen abzubringen, musste scheitern. Denn der Chef des Weißen Hauses verkennt das unabänderliche Streben des Mullah-Regimes, Israel zu vernichten. Diesen religiös-verbrämten Feldzug lässt sich der Iran nicht durch eine Milliardenspende aus Washington abkaufen. Auch nicht von einem in dieser Angelegenheit naiven US-Präsidenten, der meint, seine Verbundenheit mit der islamischen Welt würde von den Fundamentalisten gewürdigt.

Irans Präsident ist keineswegs verrückt, wie viele im Westen glauben. Er handelt lediglich gemäß einer anderen Logik als der hiesigen. Ahmadinedschad beabsichtigt nicht, Israel auf absehbare Zeit mit Atomwaffen anzugreifen, denn er weiß, dass im Gegenzug alle Großstädte seines Landes vernichtet würden. Der Staatschef will Kernwaffen erwerben, um die Dominanz seines Landes zu unterstreichen und Israels vermutetes Nuklearpotenzial zu neutralisieren. Auf dieser Basis soll Zion mittels konventioneller Kriegsführung, vor allem durch Raketenangriffe aus Libanon und Syrien, dermaßen zermürbt werden, dass das Leben im jüdischen Staat unerträglich wird und ein Großteil der Wirtschafts- und Bildungselite das Land verlässt. Israel soll ausbluten.

Die Regierung in Jerusalem weiß um diese Gefahr. Daher appelliert vor allem Premier Netanjahu an die USA, Irans Nuklearpotenzial auszuschalten. Doch die Supermacht will davon nichts wissen. Und das hat seinen Grund.

Die Denkweise Washingtons enthüllte soeben der ehemalige Präsident Bush in seinen Memoiren. Er bekennt, Jerusalems Bitten, den Bau eines syrischen Atomreaktors zu unterbinden, ignoriert zu haben. Die Zerstörung der Anlage durch Israel habe er jedoch respektiert. Dies ist eine indirekte Aufforderung an Jerusalem, selbstständig sein Sicherheitsdilemma zu beseitigen. Doch ein israelischer Militärschlag gegen Iran – von Saudi-Arabien, das sich ebenfalls bedroht weiß, nachdrücklich gefordert – würde einen Krieg in der gesamten Region zur Folge haben. Dies könnte wiederum die Rohstoffversorgung des Westens, besonders Deutschlands, gefährden und eine militärische Intervention wahrscheinlich machen.

Noch kann ein langwieriger Landkrieg im Nahen Osten verhindert werden. Dazu braucht es aber mehr als die ausgestreckte Hand eines US-Präsidenten und das Bekenntnis der deutschen Kanzlerin zu Israels Sicherheit. Um die Interessen des Westens zu verteidigen, müssen sich die NATO-Staaten rasch zu einer Blockade Irans nach dem Muster von Kuba 1962 entschließen. Nur so kann Teheran an der Umsetzung seiner Atomstrategie gehindert werden, die die ganze Region und damit auch Europa in einen Krieg zu ziehen droht. Die Zeit, einen Weltbrand zu verhindern, läuft ab.

Nach Antizionismus-Beschluss

Linken-Spitze will gegen Antisemitismus vorgehen

Die Linke kommt wegen interner Debatten über Antisemitismus nicht zur Ruhe. Nun reagiert die Parteiführung mit einem Antrag

 21.03.2026

Nahost

Israels Armee-Chef Zamir: Irans Raketen könnten Berlin treffen

Israels Militärchef warnt: Nach dem iranischen Angriff auf Diego Garcia sieht er auch europäische Hauptstädte wie Berlin im Radius iranischer Raketen. Der Krieg habe etwa die Halbzeit erreicht

 21.03.2026

Teheran

Modschtaba Chamenei bleibt unsichtbar

Der neue »Oberste Führer« des Iran zeigt sich weiter nicht in der Öffentlichkeit. Eine verlesene Botschaft ersetzt seine Neujahrsrede

 20.03.2026

Bern

Schweiz stoppt Waffenexporte an die USA

Wegen ihres strikten Neutralitätsprinzips liefert die Schweiz vorerst keine Waffen mehr an die USA, weil diese am Krieg gegen den Iran beteiligt sind

 20.03.2026

Berlin

DIG kritisiert Deutschlands Rückzug im Verfahren zum angeblichen Genozid gegen Israel

»Deutschland opfert Israel seinen Ambitionen auf einen Sitz im Weltsicherheitsrat«, sagt DIG-Präsident Volker Beck. Und nennt es »schändlich«

 20.03.2026

Bildung

Stille im Vieh-Waggon - Jugendliche fühlen die Geschichte des ehemaligen KZ Bergen-Belsen

Jugendliche aus ganz Europa hören in Bergen-Belsen von Hunger, Enge und Angst - und stehen plötzlich selbst an den Orten des Grauens. Für viele ist der Besuch im früheren Konzentrationslager die erste intensive Begegnung mit der NS-Zeit

von Charlotte Morgenthal  20.03.2026

Argentinien

Argentinien übernimmt IHRA-Vorsitz

Das südamerikanische Land übernimmt die Präsidentschaft der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA). Als erstes auf dem Kontinent

 20.03.2026

Oslo

Mette-Marit: Epstein hat mich manipuliert

Vertraute Mails und Liebes-Tipps: Ihre Freundschaft mit dem Sexualstraftäter hat Norwegens Kronprinzessin in Bedrängnis gebracht. Jetzt gab Mette-Marit ein Fernsehinterview

 20.03.2026

Meinung

Warum die Stellungnahme der USA beim IGH eine Enttäuschung ist

Die Intervention Washingtons vor dem Internationalen Gerichtshof nimmt zwar Israel gegen den Vorwurf des Genozids in Schutz. Sie liefert den Richtern aber kaum Argumente

von Menachem Z. Rosensaft  20.03.2026