Meinung

Die Geister, die Bernd Lucke rief

Olaf Sundermeyer Foto: dpa

Die größte Gefahr für Bernd Lucke, den Vorsitzenden der neu gegründeten Partei »Allianz für Fortschritt und Aufbruch« (ALFA) besteht darin, den gleichen Fehler zum zweiten Mal zu machen: nämlich den durch ihn maßgeblich bestimmten Prozess zu wiederholen, der dazu geführt hat, dass seine ehemalige Partei, die »Alternative für Deutschland« (AfD), ihm »entgleist« ist.

Dieses Wort fand er selbst für die aufmüpfige Partei und ihren antiwestlichen und prorussischen Kurs. Eine besondere Variante des menschenfeindlichen Rechtspopulismus, für die sich die AfD-Basis auf ihrem Bundesparteitag in Essen nun entschieden hat. Das ist freilich ein Kurs, der schon unter Lucke zahlreiche Anhänger in der Partei hatte. Doch es war erst ab dem Zeitpunkt nicht mehr Luckes Partei, als sie selbst sich von ihm abwandte.

fremdenfeinde Die Abkehr von Lucke kam von jenen Kräften, die er selbst angelockt hatte: die zahllosen Fremdenfeinde, EU-Skeptiker, Verschwörungstheoretiker und Antisemiten, die in den demokratischen Parteien keine Heimat finden konnten, aber für die eine Zuflucht zur dilettantisch geführten und sozial nicht vermittelbaren rechtsextremen NPD nicht attraktiv ist. So proklamierte ihre neue Führung die AfD endlich offen als das, was sie unter Lucke auch schon längst war: als Pegida-Partei.

Seit dem vergangenen Wochenende darf Lucke wieder einmal die politischen Weichen stellen, jetzt also bei ALFA: Dazu gehört für ihn offenbar auch ein »vernünftiges Nationalbewusstsein«. Dass es ein solches nicht gebe, sei ein »Defizit von Deutschland«, sagte Lucke am Tag nach seiner Wahl und betrat damit wieder das revanchistische Feld, von dem er sich etwas erhofft. Denn auch im Westen, unter den USA- und NATO-Freunden, gibt es zahlreiche, die von einer starken deutschen Nation träumen.

nationalisten Solche Nationalisten mit Westausrichtung sind Bernd Lucke allemal näher als sächsische Wutbürger, ihnen bietet Lucke mit ALFA ein politisches Zuhause an und zwar in gewohnt elitärem Duktus. In der AfD wollte der nicht verfangen, aber vielleicht in jenen Kreisen, die schon immer von einem salonfähigen Nationalismus träumen, wie er in vielen Studentenverbindungen gepflegt wird: in Rechtsanwaltskanzleien, Universitäten, Traditionsvereinen und Arztpraxen.

Wenn es Bernd Lucke gelingt, diesen schlummernden Revanchismus der Eliten mit ALFA aufzuwecken, muss er nur noch zusehen, dass der ihm nicht schon wieder entgleist.

Der Autor ist freier Journalist in Berlin.

Teheran

Trotz Angriffen: Iran mobilisiert zu Al‑Kuds‑Protesten

Zum Ende des Fastenmonats Ramadan findet im Iran immer eine staatlich-inszenierte Großdemonstration gegen Israel statt. Die Führung rief die Bevölkerung auf, es dem »Feind« zu zeigen

 13.03.2026

Andenes

Kanzler Merz sieht keinen Anlass für Militäreinsatz in Straße von Hormus

Der französische Präsident treibt die Idee eines Militäreinsatzes zum Schutz von Öltankern und Handelsschiffen in der Straße von Hormus voran. Kanzler Merz ist da deutlich zurückhaltender

 13.03.2026

Washington D.C.

»Schaut mal, was heute mit diesen geistesgestörten Drecksäcken passiert«

»Wir verfügen über beispiellose Feuerkraft, unbegrenzte Munition und viel Zeit«, schreibt der amerikanische Präsident auf seiner Plattform Truth Social

 13.03.2026

Maskat

Bericht: Tote und Verletzte durch Drohne im Oman

Woher die Drohnen kamen, war zunächst nicht bekannt. Trotz Vermittlungsbemühungen wurde der Oman mehrfach zum Ziel iranischer Angriffe

 13.03.2026

Meinung

Iran: Der Verrat des Westens

Die Islamische Republik ist angeschlagen, doch ihre Unterstützer im Westen sind nach wie vor aktiv

von Jacques Abramowicz  13.03.2026

Paris

Nationaler Widerstandsrat will Übergangsregierung im Iran stellen

Die Gruppe exilierter Iraner will nach dem Sturz der Mullahs innerhalb von sechs Monaten Wahlen durchführen. Der Widerstandsrat ist jedoch höchst umstritten

 13.03.2026

Nahost

US-Tankflugzeug bei Einsatz im Irak abgestürzt

Vier der fünf Crew-Mitglieder starben

 13.03.2026

Incirlik

Iranische Rakete auf NATO-Stützpunkt in der Türkei abgefeuert

Als Reaktion auf die wachsende Bedrohung verstärkt die Allianz ihre Luftverteidigung in der Region. Ankara droht derweil dem Regime in Teheran

 13.03.2026

Analyse

Der strategische Fehler Teherans – und die Chance auf eine neue Ordnung im Nahen Osten

Wie der Krieg gegen das iranische Regime die Machtverhältnisse der Region dauerhaft verändern könnte

von Sacha Stawski  13.03.2026