Einspruch

Die dürfen drinnen bleiben

Samuel Salzborn Foto: Marta Krajinovic

War eigentlich wirklich jemand überrascht, dass Wolfgang Gedeon und Björn Höcke weiterhin in der Alternative für Deutschland (AfD) bleiben dürfen? Das baden-württembergische AfD-Landesschiedsgericht lehnte jüngst den Ausschlussantrag gegen Gedeon ab, auch bei der AfD Thüringen ist nicht mit einem Parteiausschluss von Höcke zu rechnen.

Damit hat sich die AfD zur Kenntlichkeit entstellt: Denn jede Veränderung der Partei war in ihrer noch jungen Geschichte immer eine Radikalisierung nach rechts, so etwas wie einen »moderaten« Flügel gibt es in der Partei schon lange nicht mehr. Die Differenzen in der AfD bestehen allein in Fragen über das Wie – und immer wieder neuen Kämpfen, wer die Partei dominiert, persönliche Fehden, selbstverliebte, eitle und egoistische Machtkämpfe, aber nichts Inhaltliches.

antisemitismus Sicher gibt es in der AfD noch unterschiedliche Strategien, zu denen bei einigen auch gehört, dass offener und unmissverständlich geäußerter Antisemitismus besser in der Öffentlichkeit vermieden werden sollte. Mit den jüngsten Entscheidungen weiß man nun: Auch das ist hinfällig. Antisemitismus gehört zur AfD, Geschichtsrevisionismus auch.

Insofern ist die Kehrseite des Nichtausschlusses von Gedeon und Höcke auch erwähnenswert: Wer sich zuletzt dem Irrglauben hingab, es könnte noch ein letzter Funke Konservatismus in der AfD stecken, ist nun eines Besseren belehrt. Und auch jede Illusion, in deren anti-islamistischer Rhetorik einen Schimmer von pro-israelischer Haltung zu erahnen, muss nun weichen.

Denn wenn eine Partei Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus offen akzeptiert, dokumentiert sie damit nicht nur ihren antidemokratischen Charakter, sondern ihre Feindschaft gegenüber Jüdinnen und Juden – in Deutschland, in Israel, weltweit. Die Nichtausschlüsse waren der letzte Schritt dieser Entwicklung.

Der Autor ist Gastprofessor für Antisemitismusforschung an der TU Berlin.

Analyse

Hält Israels Brandmauer zur AfD?

Die deutsche Rechtsaußen-Partei wird von der israelischen Regierung boykottiert. Ein prominenter AfD-Politiker versucht nun, das zu ändern

von Joshua Schultheis  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Brandmauer nach links: Union attackiert Rot-Grün-Rot

Die Vorbereitung eines Linksbündnisses in Berlin wird von CDU und CSU scharf kritisiert. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union werden konkrete Konsequenzen gefordert - auch die nach einer neuen Brandmauer

 18.10.2026

Grüne

Banaszak: Rot-Grün-Rot braucht klare Absprachen vor Start

Grünen-Chef Felix Banaszak sieht Risiken für das geplante Bündnis aus Linken, Grünen und SPD in Berlin. Er warnt vor ungelösten Problemen

 18.10.2026

Jan-Philipp Hein

Flugabwehr bei VW? Aber ja!

Volkswagen, Rafael und die deutsch-israelische Rüstungskooperation

von Jan-Philipp Hein  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Söder fordert Brandmauer nach links

Der Begriff Brandmauer wurde in der Union bisher vor allem für die Abgrenzung nach rechts verwendet. CSU-Chef meint, sie sollte jetzt eher an anderer Stelle eingezogen werden

 18.10.2026

IWF-Tagung

KfW-Chef: »Demokratie ist ein harter Standortfaktor«

Auch aus der Finanzwelt kommen nach den Wahlerfolgen der AfD für Deutschland ungewohnte Fragen: Ist der Standort noch so verlässlich wie bekannt? Für Investitionsentscheidungen kann das wichtig sein

 18.10.2026

Iran-Krieg

Irans Parlament stimmt für neuen Verteidigungsminister

Das Verteidigungsministerium im Iran wurde mehr als ein halbes Jahr kommissarisch geleitet. Nun übernimmt ein erfahrener Funktionär aus der Rüstungsbranche das Amt

 18.10.2026

Leitantrag für Parteitag

CSU-Parteitag: Klare Kante gegen AfD und Linkspartei

Kommende Woche steht bei der CSU ein großer Parteitag an. Als Gast wird Kanzler Merz erwartet. Inhaltlich setzt die Partei auf neue Geschlossenheit durch die Benennung klarer Feindbilder

 18.10.2026

Offenburg

Özdemir zu Berliner Linken: Mit so jemandem nicht koalieren

Cem Özdemir lehnt eine Zusammenarbeit der Grünen mit der Linken in Berlin ab. Zwar verweist er auf gute Erfahrungen mit der Partei in anderen Ländern, in Berlin sieht er die Lage anders

 18.10.2026