Sachsen-Anhalt

Deutlich mehr rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe

Blick auf Halle an der Saale Foto: picture alliance / ZB/euroluftbild.de

Mehr rassistische Übergriffe, mehr Angriffe auf Juden oder queere
Menschen: Die Mobile Opferberatung in Sachsen-Anhalt schlägt Alarm.
Die gestiegenen Zahlen gehen dabei nicht nur auf eine veränderte
Zählweise zurück.

In Sachsen-Anhalt hat es im Jahr 2023 deutlich mehr rassistische, antisemitische und queerfeindliche Angriffe gegeben. Zu
diesem Fazit kommt die Mobile Opferberatung in ihrer Jahresbilanz,
die sie am Donnerstag in Halle vorgestellt hat.

Insgesamt hat der Verein im vergangenen Jahr 233 rechte,
queerfeindliche oder antisemitische Angriffe registriert. 332
Personen seien davon direkt betroffen gewesen. Im Jahr zuvor wurden
noch 156 Angriffe registriert, mit später erfassten Nachmeldungen
stieg die Zahl auf 167. Der deutlich höhere Wert für 2023 sei auf
eine Änderung der Erfassungskriterien zurückzuführen, auf die sich
die Mitgliedsorganisationen im Verband geeinigt hätten, hieß es. So
wurden im vergangenen Jahr erstmals 84 Bedrohungen und Nötigungen als Angriffe dokumentiert - gegenüber 17 im Jahr zuvor.

20 antisemitische Angriffe

Antisemitismus sei mit 20 registrierten Angriffen und 22 direkt
Betroffenen erstmalig das dritthäufigste Tatmotiv. Dieser Anstieg im
Vergleich zum Vorjahr mit neun Angriffen und elf direkt Betroffenen
sei vor allem auf die veränderte Zählweise von Bedrohungen
zurückzuführen, hieß es. So wurden demnach für 2023 insgesamt 17
(2022: vier) antisemitische Bedrohungen in die Statistik aufgenommen,
davon seien 14 im Internet verübt worden. Der Anstieg sei aber nicht
konkret auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023
zurückzuführen, sagte Arndt dem Evangelischen Pressedienst (epd).

In dem erheblichen Ausmaß der Gewalt spiegele sich ein
dramatisches Rassismus-Problem in Sachsen-Anhalt, sagte Antje Arndt,
Projektleiterin der Mobilen Opferberatung. Nach dieser Statistik
seien im Jahr 2023 alle ein bis zwei Tage Menschen in Sachsen-Anhalt
aus rassistischen, queerfeindlichen, antisemitischen und weiteren
rechten Motiven verletzt, bedroht und attackiert worden, hieß es.

Mit 168 Angriffen und 238 direkt Betroffenen im Jahr 2023 sei
Rassismus mittlerweile in fast drei Vierteln aller Fälle das bei
weitem häufigste Tatmotiv. Im Jahr zuvor wurden 112 Fälle mit 165
direkt Betroffenen erfasst. Mindestens 38 Jugendliche und 20 Kinder
waren demnach Ziel der Angriffe. Weil Rassismus auch institutionell
verankert und in vielfältige Diskurse eingebettet sei, seien etwa
Antirassismus-Beauftragte bei Polizei und Justiz nötig, forderte
Arndt.

Bei Übergriffen auf homo-, trans- und intersexuelle Menschen habe
es mit 22 Angriffen und 32 direkt Betroffenen eine Verdopplung der
Zahlen gegenüber dem Vorjahr gegeben. Es handle sich um die höchsten
Zahlen seit Beginn des Monitorings im Jahr 2003, hieß es. In zehn
Fällen handelte es sich den Angaben zufolge um einfache, in sieben um
gefährliche Körperverletzung. Allein bei Demonstrationen zum
Christopher Street Day (CSD) seien in sechs Städten zehn Angriffe mit
mindestens 17 direkt Betroffenen verübt worden.

Die Mobile Opferberatung in Halle unterstützt seit 2001 unter
anderem Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt.
Sie wird getragen vom Verein »Miteinander e.V«., der mit
verschiedenen Verbänden und Netzwerken kooperiert. Die Arbeit wird
nach eigenen Angaben aus dem Bundesprogramm »Demokratie leben« und mit Mitteln des Sozialministeriums Sachsen-Anhalt finanziert.

Dresden

Mehr rechtsextreme Vorfälle an Sachsens Schulen

Von NS-Symbolen und Parolen bis hin zu Beleidigungen und Gewalt: Das sächsische Bildungsministerium hat 2025 fast 250 rechtsextreme Vorfälle dokumentiert

von Yvonne Jennerjahn  15.02.2026

Analyse

Das Prinzip Trump

Der US-Präsident hat Israels sicherheitspolitische Lage gestärkt – zugleich spaltet er das eigene Land. Aber ein geschwächtes Amerika garantiert keinen stabilen Schutz

von Carsten Ovens  15.02.2026

Nahost

Italien und Rumänien nehmen als Beobachter an Trump-»Friedensrat« teil

Bislang sind in dem Gremium des US-Präsidenten nur zwei EU-Staaten dabei

 15.02.2026 Aktualisiert

Solidarität

Für Freiheit im Iran: 250.000 Demonstranten in München

Unter den Rednern war auch der Publizist Michel Friedman: »Ein Regime, das für Terrorismus steht, gehört abgesetzt«

 15.02.2026 Aktualisiert

USA/Iran

US-Präsident Trump: Machtwechsel im Iran wäre wohl das Beste

US-Präsident droht Teheran im Streit über das Atom- und Raketenprogramm mit einem Angriff. Er legt nach: Nur ein Deal könne dies verhindern

 14.02.2026

NS-Raubkunst

Wolfram Weimer kündigt Restitutionsgesetz an

»Eine Frage der Moral«: Der Kulturstaatsminister stimmt einem unter anderem vom Zentralrat der Juden geforderten Gesetz zu

 14.02.2026

Berlin

Brandenburger Tor leuchtet als Zeichen der Solidarität mit Iran-Protesten

»Die gewaltsame Niederschlagung der Proteste ändert nichts daran, dass der Drang nach Freiheit bleibt«, sagt Kai Wegner (CD), der Regierende Bürgermeister

 13.02.2026

Augsburg

Gericht kippt Redeverbot für Höcke im Allgäu

Am Wochenende sollte Thüringens AfD-Landtagsfraktionschef in zwei Hallen in Bayern als Gastredner auftreten. Die Gemeinden wehren sich – aber vorerst nur in einem Fall mit Erfolg

 13.02.2026

Meinung

Danke, Herr Minister!

Johann Wadephul hat sich von Francesca Albanese distanziert und ihren Rücktritt gefordert. Doch jetzt müssen Deutschland und andere Staaten den Druck weiter erhöhen

von Michael Thaidigsmann  13.02.2026