Meinung

Der Sex, die Jugend und die Herkunft

Micha Brumlik Foto: dpa

Meinung

Der Sex, die Jugend und die Herkunft

Eine Studie behauptet, dass junge Leute bieder seien. Genaues Hinschauen lohnt

von Micha Brumlik  08.08.2016 22:24 Uhr

Nein, viel Freude hatten die Älteren – die ja auch einmal jung waren – an den jeweils Jüngeren noch nie. So stand schon vor über 5000 Jahren auf einer sumerischen Tontafel: »Die Jugend achtet das Alter nicht mehr, zeigt bewusst ein ungepflegtes Aussehen, sinnt auf Umsturz, zeigt keine Lernbereitschaft und ist ablehnend gegen übernommene Werte.« Die Propheten des alten Israel sahen das kaum anders, in Micha 7,6 heißt es: »Denn der Sohn verachtet den Vater, die Tochter steht wider die Mutter, die Schwiegertochter wider die Schwiegermutter«.

»Generation Rente« Heute, die rebellischen 68er sind zur »Generation Rente« geworden, scheint die Jugend zu brav zu sein. So stellt eine repräsentative amerikanische Studie zum Sexualverhalten von US-Bürgern zwischen 20 und 24 fest, dass die Häufigkeit sexueller Kontakte auf das niedrigste Niveau seit etwa 100 Jahren gefallen ist. 15 Prozent verzichten demnach auf Sex, vor einigen Jahrzehnten waren es noch sechs Prozent.

Der Rückgang ist auffällig und verlangt eine Erklärung. So scheint er vor allem bei weißen jungen Leuten zu finden zu sein; in der schwarzen Bevölkerung, von der ein großer Teil noch immer in subproletarischen Verhältnissen leben muss, findet er sich so nicht. Zudem: Junge Frauen waren deutlich abstinenter als Männer und zwar vor allem jene, die kein College besuchen. Dann aber gilt: Wo »Sex« draufsteht, sind Klassenverhältnisse drin. Wenn nicht alles täuscht, handelt es sich um Angehörige jener Schicht, die derzeit Donald Trump zujubelt: der absteigenden weißen, meist protestantischen Arbeiterklasse. Soziologen teilen mit, dass Hochzeiten zwischen Angehörigen verschiedener Schichten immer seltener werden: Der Oberarzt heiratet heute nicht mehr die Oberschwester, sondern die Kollegin.

soziales kapital Bei alledem sind die Erkenntnisse des Soziologen Pierre Bourdieu zu berücksichtigen: Körper, Aussehen und erotisches Verhalten sind allemal soziales Kapital, das sparsam und gezielt einzusetzen ist. Vor allem dort, wo noch traditionelle, in vielen Hinsichten sexistische Rollenbilder herrschen: etwa derart, dass Lüsternheit und Promiskuität bei Männern »normal« sei, Frauen sich hingegen eher züchtig und keusch zu verhalten haben.

Keineswegs haben sich die sexuelle Revolution und Feminismus überall gleich stark durchgesetzt. Unter den Evangelikalen der Tea Party ebensowenig wie unter den Arbeiterfamilien im »Rust Belt«, im Rostgürtel. That’s why!

Der Autor ist Erziehungswissenschaftler und Publizist.

Washington

USA verschärfen Reisewarnung: »Unvorhergesehene Eskalation« möglich

Angesichts der wieder zunehmenden Spannungen im Mittleren Osten ruft das Außenministerium US-Bürger zu erhöhter Wachsamkeit auf

 02.09.2026

Medien

Unabhängige Prüfung der Nahost-Berichterstattung der Deutschen Welle gefordert

Nach Ansicht des Verbandes Jüdischer Journalistinnen und Journalisten (JJJ) gibt es insbesondere bei den Social-Media-Angeboten des Auslandssenders wiederholt journalistisch problematische Darstellungen

 02.09.2026

London

Antisemitischer Angriff auf jüdische Schüler: Frau erhält Bewährungsstrafe

Die Verurteilte hatte vor einer jüdischen Schule in Stamford Hill Kinder und eine Mutter antisemitisch beschimpft und anschließend den Vater eines Schülers angegriffen

 02.09.2026

Washington

USA beschlagnahmen Kryptowährungen und Online-Infrastruktur von Hamas

Die US-Behörden gehen weiter gegen die digitale Finanzierung der palästinensischen Terrororganisation vor

 02.09.2026

Tino Chrupalla, Bundesvorsitzender der AfD, spricht bei dem Wahlkampfauftritt in Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern), 28. August

Berlin/Heidelberg

Verdacht der Volksverhetzung: Dachorganisation der Sinti und Roma zeigt Tino Chrupalla an

Es geht um eine Äußerung des AfD-Chefs bei einer Wahlkampfveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern

 02.09.2026

Verteidigung

Deutsche Marine testet erfolgreich israelisches Raketensystem

Nun sollen Pläne für eine Beschaffung der Waffen mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern vorangebracht werden

von Carsten Hoffmann  02.09.2026

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  02.09.2026

Nahost

USA greifen erneut Ziele im Iran an – Trump droht mit noch härteren Schlägen

Das US-Zentralkommando erklärte, Luftabwehrstellungen, Radaranlagen, maritime Einrichtungen, Kommunikationssysteme sowie Anlagen und Fähigkeiten zum Verlegen von Seeminen seien getroffen worden. Der Iran startete derweil Angriffe in Jordanien und Bahrain

 02.09.2026

Marschflugkörper mit Staustrahlantrieb

Russland hilft Iran heimlich bei Entwicklung von Überschallraketen

Experten zufolge würde eine solche Waffe eine Gefahr für Landziele und Schiffe darstellen – darunter auch Flugzeugträger

 02.09.2026