Meinung

Der Lechts-Rinks-Illtum

Ach, hätte Hans Püschel doch seinen Ernst Jandl parat gehabt! Der Österreicher hat einst mit Sprachwitz und Hintersinn gedichtet: manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern, werch ein illtum. Genau diesem Richtungs-Illtum ist der sozialdemokratische Kommunalpolitiker aus Sachsen-Anhalt erlegen. Oder war es gar keine Fehleinschätzung, sondern vielmehr tiefe Überzeugung, die das Mitglied der SPD (etwas links) veranlasst hat, die NPD (extrem rechts) zu loben? Wir wissen es nicht. Denn der Bürgermeister der Gemeinde Krauschwitz mag sich nicht dazu äußern, worüber der Berliner Tagesspiegel am Montag berichtete. Püschel hat auf einer SPD-Website kundgetan, dass er auf dem Bundesparteitag der NPD Anfang November in Hohenmölsen kaum einen Satz gehört habe, »den ich nicht selbst hätte unterschreiben können«. Und der Genosse fühlte sich »beinahe wie auf einem Parteitag der SPD«. Schließlich gab Püschel noch zum Besten, dass ihn die Stimmungsmache gegen die NPD störe. Er habe keine Glatzköpfe und Springerstiefel gesehen, sondern nur normale Menschen. Was für eine Erkenntnis! Da kann es kaum verwundern, dass die Braunen den Roten in ihr Herz geschlossen haben. Übrigens, Jandls Gedicht trägt den schönen Titel »Lichtung«. Oder war es »Richtung«? Vielleicht dämmert es ja Herrn Püschel schon bald. Ist schließlich nicht ganz einfach, das mit lechts und rinks.

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