Dokumentation

»Der Artikel bedient antisemitische Klischees«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: dpa

»Der Text strotzt vor Beschuldigungen, die sich um angebliche jüdische Einflussnahmen in Zusammenhang mit Geldzahlungen drehen. Beweise liefert ›Der Spiegel‹ nicht. Der Artikel bedient ganz klar antisemitische Klischees und schürt damit Antisemitismus. Diese Art der Berichterstattung halte ich für verantwortungslos und gefährlich.«

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland

»Der Spiegel sollte sich offiziell für den hier praktizierten Israel bezogenen Antisemitismus entschuldigen. Der Artikel enthält all jene Stereotype, die das Grundmuster der Judenfeindlichkeit ausmachen und ist das negative Musterbeispiel dafür, wie tief diese Gedankenmuster in der Mitte (in diesem Fall der linken Hälfte davon) unserer Gesellschaft vorhanden sind. Schlimm.«

Uwe Becker, Antisemitismusbeauftragter des Landes Hessen

»Ich bin entsetzt. Das ist Verdachtsberichterstattung, also das Gegenteil von seriösem Journalismus, der seine Behauptungen belegt. Und das in Zeiten zunehmenden Antisemitismus. Wie kann das Magazin das ethisch verantworten? Es ist eine antisemitische Räuberpistole des Spiegel – und wirft zugleich die Frage auf, warum 6 (! ) Journalisten intensiv recherchieren und keinen Beweis finden. Meine Antwort: weil es keinen gibt!«

Esther Schapira, Journalistin und Filmemacherin

»Sowohl ich als auch viele meiner Kollegen im Bundestag setzen sich aus Überzeugung gegen Antisemitismus, BDS und für Freundschaft mit Israel ein. Diese Unterstellung von Korruption ist ungeheuerlich & fernab jeder Realität!«

Frank Müller-Rosentritt, Bundestagsabgeordneter (FDP)

»Was in demokratischen Verhältnissen völlig normal ist, wird hier als besonders skandalös dargestellt, weil Juden und Israel vorkommen. So wird der BDS-Beschluss des Bundestags als Werk finsterer Mächte gezeichnet, die Abgeordneten als willenlose Marionetten. Die Autor*innen des Beitrags spielen vorsätzlich mit diesen Ressentiments.«

Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank

»Am Wochenende publizierte der Spiegel den Artikel ›Lobbyismus im Bundestag: So steuern zwei Vereine die deutsche Nahostpolitik‹. Die Autor*innen lösen in den knapp drei Seiten Bilder aus, die wir aus den Protokollen der Weisen von Zion kennen. In Hinterzimmern werden politische Entscheidungen von geheimen und jüdischen Kräften gekauft. Der israelische Geheimdienst Mossad darf in der Geschichte auch nicht zu knapp kommen und ist auch in der ›Steuerung‹ der Geschehnisse involviert. Der Kampf gegen Antisemitismus und BDS wird hier kaum erwähnt und Behauptungen werden nicht belegt. Wenn Juden und Jüdinnen in Deutschland Unsicherheit verspüren, dann zählt es zur journalistischen Verantwortung keine antisemitischen Verschwörungstheorien zu befeuern.«

JSUD – Jüdische Studierendenunion Deutschland

»Wie kann sich der Spiegel angesichts der Propaganda der Nazis, die unter anderem auf anti-jüdischen Weltverschwörungstheorien fußte, so leichtfertig und unsensibel einer vergleichbaren Rhetorik bedienen? Es hätte doch zumindest einem der sechs beteiligten Autoren in den Sinn kommen können, dass Abgeordnete wie ich aus voller Überzeugung und historischer Verantwortung gegen Initiativen eintreten, die mit dem Aufruf zum Boykott israelischer Waren anknüpfen an das Nazi-Motto ›Kauft nicht bei Juden‹ oder die das Existenzrecht Israels, das zur deutschen Staatsraison gehört, in Zweifel ziehen.«

Christoph de Vries, Bundestagsabgeordneter (CDU)

»Seit mindestens 40 Jahren ist der Spiegel an vorderster Front, wenn es darum geht, gegen Israel zu agitieren. Wenn sich nun zivilgesellschaftliche Gruppen für diesen Staat engagieren, so werden wieder mal mit den uralten antisemitischen Ressentiments ›gespielt‹, wonach Juden die Welt regieren. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, als ob es dem Spiegel zuwider ist, dass jüdische Menschen sich für die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und für die einzige Demokratie des Nahen Ostens engagieren.«

Sigmount A. Königsberg, Antisemitismusbeauftragter der Jüdischen Gemeinde zu Gemeinde

»Ein vollkommen an den Haaren herbeigezogener Bericht. Unfassbar! Die Bundestagsabgeordneten seien nur Marionetten einer jüdischen Verschwörung.«

Ahmad Mansour, Psychologe und Träger der Josef-Neuberger-Medaille der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf

»Der Spiegel hat dieser Tage einen antisemitischen Artikel veröffentlicht. Wieder einmal. Es ist nicht der erste. Schon Spiegel-Erfinder Rudolf Augstein sah sich dem Antisemitismusvorwurf mehrfach ausgesetzt. Der Vorwurf war berechtigt. Hinzu kam, dass, wie fast überall in Deutschland, West wie Ost, sich auch in der Spiegel-Redaktion der unmittelbaren Nachkriegszeit braune Herrschaften tummelten.

Ein praktizierender, wenngleich nicht bekennender Antisemit ist auch Rudolf Augsteins Adoptivsohn und heutiger Spiegel-Kolumnist Jakob. In der Weltrangliste führender Antisemiten brachte er es vor einigen Jahren zu einem Platz unter den zehn herausragenden Antisemiten. Der Mitte-links-Antisemitismus des Nachrichtenmagazins ist deshalb keineswegs überraschend und nicht nur bei diesem Magazin zu finden.

Antisemitismus gehört seit jeher zum schlechten ›guten Ton‹ der Linken, Alt-Christen, des traditionellen und fundamentalistischen Islam sowie, natürlich, der Rechtsextremen. Anders als im öffentlichen Diskurs meistens behauptet (und von amtlich, kosmetischen Zahlen ›belegt‹), ist Antisemitismus kein Privileg der Höcke-AfD oder der Alt- und Neunazis.«

Michael Wolffsohn, Historiker und Publizist

»Wer Michael Ende liebt, findet im neuen Spiegel ein neues Märchen vom Scheinriesen ›Herr Tur Tur‹ und der vermeintlichen Macht der jüdischen Lobby. Journalistisch kann man das eigentlich nicht ernst nehmen. Hätte der Der Spiegel recherchiert und die tatsächliche Geschichte erzählen wollen, hätte er (zumindest auch) über die Geschichte dieses Antrags geschrieben. Passte aber nicht zur Story vom jüdischen Geld.«

Volker Beck, Grünen-Politiker

»Elio Adler ist eine herausragende Person des jüdischen Lebens in Deutschland. Ich wünschte, er würde in einem Deutschland leben, in dem Juden sich nicht selbst vor Gewalt, Verunglimpfung, Antisemitismus schützen müssten. Dass er sich für sein Engagement nun auf so ekelhafte Weise vom Spiegel diffamieren und ohne jeden Beleg in die Nähe von Korruption stellen lassen muss, beschämt mich: Politiker, die sich gegen Antisemitismus stellen, müssen von Juden gekauft sein – das ist lupenreiner Antisemitismus.«

Julian Reichelt, Chefredakteur der BILD-Zeitung

»Jüdisches Leben ist in Deutschland auf Polizeischutz angewiesen. Wer öffentlich Kippa trägt, riskiert seine Gesundheit. Und der Spiegel veröffentlicht eine Story über eine jüdische Verschwörung, die so dünn und gewollt ist, dass man lachen müsste, wenn es nicht so bitter wäre.«

Marc Felix Serrao, Leiter des Berliner Büros der Neuen Zürcher Zeitung

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