Gedenken

»Der Anschlag war eine Zäsur und hat unser Land verändert«

Um genau 12:03 Uhr am Sonntag standen große Teile des öffentlichen Lebens in Halle für eine Minute still. Zum dritten Mal jährte sich der Anschlag auf die Synagoge, bei der am 9. Oktober 2019 - an Jom Kippur - ein Rechtsterrorist versuchte, in das jüdische Gotteshaus einzudringen.

Als ihm dies misslang, tötete er zwei Passanten, Jana L. und Kevin S. Der Sonntag in Halle stand im Zeichen des Gedenkens an die beiden Getöteten und
die vielen Betroffenen, die damals unter Angst in der Synagoge waren.

Busse und Straßenbahnen stoppten zum Tatzeitpunkt für rund eine Minute, die Fahrgäste wurden per Lautsprecherdurchsagen informiert.
In der gesamten Stadt wurden zudem die Kirchenglocken geläutet. Zur
gleichen Zeit begann im Hof der Synagoge eine Gedenkfeier, an der neben Vertretern der jüdischen Gemeinde auch Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Innenministerin Tamara Zieschang (beide CDU) sowie Halles Bürgermeister Egbert Geier (SPD)
teilnahmen.

»Der Anschlag war eine Zäsur und hat unser Land verändert«, sagte Haseloff in seiner Ansprache. »Es gab eine Zeit vor und gibt eine Zeit nach dem 9. Oktober 2019.« Der Ministerpräsident warnte davor, den Anschlag als Tat eines isolierten Einzelgängers zu betrachten.

Er sei vielmehr Ausdruck einer unter Rechtsextremen verbreiteten Judenfeindschaft. Haseloff warnte zudem eindringlich vor den Gefahren, die von rassistischen und fremdenfeindlichen Einstellungen ausgingen und rief zu einem Klima der Toleranz und gegenseitigen Achtung auf.

»Wir alle tragen Verantwortung für uns selbst, für unsere Handlungen und
Unterlassungen, aber vor allem für unsere Mitmenschen.« Die Frage, ob sich die Schoa wiederholen könnte, solle man nicht leichtfertig mit »Nein« beantworten. »Die Firnis der Zivilisation ist sehr dünn«, sagte der Ministerpräsident.

Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Max Privorozki, der das Attentat in der Synagoge miterlebt hatte, betonte am Sonntag, dass am Jahrestag die Trauer um die beiden getöteten Menschen im Vordergrund stehe. Es sei nicht der Tag für die politische Auseinandersetzung. Mit jedem Jahr werde der Zeitabstand zum Geschehen größer, aber es gebe etwas, das immer bleibe. »Da sind zwei Leute, die ermordet worden«, sagte er kurz vor der Veranstaltung. 

Auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) meldete sich am Sonntag anlässlich des Gedenkens zu Wort. »Dieser Jahrestag mahnt uns, nie wegzuschauen«, schrieb der Kanzler auf Twitter: »Wir gedenken der Opfer und bekräftigen, Rechtsextremismus in jeder Form entschlossen zu bekämpfen.«

Während der Gedenkveranstaltung stellte die Künstlerin Lidia Edel ein von ihr gestaltetes Kunstwerk vor, bei dem ein Eichenstamm in Form einer Hand die Tür umfasst, die vor drei Jahren den Attentäter vor dem Eindringen in die Synagoge hinderte. Die beiden Einschusslöcher sind deutlich zu erkennen.

Halles Bürgermeister Egbert Geier griff dieses Symbol in seiner Ansprache auf. Die Tür als Bollwerk habe damals Menschenleben gerettet. »Die Antwort auf dieses schreckliche Verbrechen darf aber nicht Abschottung heißen«, so der Bürgermeister. Im Gegenteil: »Wir brauchen offene Türen.«

Der Anschlag in Halle hatte vor drei Jahren erneut eine Debatte über die Sicherheit jüdischer Gemeinden in Deutschland entfacht. An vielen Orten wurden Vorkehrungen verstärkt. Der Attentäter von Halle wurde vom Oberlandesgericht Naumburg im Dezember 2020 zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. (mit dpa)

Kreig

Trump droht Iran: »Jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!«

Der US-Präsident sieht die iranischen Streitkräfte am Boden und droht dem Land einmal mehr. Teheran habe die Chance für einen Deal verpasst

 10.06.2026

München

Anklage nach Angriff auf israelisches Konsulat

Ein 24-Jähriger wirft Steine auf die Einrichtung und löst mit einem verdächtigen Rucksack einen größeren Polizeieinsatz aus. Weshalb ihn Ermittler vor Gericht sehen wollen

 10.06.2026

Brandenburg

Goebbels-Villa könnte Zentrum gegen Extremismus werden

Das alte Haus nördlich von Berlin verfällt seit Jahren. Jetztsoll daraus ein Ort gegen Antisemitismus werden

 10.06.2026

Meinung

So macht man Stimmung

Die deutsche Berichterstattung über den Krieg zwischen Israel und der Terrormiliz Hisbollah ist unterkomplex und einseitig. Über die wahren Interessen der Libanesen wird dabei hinweggegangen

von Ahmad Mansour  10.06.2026

USA

Trump wird 80: Verpufft seine Macht?

Seine Amtszeit ist geprägt von einem medialen Dauerfeuer: Überall Trump, Trump, Trump. Doch vor seinem 80. Geburtstag ist der Präsident eher zurückhaltend. Er hat inzwischen nicht nur ein Problem

von Anna Ringle  10.06.2026

Washington D.C.

Trump stellt Netanjahus politische Zukunft infrage

»Er hatte eine erstaunliche Karriere«, sagt der amerikanische Präsident. »Will er weitermachen?«

 10.06.2026

Berlin

»Wenn Alice Weidel Kanzlerin wird, bin ich weg!« 

Der Kabarettist Dieter Nuhr sagt, er halte es für einen Fehler, die AfD politisch konsequent auszuschließen. Die Dämonisierung der Partei habe ihr eher genützt

 10.06.2026

New York

Kongress-Kandidat kritisiert Israel-Fokus im Wahlkampf

Der jüdische Demokrat Micah Lasher sagt, er sei »erschöpft« davon, wie stark der jüdische Staat den politischen Diskurs dominiere

 10.06.2026

Gaza

UN-Bericht: Hamas richtet Dutzende Palästinenser hin und verstümmelt sie

Das Hochkommissariat für Menschenrechte dokumentiert in einer Untersuchung Hunderte Fälle sogenannter extralegaler Strafen

 10.06.2026