Meinung

Demokratie gibt es nicht auf Vorrat

Smileys, noch mehr Smileys und läppische Textchen wie »Komme später« oder »Wo bist du?«. Über eine Million solcher SMS hat die sächsische Polizei gespeichert, als am 18. und 19. Februar dieses Jahres Bürger gegen einen Aufmarsch der NPD protestierten. Mit dem Inhalt der Nachrichten und Telefonate hat das nichts zu tun. Vielmehr greift der Staat an Informationen ab, was er kriegen kann. Er drangsaliert und kontrolliert die Zivilgesellschaft, wenn sie sich, wie in Dresden, stark zeigt. Das ist schlimm, doch dieser Kontrollwahn namens Vorratsdatenspeicherung wird jetzt sogar als Konsequenz aus dem Massaker in Norwegen verkauft.

Dresden Als sei die Lehre, die es aus dem Osloer Mordanschlag oder aus dem Dresdner Naziaufmarsch zu ziehen gilt, ein Mehr an Kontrolle, Überwachung und Bewaffnung – je weniger Demokratie, desto besser für alle. Dabei ist das Gegenteil richtig. Die Zivilgesellschaft, so wie jetzt in Oslo und wie im Februar in Dresden, will sich ihre demokratischen Rechte nicht wegbomben und nicht verbieten lassen.

Zu dieser Gesellschaft (und nicht zum Staat) gehört das jüdische Leben, gehören Menschen, die in Dresden zur Antinazi-Demonstration aufriefen und in Oslo jetzt mit allen anderen trauern. Die Zivilgesellschaft will ein Klima schaffen, in dem keine gewalttätigen Menschen heranwachsen. Sie will Nazis sozial isolieren, nicht nur juristisch verfolgen. Die in Dresden praktizierte und jetzt von CDU/CSU-Sicherheitspolitikern wieder auf die Tagesordnung gesetzte Vorratsdatenspeicherung hilft nicht gegen Terror. Aber sie beschneidet demokratische Rechte und trägt zur Entmündigung der Zivilgesellschaft bei.

Sanktionen

EU setzt Revolutionsgarden auf Terrorliste

In der Europäischen Union wurde jahrelang um diesen Schritt gerungen. Jetzt gibt es eine Einigung

 29.01.2026 Aktualisiert

Interview

Oberrabbiner Goldschmidt: Iran destabilisiert gesamten Nahen Osten

Der ehemalige Moskauer Oberrabbiner über den Iran, die Zukunft von Gaza und Antisemitismus in Europa

von Leticia Witte  29.01.2026

Gedenkstunde

Bundestagspräsidentin fordert mehr Schutz jüdischen Lebens

Wie geht es weiter, wenn die Überlebenden der Schoa nicht mehr da sind? Es müssen neue Wege gefunden werden, sagt die Präsidentin des Bundestages. In der Gedenkstunde des Bundestages, in Gegenwart einiger Zeitzeugen

von Leticia Witte  29.01.2026

Washington D.C.

Rubio warnt Iran vor Angriff und schließt Präventivschlag nicht aus

Die USA stärken ihre Militärpräsenz in der Golfregion und warnen den Iran vor Angriffen auf US-Basen. Der Außenminister zeigt sich ratlos, wie es nach einem Sturz der Führung im Iran weitergeht

 29.01.2026

Die Universität Pennsylvania will nicht auf die Forderung eingehen, Daten jüdischer Mitarbeitenden zu veröffentlichen.

USA

Müssen US-Unis Informationen über jüdische Mitarbeiter herausgeben?

Die Universität Pennsylvania wehrt sich gegen die Forderung, persönliche Daten jüdischer Mitarbeitender auszuhändigen. Der Fall wird vor einem US-Bundesgericht verhandelt.

von Nicole Dreyfus  29.01.2026

„Bündnis Sahra Wagenknecht“

Lafontaine sorgt mit Aussage zu Antisemitismus für Empörung

»Der Russenhass ist ebenso verwerflich wie der Antisemitismus«, schrieb der BSW-Politiker und ehemalige Ministerpräsident am Tag vorm internationalen Holocaust-Gedenktag

 29.01.2026

London

Am Holocaust-Gedenktag Juden »vergessen«: BBC entschuldigt sich

In Sendungen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalt war von »sechs Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime ermordet wurden« die Rede. Dass es sich um Juden handelte, wurde nicht erwähnt

 29.01.2026

Brüssel

EU verhängt neue Sanktionen gegen Teheraner Regime

Zehntausende Festnahmen und Tausende Tote: Die jüngsten Ereignisse im Iran haben in der EU für Entsetzen gesorgt. Jetzt wird reagiert

 29.01.2026

New York

Douglas Murray übernimmt Lehrtätigkeit an Yeshiva University

Zugleich wird der nicht-jüdische, britische Autor und Kommentator zum ersten »President’s Professor of Practice« ernannt

 29.01.2026