Italien

Das Rätsel vom Lago Maggiore

Carabinieri bewachen den Eingang zur Marina in Lisanza am Lago Maggiore. Foto: picture alliance / ANSA

An den Ereignissen, die sich diese Woche am Lago Maggiore zutrugen, hätten Spionagethriller-Autoren wie Daniel Silva ihre Freude. Ein Bootsunfall, der sich dort zutrug, hat die Eigenschaften eines Krimis, denn italienische und ein israelischer Geheimdienstler sowie ehemalige Agenten waren an Bord des Bootes, das bei schlechtem Wetter auf Grund lief.

Italienische Medien berichteten, bei einem der Opfer handle es sich um Erez Schimoni, einen Verteidigungsexperten und ehemaligen Mossad-Mitarbeiter. Die anderen waren demnach die italienischen Agenten Tiziana Barnobi und Claudio Alonzi sowie die Russin Anja Bozhkova, die Freundin des Bootsbesitzers und Kapitäns Claudio Carminati. Sie waren zwischen 50 und 62 Jahre alt.

Mehr Interesse Tödliche Bootsunfälle passieren. Dieses tragische Ereignis weckt jedoch mehr Interesse als andere Unfälle, da fast alle Passagiere, 19 von ihnen, Geheimdiensten zuzuordnen sind oder waren.

Auch gibt es mehrere offene Fragen: Warum wurden die israelischen Überlebenden offenbar sofort in ihr Heimatland ausgeflogen? Nicht einmal ihre am Ufer des Sees geparkten Mietautos hätten sie vor ihrer plötzlichen Abreise abgegeben, hieß es in italienischen Berichten.

Warum wurde die Leiche des israelischen Todesopfers ebenfalls sofort ausgeflogen? Möglicherweise sollte die Identität des Mannes geschützt werden, der als Mossad-Agent an wichtigen Operation beteiligt gewesen sein könnte. Oder es gibt andere, geheime Gründe.

Kliniken und Hotels Interessant ist auch die Frage, warum offenbar sogar die italienischen Überlebenden nach dem Unglück schnell aus den Kliniken und Hotels abgeholt wurden, in denen sie sich befanden. Sollten hier Spuren verwischt werden? Wenn ja, warum?

Während einige Antworten fehlten, wurden andere von italienischen Medien geliefert: Das 16 Meter lange Boot sei nicht angegriffen oder sabotiert worden, sondern nach einem plötzlichen Wetterumschwung zwischen den Städten Sesto Calende and Arona gekentert, hieß es in Berichten. Den meisten Passagieren sei es gelungen, sich zu retten, indem sie ans Ufer geschwommen seien. Taucher fanden später die vier Toten.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Gili Cohen, eine Korrespondentin des israelischen Fernsehkanals KAN, berichtete auf Twitter, in einer Mitteilung des Auslandsgeheimdienstes habe es geheißen, der Mossad habe einen »lieben Freund« verloren, einen »engagierten und professionellen Mitarbeiter«, der sein Leben jahrzehntelang der Sicherheit Israels gewidmet habe.

Shelly Meyer

Kommentar

Wer tatsächlich vom »Judenfetisch« profitiert

150 Juden in Berlin haben mit einem Offenen Brief die Linkspartei unterstützt - das sind etwa 0,4 Prozent der Berliner jüdischen Stimmen. Doch sie könnten für die breite Öffentlichkeit kaum wertvoller sein

von Shelly Meyer  04.10.2026

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 02.10.2026

Sacramento

Kalifornien führt »jüdisch« als ethnische Kategorie ein

Gouverneur Gavin Newsom unterschrieb mehrere Gesetze, die für Juden in dem Bundesstaat relevant sind

 02.10.2026

Essay

Die Demokratie gegen ihre Abschaffung verteidigen

Warum die AfD als Partei verboten werden müsste – und weshalb das eben nicht undemokratisch ist

von Stephan Lehnstaedt  02.10.2026

Delft/Niederlande

Publikum beschimpft Angehörige eines Hamas-Opfers bei »NAZA«-Vorführung

Sabine Tassa, deren Ehemann und Sohn am 7. Oktober 2023 ermordet wurden, kritisiert die Doku. Das Publikum will nichts davon hören

 02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Genf

Sharabi fordert UN-Menschenrechtsrat zur Anerkennung von Geiselmisshandlungen als Folter auf

»Mein Name ist Eli Sharabi. Ich bin ein Überlebender von Folter«, so der ehemalige Verschleppte vor dem Gremium

 02.10.2026