Meinung

Das Kreuz mit den Missionaren

Günther B. Ginzel Foto: dpa

Meinung

Das Kreuz mit den Missionaren

»Messianische Juden« sind unter dem Dach der Evangelikalen Allianz. Damit wollen sie Einfluss gewinnen

von Günther B. Ginzel  03.04.2017 19:03 Uhr

Es war an einem Freitag. Kiddusch in einer mittelgroßen Gemeinde in einer ostdeutschen Stadt, überwiegend russischsprachig und aus Zuwanderern bestehend. Neben mir saß ein freundlicher älterer Herr, der lebhaft mitsang.

Schließlich fragte er uns, warum wir die Tora nicht besser kennen würden. Denn sie verkünde doch, dass der Messias bereits existiere und dass sie klar auf den einen hinweise: »Jesus, den Christus«. Schließlich bekannte er sich offen dazu, ein »messianischer Jude« zu sein.

judenmission Insbesondere im Osten Deutschlands sind viele Juden den Bemühungen solcher Gruppen ausgesetzt. Dabei geht es nicht zuletzt um Effizienz. Denn mehr noch als die tradierte christliche Judenmission, so die Hoffnung, würde sich – quasi von Jude zu Jude – die Erkenntnis durchsetzen, dass die »Erfüllung des Judentums« in der Hinwendung zu Jesus in der christlichen Deutung bestehe. Das Problem bei diesen Gruppen ist nicht ihr Bekenntnis zu christlichen Prinzipien. Das zu haben, ist ihr Menschenrecht. Das Problem ist vielmehr, dass sie sich als »Juden auf dem rechten Weg« präsentieren und somit ein christliches Thema zu einem jüdischen Problem machen.

Nun hat die Evangelische Allianz jüngst entschieden, die missionarischen Juden unter ihre Fittiche zu nehmen. Das könnte man so deuten, als sei das Offensichtliche an diesen Gruppen, dass es nämlich Christen mit jüdischen Wurzeln sind, nun auch institutionell klargestellt. Schön wär’s.

boykott Doch erleben wir nicht eher einen evangelikalen Versuch, die in den Kirchen nach der Schoa nicht mehr geschätzte Judenmission durch die Predigt messianischer Juden zu ersetzen? Und gleichzeitig deren Einfluss innerhalb der evangelischen Kirche zu stärken? »Christen freuen sich über die Juden, die Jesus Christus als ihren Messias erkennen. Messianische Juden sind deshalb unsere Schwestern und Brüder«, heißt es in erfreulicher Offenheit in der Erklärung der Evangelischen Allianz. Ein Nahziel ist es ohne Zweifel, auf diese Weise den Boykott dieser Gruppen durch den Evangelischen Kirchentag zu unterlaufen.

Manche wittern da eine Gefahr für die Gemeinden. Doch gemach: Dem letztlich erfolgreichen Dialog von Christen und Juden wird diese Aktion nicht schaden. Und im Lutherjahr darf man durchaus an die Kontinuität der Erfolglosigkeit judenmissionarischer Bemühungen erinnern: in der Vergangenheit und sicher auch in der Gegenwart.

Der Autor ist Publizist in Köln.

Berlin

Söder warnt SPD und Grüne vor Koalition mit Linkspartei

Nach der Wahl in Berlin mit dem Sieg der Linkspartei ist noch immer unklar, wer künftig regieren wird. Der CSU-Chef hat eine klare Erwartung für den Umgang mit dem Wahlsieger

 25.09.2026

Kassel/Heidenau

Stadt stoppt Stolpersteine – Künstler: War zu erwarten

Der Stadtrat von Heidenau bei Dresden lässt keine neuen Stolpersteine im Straßenraum zu. Der Initiator der Gedenksteine, Gunter Demnig, warnt vor Unsichtbarkeit der NS-Opfer und will weitermachen

 25.09.2026

Berlin

Schuster: Seit Hamas-Angriff kaum Kontakte zu muslimischen Verbänden

Er hat muslimische Freunde. Doch offizielle Beziehungen zwischen der jüdischen Gemeinde und muslimischen Verbänden gibt es kaum noch. Der Zentralratspräsident kritisiert dies und hofft auf Besserung

 25.09.2026

USA

Rennpferd muss wegen Hitler-Bezug umbenannt werden

Der Jockey Club erhält eine formale Beschwerde, woraufhin der Name des Tieres verboten wird. Wie hieß das Pferd? Und wie heißt es jetzt?

 25.09.2026

New York

Susan Sarandon bei Demo gegen Israel festgenommen

Zwei Proteste gegen Israel fanden während der Rede von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor der UNO statt. Bei einer davon wurde zum Mord an ihm aufgerufen

 25.09.2026

New York

Netanjahu vor der UNO: »Israel hat keinen anderen Weg als zu gewinnen«

Der israelische Ministerpräsident spricht über Iran, Katar, die Türkei. Er konfrontiert Kritiker seines Landes, inklusive Bürgermeister Zohran Mamdani

 25.09.2026

Berlin

Berliner Linken-Chefin: »sehr überrascht« über Kritik

Seit der Berlin-Wahl am Sonntag wird bundesweit heftig über Antisemitismus bei der Linkspartei diskutiert. Sieht die Landesvorsitzende Kerstin Wolter ein strukturelles Problem in ihrer Partei?

 25.09.2026

Nach der Wahl

Berliner SPD will mit Linken und CDU sondieren

Die Sozialdemokraten wollen mit dem Wahlsieger Linke und der CDU über eine mögliche Regierungsbildung sprechen. Parteichef Krach nennt eine »rote Linie«

 25.09.2026

New York

Berichte: Iran legt Sieben-Tage-Plan zur Beendigung des Kriegs vor

Die USA und der Iran verhandeln mit Hilfe von Vermittlern über die Zukunft der Straße von Hormus. Nun will die iranische Seite einen Vorschlag ins Spiel gebracht haben

 25.09.2026