Doha

Darum ist der Streit um die Straße von Hormus noch immer nicht beigelegt

Das Kriegsschiff USS Rafael Peralta und ein iranischer Tanker in der Straße von Hormus Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Nach der jüngsten militärischen Eskalation in der Straße von Hormus könnte es heute in Katar zu Krisengesprächen zwischen Vertretern der USA und dem Iran kommen. »Der Iran hat um ein Treffen gebeten«, schrieb US-Präsident Donald Trump auf der Plattform Truth Social. Von iranischer Seite klang das allerdings anders. Eine Gesprächsrunde werde stattfinden, »sobald die Voraussetzungen geschaffen sind und Einigkeit über Termin und Veranstaltungsort erzielt wurde«, sagte Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi laut iranischer Nachrichtenagentur Isna. Reine Verhandlungstaktik?

Technische Sitzungen der Arbeitsgruppen seien diese Woche nicht geplant, sagte Gharibabadi, Konsultationen über Vermittler würden aber fortgesetzt. Laut Trumps Sprecherin Karoline Leavitt werden jedenfalls dessen Schwiegersohn, Jared Kushner, und der US-Sondergesandte Steve Witkoff, diese Woche für Gespräche in die katarische Hauptstadt Doha fliegen. Sollten sie stattfinden – ob nun heute oder an einem anderen Tag – wird laut US-Medien dabei nicht, wie zunächst erwartet, Irans Atomprogramm im Mittelpunkt stehen, sondern einmal mehr der Streit um die Straße von Hormus.

War der Streit um die Meerenge nicht beigelegt? 

Die Wiederöffnung der für den globalen Handel mit Öl, Gas und Dünger wichtigen Straße von Hormus ist ein zentrales Element des Rahmenabkommens, auf das sich Washington und Teheran vor rund zwei Wochen verständigt hatten. Doch der entsprechende Passus in dem Abkommen enthält Formulierungen, die Interpretationsspielraum lassen. Nach der Unterzeichnung werde der Iran nach »besten Kräften Vorkehrungen treffen«, um Handelsschiffen für 60 Tage gebührenfrei eine sichere Durchfahrt durch die Meerenge zu ermöglichen, heißt es in dem Rahmenabkommen unter anderem. 

Die Begriffe »Vorkehrungen« und »besten Kräften« blieben undefiniert, hält die Denkfabrik »The Soufan Center« fest. Experten würden den Artikel jedoch nicht so interpretieren, als dass er die Position des Irans rechtfertige, wonach Schiffe die Meerenge nur auf von Teheran festgelegte Routen durchqueren sollen.

Das Rahmenabkommen habe »bewusst auf flexible Formulierungen gesetzt, weil dies wahrscheinlich der einzige Weg war, sie (die Verhandlungen) zum Abschluss zu bringen«, sagte Nicole Grajewski von der Pariser Elitehochschule Sciences Po der »New York Times«. Beide Seiten versuchten nun, Fakten zu ihren Gunsten zu schaffen, bevor die Details in einer finalen Vereinbarung festgelegt werden.

Warum riskieren die Iraner den Bruch der Waffenruhe? 

Dass der Iran während der ohnehin wackeligen Waffenruhe auf der alleinigen Kontrolle über die Meerenge beharrt, hat laut Experten strategische Gründe: 

Maximaler Druck auf die USA in den Friedensverhandlungen: Die iranischen Revolutionsgarden - die Elitestreitmacht der Islamischen Republik - nutzten die Straße von Hormus »als Instrument zur Ausübung von Druck und zur Stärkung ihrer Verhandlungsposition«, sagte eine Sicherheitsexpertin in Teheran, die anonym bleiben möchte. Mit den Angriffen demonstrierten sie »ihre Fähigkeit und Kontrolle über diese strategisch wichtige Wasserstraße«.

Irans Außenminister Abbas Araghtschi betonte am Sonntag explizit, dass der Iran laut dem Rahmenabkommen allein verantwortlich für die Verwaltung der Meerenge sei. Teheran will Washington damit signalisieren: Rüttelt ihr an unserer Souveränität, wird es den globalen Energiemarkt treffen. Die Meerenge ist Irans stärkstes wirtschaftliches und militärisches Druckmittel. 

Druck auch auf die Golfstaaten: Irans Angriffe auf US-Militärstützpunkte in Bahrain und Kuwait vor kurzem könnten Teil seines Bestrebens sein, die Golfstaaten zur Akzeptanz der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus zu zwingen, wie es in einer Lage-Analyse des US-Instituts für Kriegsstudien (ISW) in Washington heißt. Auch könne es der Einschätzung zufolge ein Signal an weitere Golfstaaten sein, dass der Iran militärisch gegen sie vorgehen könnte, sollten sie die USA dabei unterstützen, den iranischen Machtanspruch in der Meerenge zu untergraben. 

Auch Sultan Barakat von der Hamad Bin Khalifa University in Katar wertet die jüngste Eskalation als Signal des Irans, im Zweifelsfall militärische Gewalt anzuwenden. Der Konflikt sei offenbar dadurch verschärft worden, dass Oman eine neue Route ausgewiesen habe, sagte er dem Sender Al Jazeera. »Der Iran hat wenig Interesse daran, zuzusehen, wie sein politischer Hebel mit jedem Schiff, das in omanische Gewässer umgeleitet wird, schwindet«, sagte Ali Vaez von der Denkfabrik International Crisis Group dem »Wall Street Journal«.

Verknüpfung mit dem Konflikt im Libanon: Das zwischen Washington und Teheran erzielte Rahmenabkommen sieht auch ein Ende der Kämpfe im Libanon zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah vor. Experten kritisieren, dass die USA dem Iran ein Vetorecht über Entwicklungen im Libanon zugestanden habe. Der Iran will die Hisbollah um jeden Preis schützen und nimmt dafür den Bruch der Waffenruhe mit den USA in Kauf. Die Straße von Hormus dient dabei als asymmetrische Waffe. Der Rückzug Israels aus dem Libanon wird zur Bedingung für ein dauerhaftes Kriegsende gemacht. 

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Sollte es jetzt nicht eigentlich um Irans Atomprogramm gehen? 

Der Iran versuche, die Atomverhandlungen mit Washington davon abhängig zu machen, dass die USA Israel dazu bewegen, das militärische Vorgehen gegen die Hisbollah im Libanon einzustellen und sich aus libanesischem Gebiet zurückzuziehen, heißt es in einer Analyse US-Instituts für Kriegsstudien (ISW). Dies diene Irans Bemühungen, nicht nur die Hisbollah zu erhalten, sondern auch die Atomverhandlungen in die Länge zu ziehen.

Was ist für die USA zentral? 

Die USA haben kein Interesse an einem Wiederaufflammen des Kriegs. Für sie ist zunächst wichtig, dass sich die Lage in der Straße von Hormus möglichst bald wieder normalisiert, und zwar ohne vom Iran erhobene Gebühren. Trump habe eine Öffnung der Meerenge mit militärischen Mitteln zwar mehrfach erwogen, schreiben die Experten des Soufan Centers in New York. »Er lehnte diese Option jedoch ab, da sie voraussichtlich zu erheblichen Verlusten auf US-Seite geführt und den Krieg auf unbestimmte Zeit verlängert hätte.«

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