Meinung

Champions League der Judenhasser

Antisemitische Attacken im Fußball zeigen: Hier ist noch mehr möglich als woanders

von Dietrich Schulze-Marmeling  29.04.2013 18:03 Uhr

Dietrich Schulze-Marmeling Foto: PR

Antisemitische Attacken im Fußball zeigen: Hier ist noch mehr möglich als woanders

von Dietrich Schulze-Marmeling  29.04.2013 18:03 Uhr

Reflexe setzen sehr schnell ein. Kaum, dass bekannt wurde, dass der Profifußballer Mario Götze vom alten Deutschen Meister Borussia Dortmund zum neuen Bayern München wechselt, riefen anonyme Fans des Ruhrgebietsvereins eine Facebookseite »Mario Götze du Judensohn« ins Leben. Über 900 »Likes« binnen vier Stunden deuten an, dass hier einer sehr dumpfen Gemeinde tief aus dem Herzen gesprochen wurde. Facebook sperrte die Seite schnell, aber die Frage bleibt, woher – gerade im Fußball – die Bereitschaft rührt, Kritik an Transfergeschäften oder Schiedsrichterentscheidungen antisemitisch vorzutragen.

Dortmund und mit ihm der Fußballclub BVB gelten als Hochburg der westdeutschen Neonazis. Viel zu lange wurde immer nur nach Ostdeutschland geschaut, wenn es um Rechtsextremismus ging. Gerade die fußballerischen Erfolge der letzten Jahre haben die Sensibilität der Verantwortlichen für dieses Thema schleifen lassen. Jüngst schlugen rechtsextreme Fußballfans in der Ukraine einen Fanbetreuer zusammen, und seit nicht allzu langer Zeit sind wieder die unangenehmen »Sieg«-Rufe von der berühmten Dortmunder Südtribüne zu hören. Das Schimpfen über »Söldner« und »Millionarios« ist inhaltlich nicht weit von der Beleidigung als »Judensohn« entfernt.

schmähung Doch die antisemitische Schmähung verweist auf noch mehr. Es gibt in diesem Land etwas, das man neue Lockerheit nennen könnte, wenn es um Juden geht. Der Fußball als ein sozialer Raum, in dem traditionell mehr erlaubt ist als in anderen gesellschaftlichen Bereichen, ermöglicht es gerade jungen Leuten, gegen vermeintliche politische Korrektheit zu stänkern. Und gerade wenn es um rational nur schwer nachvollziehbare Dinge geht – die im Fußballsport oft vorkommen –, wird gerne über »dunkle Mächte« schwadroniert, die in der immer noch präsenten antisemitischen Tradition schnell zu »jüdischen Mächten« werden.

Bayern München hat, mehr als andere deutsche Clubs, eine Tradition liberalen Judentums in seiner Vereinsgeschichte. Doch wie im nichtfußballerischen Leben auch: Um antisemitisch angegriffen zu werden, bedarf es gar keiner Juden. Und wie sie sich verhalten, hat mit der schlimmen Lust, sie zu attackieren, nichts zu tun. Reflexe setzen sehr schnell ein. Überall. Im Fußball nur ein bisschen schneller.

Der Autor ist Publizist in Altenberge bei Münster. Demnächst erscheint in zweiter Auflage sein Buch »Der FC Bayern und seine Juden« (Werkstatt-Verlag).

KZ Stutthof

Ehemalige Sekretärin kommt vor Gericht

Hauptverfahren gegen die 96-Jährige eröffnet – Vorwurf der Beihilfe zum Mord in mehr als 11.000 Fällen

 16.07.2021

Zentralrat der Juden

»Es bleiben Herausforderungen«

Josef Schuster über die Bundestagswahl, Altersarmut jüdischer Zuwanderer und den Kampf gegen Antisemitismus

von Leticia Witte  16.07.2021

USA

Hochrangiger US-General warnte vor »Reichstag-Moment« unter Trump

In den letzten Monaten der Präsidentschaft von Donald Trump hat US-Generalstabschef Mark Milley einem neuen Buch zufolge einen Putschversuch Trumps zum Machterhalt für möglich gehalten

von Denise Sternberg  15.07.2021

Fußball

Eklat: Spieler von Barcelona wollen nicht in Jerusalem antreten

Beitar sagt daraufhin das geplante Freundschaftsspiel gegen Messi und Co. ab

von Stefanie Järkel  15.07.2021

Berlin

Zentralrat der Juden lehnt Kooperation mit einigen Islamverbänden ab

Josef Schuster: »Wir sehen auch Verbände, die teilweise vom Ausland gesteuert und massiv beeinflusst werden«

 15.07.2021

Staatsbesuch

»Zeichen der Dankbarkeit«

Im Rahmen seiner Israel-Reise verlieh Bundespräsident Frank Walter Steinmeier den Verdienstorden der Bundesrepublik an vier herausragende Persönlichkeiten. Auszüge aus seiner Rede

 15.07.2021

Kommentar

Gefährliche Stille

Esther Schapira fordert, der Verunglimpfung von Journalisten endlich Einhalt zu gebieten

von Esther Schapira  15.07.2021 Aktualisiert

Meinung

Im Dialog bleiben

Warum wir uns anstrengen sollten, anderen Meinungen mit Argumenten statt mit Geschrei und Pöbelei zu begegnen

von Michael Brenner  15.07.2021 Aktualisiert

Begegnung

»Ihr seid die Zukunft!«

Junge Offiziere der Israel Air Force waren auf Einladung der Luftwaffe zu Besuch in Deutschland

 14.07.2021