Berlin

Canaan ohne Café Palestine

Die »Canaan Conference« wird vom Berliner Verein »Friedensfestival« organisiert Foto: canaan-conference.org

Ob es politischer Druck war, der die Organisatorinnen der »Canaan Conference« in Berlin dazu gebracht hat, einen antizionistischen Verein von ihrer Frauenfriedenstagung wieder auszuladen, lässt sich nicht sicher sagen. Jedenfalls konnte oder durfte die Gründerin des »Café Palestine« aus Freiburg, Gabi Weber, auf der Konferenz, die bis zum Donnerstag stattfand, ihren Verein nicht als ein »Best Practice Beispiel« für Verständigung im Nahen Osten präsentieren.

Die Canaan Conference wird vom Berliner Verein »Friedensfestival« organisiert. »45 Entscheidungsträgerinnen aus Israel, Palästina und Deutschland werden gemeinsam eine ›Roadmap for Peace‹ erarbeiten und daraus eine Petition entwickeln«, hieß es in der Einladung. Dass das Café Palestine nun fehlt, begründen die Veranstalterinnen in einer E-Mail an den Berliner Senat so: »Zur Vermeidung von weiterem Schaden« sei man »zu der pragmatischen Schlussfolgerung gelangt, dass das Café Palestine nicht an der Veranstaltung teilnimmt.« Der Jüdischen Allgemeinen sagten sie jedoch, Weber liege krank in ihrem Hotelzimmer, »manche Probleme lösen sich von selbst«.

lobby Weber selbst bestätigt die Ausladung und spricht von einem »unglaublichen Skandal, der sich hier gerade abspielt«. Proisraelische Lobbygruppen versuchten, ihre »private Existenz zu zerstören«. Das Bundesfamilienministerium, das die Konferenz mit 45.000 Euro fördert, teilt mit, das Café Palestine sei »auf Druck« des Ministeriums ausgeladen worden. »Andernfalls hätten wir die von uns gewährten Fördermittel zurückgefordert.«

Zunächst war die Canaan Conference von anderer Seite kritisiert worden. Die Anti-Israel-Kampagne BDS rief zum Boykott der Konferenz auf, denn hier würden die »Realitäten von Besatzung, Kolonisierung und Staatsgewalt« ignoriert. Deswegen wird in der Einladung zur Canaan Conference ausdrücklich darauf hingewiesen, dass man »kein Forum für die Promotion von BDS-Maßnahmen« sein möchte.

Zu den Sponsoren der Canaan Conference gehört neben dem Bundesfamilienministerium auch die Berliner Senatsverwaltung für Arbeit und Soziales. Beide waren alarmiert, als nach einem Bericht der »Bild am Sonntag« bekannt wurde, dass das Café Palestine als modellhaft gelobt werden sollte. Von einer möglichen »Mimikry« war in der Berliner Senatsverwaltung die Rede: Es seien vielleicht Gelder für eine Konferenz beantragt worden, die mit der, die nun stattfand, nicht viel zu tun hätte.

chanukka Nach der Nichtteilnahme von Frau Weber und ihrem Café Palestine besteht die Gefahr für die Organisatorinnen, dass sie Gelder zurückzahlen müssen, nicht mehr. Allerdings hatten die Veranstalterinnen noch bis zuletzt Webers Einladung verteidigt: Sie habe sich »mit viel Engagement den palästinensischen Boykott-Aufrufen entgegengestellt« und trete dafür ein, »dass israelische wie palästinensische Frauen eine gleichberechtigte Möglichkeit erhalten«, ihre Positionen vorzutragen.

Dass der öffentliche Teil der Konferenz auf Dienstagabend, den Beginn von Chanukka, fiel, bedauerten die Veranstalterinnen; es sei ursprünglich anders terminiert gewesen. »Wir wissen jedoch um die hoffnungsgebende Symbolik des Chanukkafestes«, hieß es, »und wünschen uns, dass diese Energie sich auch auf unserer Konferenz wiederfinden wird.«

Meinung

Berlin bekommt, was es verdient!

Ein Kommentar von Chefredakteur Philipp Peyman Engel zum Erdrutschsieg der Linkspartei in der Hauptstadt

von Philipp Peyman Engel  20.09.2026

Wahl in Berlin

Zentralrat der Juden warnt vor Regierungsbeteiligung der Linken

Präsident Josef Schuster hat sich trotz des Wahlsiegs der Partei Die Linke in Berlin dagegen ausgesprochen, diese mit Regierungsverantwortung zu betrauen

 20.09.2026

Landtagswahlen

Merz: CDU-Ergebnis in MV »ein Desaster«

Die CDU muss bei den Wahlen zu den Landesparlamenten in der Hauptstadt und im Nordosten Verluste einstecken. Der Kanzler und Parteivorsitzende äußert sich gleich kurz nach Schließung der Wahllokale

 20.09.2026

Landtagswahl

Hochrechnungen: Linke bei Berlin-Wahl klar vor CDU

In den Umfragen lagen Linke und CDU zuletzt in etwa gleichauf. Nach den ersten Zahlen deutet sich ein deutlicher Gewinner an

 20.09.2026 Aktualisiert

Landtagswahl

Hochrechnungen: AfD knapp vor SPD in MV - CDU zittert

In Mecklenburg-Vorpommern hat Ministerpräsidentin Manuela Schwesig mit ihrer SPD in den vergangenen Wochen eine Aufholjagd hingelegt. Nach ersten Zahlen verfehlt ihre Partei dennoch Platz eins

 20.09.2026 Aktualisiert

Nahost

Regierungstruppen im Jemen erobern Gebiete von Huthi zurück

Nach der Blitzoffensive der Huthi laufen die Gefechte im jemenitischen Gebirge weiter. Einen strategischen Erfolg kann aber keine der Konfliktparteien erreichen

 20.09.2026

Sachsen-Anhalt

Halle: Gemeindevorsitzender hat keine Angst vor AfD-Regierung

Max Privorozki kritisiert in einem aktuellen Interview das Geschichtsbild der AfD in Sachsen-Anhalt. Er wolle jedoch abwarten, »was die Partei tatsächlich umsetzen würde«

 20.09.2026

Kommentar

Wo ist mein Berlin, in dem es keinen Hass auf Juden mehr geben sollte?

Unsere Gastautorin Dorothea Schupelius warnt vor der unheiligen Allianz der Linkspartei mit radikalen Muslimen - und vermisst das Berlin, in dem sie aufgewachsen ist

von Dorothea Schupelius  20.09.2026

Nahost

Bedroht der Huthi-Vormarsch im Jemen den Welthandel?

Die Huthi-Miliz bringt im Jemen die Einfahrt zum Roten Meer unter ihre Kontrolle. Bisher scheint sich die Lage für die Schifffahrt nicht zuzuspitzen

 20.09.2026