Parlament

Bundestag debattiert Maßnahmen zur Antisemitismus-Bekämpfung

Im Bundestag ging es am Freitag um die Bekämpfung des Antisemitismus. Foto: picture alliance/dpa

Der Bundestag hat am Freitagvormittag Maßnahmen zur Bekämpfung von Antisemitismus debattiert. Die CDU/CSU-Fraktion hatte eigene Anträge zum Schutz jüdischen Lebens sowie Entwürfe zur Verschärfung des Strafrechts, unter anderem bei antisemitischen Äußerungen und Terrorunterstützung, und der Anpassung des Ausländerrechts eingebracht.

Bereits im November vergangenen Jahres hatten die Regierungsfraktionen und die Unionsfraktion jeweils einen Entschließungsantrag formuliert. Erklärte Absicht war, einen gemeinsamen Antrag der demokratischen Mitte zu formulieren. Dies führte in dieser Woche zum offenen Streit, der auch die Debatte im Bundestag bestimmte.

Die Redebeiträge waren geprägt von gegenseitigen Vorhaltungen, das gemeinsame Vorgehen zu blockieren. Von parteipolitischen Manövern, Aufkündigung des Konsenses und von Scheindebatten war die Rede.

Interne Konsensbildung

Die Union beharrte weiterhin darauf, dass ihr kein endgültiger Entwurf für den Antrag der Regierungsfraktionen vorliege. Es gebe bei SPD, Grünen und FDP keine klare Linie. Und der Abgeordnete Günter Krings (CDU) sagte: »Es braucht konkrete Gesetzesänderungen, um unseren jüdischen Mitbürgern wieder die Sicherheit zu garantieren, wie wir ihnen schuldig sind.« Er bedauerte, dass »die interne Konsensbildung in der Ampel« noch nicht abgeschlossen sei.

Die Grünen-Politikerin Lamya Kaddor entgegnete, dass es seit Anfang der Woche ein gemeinsames Papier der Regierungsfraktionen gebe. Und sie forderte zu gemeinsamen Handeln auf: »Die jüdische Community erwartet zu Recht, dass wir als demokratische Fraktionen dieses höchsten Hauses unseres Landes unsere parteipolitischen Interessen zur Seite werfen und uns zu einer gemeinsamen, unmissverständlichen und wahrhaftigen Reaktion zusammenraufen.« 

Die SPD-Abgeordnete Luiza Licina-Bode machte am Ende der Aussprache noch deutlich, warum die Unions-Vorschläge zur Änderung des Strafgesetzbuches von ihrer Fraktion abgelehnt werden. So gebe es unter anderem gegen die Forderung der strafrechtlichen Ahndung des Existenzrechtes des Staates Israel verfassungsrechtliche Bedenken.

Ohne Zustimmung

Nach fast eineinhalbstündiger, teils lebhafter Debatte wurden die Anträge und Gesetzentwürfe der CDU/CSU-Fraktion mit der Mehrheit der Regierungsfraktionen abgelehnt.

Nach der Debatte sagte der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Dirk Wiese unserer Zeitung: »Wir bieten der Union nochmals Gespräche an. Unser Ziel ist und bleibt ein gemeinsamer Antrag.«

Am vergangenen Dienstag hatte CDU-Fraktionschef Friedrich Merz erklärt, dass man sich seit mehr als fünf Monaten bemüht habe, entsprechende Texte mit der Koalition abzustimmen, und bringe daher die Anträge nun ohne deren Zustimmung ein.

Primat der Parteipolitik

Am Mittwoch verbreiteten die stellvertretenden Vorsitzenden der Regierungsfraktionen eine Erklärung. Darin formulieren Dirk Wiese (SPD), Konstantin von Notz (Bündnis 90/Grüne) und Konstantin Kuhle (FDP): Die Union kündige das gemeinsame Vorgehen gegen Antisemitismus auf: »Der Schutz jüdischen Lebens und die Solidarität mit Jüdinnen und Juden muss fraktionsübergreifender Konsens der Demokratinnen und Demokraten sein. Der einseitige Ausstieg von CDU und CSU aus den Verhandlungen schadet diesem Anliegen.« 

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hatte zuvor in der »Jüdischen Allgemeinen« kritisiert, dass sich wieder einmal das Primat der Parteipolitik durchgesetzt habe. Der Schutz jüdischen Lebens lasse aber keinen Raum für politisches Taktieren. »Die Fraktionen sind in der Pflicht, den Geist der ursprünglichen Anträge zu erhalten und eine fraktionsübergreifende Antwort auf den anhaltenden Judenhass im Land zu geben.«

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der Zentralrat hatte die Fraktionen noch kurzfristig für Freitagmorgen zu einem Vermittlungsgespräch eingeladen. Doch das musste nun ausfallen. »In der Kürze der Zeit konnte ein solches Gespräch, das auch zielführend sein muss, leider nicht realisiert werden. Wir sind zudem der Auffassung, dass die Fraktionen untereinander einigen Klärungsbedarf haben, bevor es zu dieser Vermittlung kommen kann«, teilte ein Zentralratssprecher mit. »Es bleibt das Ziel, ein solches Gespräch zu einem späteren Zeitpunkt zu führen.« ddk

Interview

»Aufklärung im Hier und Jetzt«

Marina Müller über antisemitismuskritische Bildungsarbeit, die Rolle von Lehrern und das neue Projekt von »Zeugen der Zeitzeugen«

von Leon Stork  10.08.2026

Berlin

Bund gibt mehr Geld für Gedenkstätten

Die deutschen Gedenkstätten erhalten von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mehr Fördermittel - für Projekte, aber auch für den Schutz der Orte und Mitarbeiter.

 10.08.2026

Magdeburg

Sachsen-Anhalt: AfD und BSW legen zu

Die Rechtsaußenpartei baut ihren Vorsprung in Sachsen-Anhalt einer neuen Umfrage zufolge weiter aus. Die Wagenknecht-Partei wiederum könnte zum entscheidenden Machtfaktor werden

 10.08.2026

Bayern

Erneut Ermittlungen gegen Aiwangers Ex-Lehrer

Vor drei Jahren rüttelte die Flugblattaffäre um Hubert Aiwanger die bayerische Landespolitik heftig durcheinander. Viele haben das schon wieder vergessen. Nicht so die Staatsanwaltschaft Regensburg

 10.08.2026

Teheran

Modschtaba Chamenei in »äußerst kritischem Zustand«

»Wir wären nicht überrascht, wenn wir bald die Nachricht von seinem Märtyrertod hören würden«, heißt es aus dem Umfeld der Regierung von Präsident Masoud Peseschkian

 10.08.2026

Washington D.C.

Trump ernennt jüdischen Juristen zum neuen Rechtsberater des Weißen Hauses

»Will ist hart, stark und klug! Er liebt auch unser Land und respektiert das Gesetz«, sagt der amerikanische Präsident

 10.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026

Itzehoe

Wie ein KZ-Überlebender und ein Ex-Nazi ein Mahnmal schufen

Ein früherer KZ-Häftling und ein Architekt mit Nazi-Vergangenheit bauen gemeinsam ein Mahnmal. Die ungewöhnliche Geschichte des Filmproduzenten Gyula Trebitsch und des Architekten Fritz Höger

von André Klohn  10.08.2026

Washington D.C.

Trump zu Iran-Diplomatie: »Es ist wie eine Schachpartie«

Auf die neuen Bedingungen Teherans zur Öffnung der Straße von Hormus reagiert US-Präsident Trump demonstrativ gelassen. Ein weiterer Militäreinsatz scheint erst einmal vom Tisch zu sein

 10.08.2026