AfD

Büronachbar Neonazi

Bundestagsabgeordnete der AfD Foto: picture alliance / Flashpic

Die Verwunderung verwundert. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thorsten Frei aus dem Schwarzwald war »verblüfft« von der »enormen« Zahl der rechtsextremistischen Mitarbeiter bei der AfD im Bundestag, wie der SWR meldete.

Der Sender BR hatte recherchiert, dass mehr als 100 Mitarbeiter von AfD-Bundestagsabgeordneten Verbindungen zu Organisationen haben, die von den Verfassungsschutzbehörden als rechtsextrem eingestuft werden. Darunter sind Aktivisten aus dem Umfeld der Identitären Bewegung, ideologische Vordenker der Neuen Rechten sowie auch mehrere Neonazis.

Frei forderte Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) zu einer »Bestandsaufnahme« auf, aus der dann die »entsprechenden Konsequenzen« gezogen werden müssten. »Es wäre ein Unding und absolut inakzeptabel, wenn die AfD Rechtsextremisten beschäftigt.«

Es war eine neuerliche Erregung im politischen Berlin, aber kein ganz neues Problem.

Es war eine neuerliche Erregung im politischen Berlin, aber kein ganz neues Problem. Schon im April 2018 – gut ein halbes Jahr nach der Bundestagswahl 2017 – hatte die »taz« berichtet, dass mit dem Einzug der AfD in den Bundestag ein »riesiger Stellenmarkt« entstanden sei: »Rechte Netzwerke haben nun Zugang zu Ressourcen, Einfluss und sensiblen Informationen.«

Aus 23 der 92 Abgeordnetenbüros gebe es Verbindungen zu extrem rechten Parteien, Thinktanks, Medien, Burschenschaften und anderen Organisationen. Von einem Netzwerk als »Bindeglied zwischen extremer Rechter und Rechtspopulismus« war die Rede.

Im Dezember 2023 wies auch der sächsische CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz auf einem Podium in Berlin auf die Dimension hin: An den Mandaten der AfD im Bundestag, den Landtagen und im Europaparlament hingen »Tausende von Mitarbeitern«, die »in der Regel noch radikaler sind als ihre Abgeordneten«. Damit es kein Missverständnis gibt: Es ist extrem wichtig, den Fokus auf diesen Missbrauch von Staatsgeld zu legen.

Die Bundestagsverwaltung stellt seit März 2024 jedem Bundestagsabgeordneten für die Bezahlung seiner Mitarbeiter eine Pauschale von fast 26.000 Euro zur Verfügung, über deren Verwendung dieser frei entscheiden kann. Angestellte Mitarbeiter in Vollzeit verdienen laut BR zwischen 2000 und fast 9600 Euro brutto im Monat.

Zwar hat der Bundestag eine »Zuverlässigkeitsprüfung« eingeführt, bevor ein Hausausweis an Mitarbeiter vergeben wird. Die Prüfung muss neuerdings jährlich wiederholt werden. Laut BR gibt die Bundestagsverwaltung allerdings an, in der aktuellen Legislaturperiode nur zwei Beschäftigten von Abgeordneten oder Fraktionen den Bundestagsausweis nicht erteilt oder entzogen zu haben.

Das Missverhältnis zwischen der Dimension des Problems und tatsächlichen Konsequenzen machte es der AfD relativ leicht, von einer »Kampagne« zu sprechen.

Das Missverhältnis zwischen der Dimension des Problems und tatsächlichen Konsequenzen machte es der AfD relativ leicht, von einer »Kampagne« zu sprechen. Die Beschäftigten der AfD seien »unbescholtene Bürger«, sagte Parteichef Tino Chrupalla. Nur im Einzelfall zieht die AfD Konsequenzen – zur Schadensbegrenzung.

So hatte Wladimir Sergijenko, ein Kreml-naher Aktivist mit Verbindungen zum russischen Geheimdienst FSB, für den nordrhein-westfälischen AfD-Bundestagsabgeordneten Eugen Schmidt gearbeitet. Der Kreml-Propagandist gab die Arbeit für Schmidt im Februar auf, angeblich auf eigenen Wunsch: »Die gegen ihn gerichtete Medienkampagne« habe eine »Weiterführung seiner Arbeit unmöglich« gemacht, schrieb Schmidt auf Facebook.

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  26.10.2026

Wilko Möller (AfD), Landtagsabgeordneter in Brandenburg, guckt nachdenklich

Rechtsextremismus

Urteil gegen AfD-Politiker wegen Wahlplakats rechtskräftig

Hat der AfD-Abgeordnete Wilko Möller mit einem »Hitlergruß« auf Plakaten Wahlkampf gemacht? Das Landgericht Frankfurt (Oder) hatte ihn zu einer Geldstrafe verurteilt. Dagegen legte der Politiker Revision ein – vergeblich

 26.10.2026

Leerer Klassenraum (Symbolbild)

Hessen

Strafverfahren gegen Lehrer wegen israelfeindlicher Posts eingestellt

Wegen Instagram-Beiträgen, die als »antisemitisch und israelfeindlich« eingestuft wurden, ist ein Gymnasiallehrer seit einem Jahr vom Dienst suspendiert. Ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung wurde nun eingestellt

 26.10.2026

Krieg

Selenskyj: Warten fast einen Monat auf Hegseth-Unterschrift

Der Ukraine mangelt es nach eigenen Angaben an Raketen zur Abwehr russischer Angriffe. Nun äußert Präsident Selenskyj Kritik am US-Verteidigungsminister Hegseth

 26.10.2026

Deutschland

Zentralrat der Juden warnt vor möglicher antisemitischer Gewalt bei Protesten am 31. Oktober

In einem Schreiben wird für das Wochenende zu Vorsicht und verschärften Sicherheitsmaßnahmen geraten

 26.10.2026

Regierungsbildung

Berliner SPD plant Mitgliederbefragung über Koalition

Die Basis soll über eine Koalition mit Linken und Grünen mitentscheiden

 26.10.2026

Debatte

Zentralrat der Juden warnt vor AfD in Sachsen-Anhalt und nimmt Linke in Berlin Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Präsident Josef Schuster blickt sorgenvoll auf zwei deutsche Bundesländer

 26.10.2026

Berlin

Linke-Kandidat für Neukölln: Recherchen dokumentieren Nähe zu PFLP-Sympathisanten

Ein Dossier der Monitoringgruppe Amit, über das die »Welt« berichtet, dokumentiert mehrere Berührungspunkte des 45-jährigen Rechtsanwalts mit Personen und Veranstaltungen, bei denen Sympathien für die Organisation erkennbar waren.

 26.10.2026

Berlin

Schuster: Nehme der Linken Abkehr von Antisemitismus nicht ab

Der Kampf gegen Judenhass erschwert die Gespräche über Rot-Grün-Rot in Berlin. Eine Erklärung der Linken reicht dem Präsidenten des Zentralrats der Juden nicht

 26.10.2026