Einspruch

Brexit und andere Flüche

Nele Pollatschek Foto: privat

Einspruch

Brexit und andere Flüche

Nele Pollatschek macht ihrem Ärger über den EU-Austritt Großbritanniens Luft

von Nele Pollatschek  30.01.2020 09:20 Uhr

Es ist so weit. Der Brexit kommt. Tatsächlich. Wirklich. Echt. Praktisch ohne Vorwarnung. Einfach so. Das tut mir unendlich leid. Ich habe sieben Jahre lang in England studiert, in Oxbridge, also den Universitäten Oxford und Cambridge, am Ursprung der Macht und der englischen Elite. In Oxbridge habe ich vieles gelernt. Ich habe gelernt, wie man einen Essay schreibt. Ich habe gelernt, wie man korrekt eine Tasse Tee trinkt. Ich habe gelernt, wie man eine Unterhaltung mit der Queen führt. Vor allem aber habe ich gelernt, wie man flucht.

Denn anders als in Deutschland gehört in England Fluchen zum guten Ton. »Bugger, bollocks« und so weiter – so spricht die englische Upperclass. Wer nicht flucht, so die Upperclass, hält sich aus Bürgerlichkeitsambitionen an arbiträre sprachliche Regeln. Wer wirklich Klasse hat, muss keine Regeln befolgen, um diese Klasse zu wahren.

elite Keine Regeln befolgen, diese Fähigkeit hat die englische Elite in den letzten Jahren zur Genüge unter Beweis gestellt, allen voran der in Eton und Oxford geschulte Boris Johnson. Um das Brexit-Referendum 2016 zu gewinnen, hat die Leave-Kampagne nachweislich und wissentlich das Volk in großem Stil belogen.

Als das Parlament im Oktober 2019 seinem Brexit-Deal nicht zustimmen wollte, versuchte Johnson kurzerhand, es widerrechtlich zu schließen. Während des Wahlkampfs im Dezember 2019 benannte die Regierung ihren Twitter-Account in »factcheckUK«, behauptete also, die Tory-Regierung wäre ein unabhängiger Faktenprüfer.

All das widerspricht den Regeln der Demokratie. Vor einigen Jahren wäre solches Verhalten undenkbar gewesen. Jetzt hat es der Elite um Boris Johnson erst ein Referendum und dann einen Wahlsieg eingebracht, und am 31. Januar führt es England endgültig aus der EU. Dazu lässt sich eigentlich nur noch eines sagen – ich zitiere: »Bugger, bollocks« und so weiter.

Nele Pollatschek hat soeben ihr Buch »Dear Oxbridge« veröffentlicht.

Wirtschaft

Weiter wenig Schiffsverkehr durch Straße von Hormus

Vor dem Krieg passierten täglich Hunderte Schiffe die Meerenge. Dann kam der Verkehr weitgehend zum Erliegen, weil der Iran Reedern drohte. Kommt nach der Einigung mit den USA ein Aufschwung?

 18.06.2026

Interview

»Die Anständigen sind zu leise«

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) über Antisemitismus, wachsende Zustimmung zur AfD und die Rolle sozialer Medien

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Diplomatie

Israel bricht Beziehungen zu EU-Außenbeauftragter Kallas ab

Außenminister Gideon Sa’ar will mit Kaja Kallas so lange nicht mehr reden, bis sie sich für ihren angeblichen Vorwurf, Israel praktiziere Apartheid, entschuldigt

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Bremen

Acht Meter breite Parolen an Schulen gesprüht

Unbekannte haben zwei Schulzentren im Bremer Stadtteil Walle mit großflächigen Farbschmierereien beschädigt. Sie schrieben unter anderem »FCK ISRAEL« und »Free Palestine«

 18.06.2026

Rias-Antisemitismusbericht

Bitterer Alltag

Manchmal sind es Gesten, manchmal Pöbeleien, manchmal übelste Drohungen und Gewalt: Jüdinnen und Juden erleben in Deutschland täglich Feindseligkeit. Was tut die Gesellschaft?

von Verena Schmitt-Roschmann  18.06.2026

G7-Gipfel

Trump unterzeichnet Rahmenabkommen zwischen USA und Iran in Versailles

Überraschend unterschrieb der US-Präsident Donald Trump das Abkommen mit dem Iran bereits am Mittwoch an dem historischen Ort

 18.06.2026 Aktualisiert

USA

Nach antisemitischer Bewerbung: Rechtsextreme feiern Cornell-Studenten

Der 19-jährige Austin Franco wird für ein Praktikum von einem Softwareunternehmen der Brüder Gabe und Aiden Einhorn angenommen. Doch dann schreibt er, er sei »nicht daran interessiert, für einen Juden zu arbeiten«

 18.06.2026

G7-Gipfel

Trump verteidigt Iran-Abkommen und kritisiert Israels Vorgehen

Zwar habe der jüdische Staat das Recht, sich zu verteidigen. Gleichzeitig gehe das Land nach seiner Auffassung mitunter unverhältnismäßig vor, so der amerikanische Präsident

 18.06.2026

Meinung

Letzte Chance für die Linke

Viele Juden haben »Die Linke« schon abgeschrieben. Doch nach wie vor gibt es dort Mitglieder, die den Antisemitismus innerhalb der Partei bekämpfen. Hoffentlich setzen sie sich auf dem Bundestreffen in Potsdam durch

von Mascha Malburg  18.06.2026