Meinung

Braune Heimat

Vor wenigen Tagen wurde gemeldet, dass Adolf Hitler jetzt die Ehrenbürgerschaft der Stadt Stavenhagen in Mecklenburg-Vorpommern aberkannt wurde. Man muss nicht denken, dass in 40 Jahren DDR der Anstreicher aus Braunau in Stavenhagen öffentlich verehrt worden wäre. Aber bei der Entnazifizierung von Straßen oder Schulnamen wurde vergessen, sich auch einmal die Liste der städtischen Ehrenbürger genau anzusehen.

Viele westdeutsche Städte haben sich ebenfalls erst sehr spät mit diesem Thema befasst, oft erst in den vergangenen zehn Jahren. Da bleibt mehr als nur eine Spur ungläubigen Unbehagens über diese Geschichtsvergessenheit. Es ist jedoch kein Zufall, dass NS-Geschichte erst etliche Jahrzehnte nach dem Ende des »Tausendjährigen Reichs« auf die Agenda kam und immer noch kommt.

randthema Unter dem Titel »Entnazifizierte Zone – zum Umgang mit der Zeit des Nationalsozialismus in ostdeutschen Stadt- und Regionalmuseen« haben sich jüngst in Potsdam Historiker des Themas angenommen. Die Behandlung der NS-Zeit sei in den östlichen Bundesländern »immer noch ein Randthema«, kritisiert der Museumsverband Brandenburg. Aber auch die DDR-Diktatur und die Verfehlungen vieler Bürger im SED-Staat würden von den meisten Heimat- und Regionalmuseen nur ungenügend thematisiert. »Es gibt da eine gewisse Beißhemmung«, sagt Irmgard Zündorf vom Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam.

Fragt man nach den Gründen, wird schnell klar, dass Geschichte dann leicht darstellbar ist, wenn es Schlösser oder Skelette von Steinzeitmenschen gibt. Aber die Dokumentation von NS-Geschichte etwa im Kontext von Konzentrationslagern oder lokalen Außenlagern ist zu schmerzlich. So etwas wird gerne verdrängt.

Was also soll in den Heimatmuseen geschehen? Wenn eine angemessene Aufarbeitung nicht nur der Initiative einzelner engagierter Kuratoren überlassen bleiben darf, sollen sich Bürger und Schüler vor Ort engagieren – zum Beispiel in Geschichtswerkstätten. Dann dürfte es spannend werden, denn diese kleinen Heimatmuseen könnten großen Zuspruch erfahren. Die Erfolgsgeschichte der großen NS-Dokumentationen von Dachau bis Berlin, die allesamt von Bürgerinitiativen erstritten wurden, belegt dies mit ihren hohen Besucherzahlen.

Der Autor ist Historiker, Direktor des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors und Rabbiner der Synagoge Hüttenweg der Jüdischen Gemeinde zu Berlin.

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Nahost

Julia Klöckner besucht Gazastreifen

Im Oktober 2025 ist das Waffenstillstandsabkommen in Kraft getreten. Nun besucht die Bundestagspräsidentin den von Israel kontrollierten Teil des Gebiets

 12.02.2026

Karlsruhe

Klage gegen Rüstungsexport für Israel scheitert vor Bundesverfassungsgericht

Waffenlieferungen nach Israel lösten in den letzten Jahren schon einige Debatten aus. Ein Palästinenser hat vor dem Bundesverfassungsgericht dagegen geklagt. Karlsruhe hat sich nun geäußert

 12.02.2026

Washington D.C.

Opfer-Namen in Epstein-Akten: US-Ministerin räumt Fehler ein

Es hagelt Kritik am Umgang der Trump-Regierung mit den Epstein-Akten. Nun bezieht Justizministerin Pam Bondi Stellung

 12.02.2026

Paris

Frankreich fordert Rücktritt von Francesca Albanese

Außenminister Jean-Noël Barrot wirft ihr vor, mit jüngsten Äußerungen rote Linien überschritten zu haben

 12.02.2026

Arlington (Virginia)

Pentagon erwägt Verlegung eines weiteren US-Flugzeugträgers in den Nahen Osten

Die USS George H.W. Bush könnte kurzfristig in die Region fahren, um die amerikanische Militärpräsenz in der Nähe des Irans zu verstärken

 12.02.2026

New York

UN-Glückwünsche an Iran stoßen auf scharfe Kritik

Menschenrechtsexperten und Aktivisten sehen die Botschaft als problematisches Signal

 12.02.2026

Melbourne

Herzog warnt vor Judenhass in Australien

Der Staatsbesuch des israelischen Präsidenten löste Proteste im Land aus. Herzog sagte, er habe eine Botschaft des guten Willens nach Australien gebracht und hoffe auf eine Entspannung der Lage

 12.02.2026 Aktualisiert

New York

Epstein-Akten: Falsche Leiche zur Ablenkung der Medien

Der Tod des jüdischen Straftäters ist Gegenstand etlicher Verschwörungserzählungen. In einem Dokument aus den jüngst veröffentlichten Akten wird der Abtransport der Leiche zur Gerichtsmedizin beschrieben

 11.02.2026