Großbritannien

Bischof und Holocaustleugner

Richard Williamson leugnete in einem TV-Interview die Existenz von Gaskammern Foto: imago stock&people

Großbritannien

Bischof und Holocaustleugner

Mit einem Interview zum Holocaust löste er 2009 eine schwere Krise im Vatikan aus. Nun ist Richard Williamson gestorben

 30.01.2025 09:20 Uhr

Der Traditionalisten-Bischof Richard Williamson ist tot. Er starb nach einer Hirnblutung im Alter von 84 Jahren in einer britischen Klinik, wie das Generalhaus der katholischen Piusbruderschaft mitteilte.

Der Kaufmannssohn aus Buckinghamshire war in der anglikanischen Kirche aufgewachsen und 1971 in die katholische Kirche aufgenommen worden. Nach dem Studium im Seminar der damals noch nicht von Rom getrennten Piusbruderschaft (SSPX) wurde er 1976 in Econe (Schweiz) zum Priester geweiht.

1988 weihte der Gründer dieser erzkonservativen Vereinigung, Erzbischof Marcel Lefebvre, Williamson zusammen mit drei weiteren Männern zum Bischof. Das geschah gegen den Willen von Papst Johannes Paul II. und führte zur Exkommunikation Lefebvres und der von ihm geweihten Bischöfe. Dennoch blieben die Weihen gültig.

Lesen Sie auch

In einem 2009 ausgestrahlten Interview mit einem schwedischen Fernsehsender leugnete Williamson den Holocaust und löste damit eine schwere Krise im Vatikan aus. Weil Papst Benedikt XVI. zeitgleich den Ausschluss der vier Lefebvre-Bischöfe aus der kirchlichen Gemeinschaft aufgehoben hatte, sah er sich mit dem Vorwurf konfrontiert, er habe einen Holocaust-Leugner begnadigt. Später entschuldigte sich der Papst in einem Brief an alle Bischöfe für sein ungeschicktes Verhalten.

Ronald Lauder, Präsident des Jüdischen Weltkongresses, erklärte damals als Reaktion darauf: »Es ist gut, dass der Hassprediger und Holocaust-Leugner Williamson endlich in die Wüste geschickt wurde. Aber diese Entscheidung hätte die Führung der Piusbruderschaft schon vor Jahren treffen sollen, als der Geistliche offen die Existenz von Gaskammern leugnete. Es ist zu wenig und kommt zu spät.«

Die Leugnung der Judenvernichtung durch die Nazis hielt Williamson trotz Mahnungen aus dem Vatikan und aus seiner Piusbruderschaft aufrecht. 2012 wurde er wegen Ungehorsams bei der SSPX ausgeschlossen. Seither gehörte er zum Milieu der »Sedisvakantisten«. Diese Gruppe leugnet die Rechtmäßigkeit des Papstes in Rom und sieht die katholische Kirche auf einem modernistischen Irrweg.

Williamson weigerte sich zeitlebens, seine Ansichten über die Schoa zu revidieren, und verbreitete über seinen Newsletter auch antisemitische Verschwörungstheorien. »Tatsache ist, dass die sechs Millionen Menschen, die angeblich vergast wurden, eine riesige Lüge darstellen«, schrieb er 2010 an seine Mitbrüder in der Priesterbruderschaft und behauptete, dass auf dieser »Tatsache« eine »völlig neue Weltordnung aufgebaut« worden sei. Die Juden, so der Bischof, seien »dank der Konzentrationslager zu Ersatzrettern geworden«.

In Regensburg wurde ihm wegen Volksverhetzung eine Geldstrafe von 12.000 Euro auferlegt, die im Berufungsverfahren 2013 auf 1800 Euro verringert wurde. kna/ja

Kiev

Israelischer Unternehmer klagt gegen Selenskyj

Timur Mindich reicht Klage gegen ein Präsidialdekret ein, mit dem persönliche Sanktionen gegen ihn verhängt worden waren

 21.05.2026

Sachsen-Anhalt

Szenario: Gegängelte Bildung, mehr rechte Gewalt mit AfD-Regierung

Laut Umfragen könnte die AfD im September in Sachsen-Anhalt an die Regierung kommen. Was das für Auswirkungen hätte, hat die Amadeu Antonio Stiftung skizziert

von Lukas Philippi  21.05.2026

Meinung

Iranischer Staatsterror: Zeit zu handeln, Herr Bundeskanzler!

Die Islamische Revolutionsgarde des Iran wollte den Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft zufolge Josef Schuster und Volker Beck ermorden lassen. Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben

von Michael Thaidigsmann  21.05.2026

Berlin

Zentralrat der Juden distanziert sich von Itamar Ben-Gvir

Ein Video des rechtsextremen israelischen Ministers sorgt weltweit für Empörung. Auch die Vertretung der Juden in Deutschland äußert sich

 21.05.2026

Hamburg

Teheraner Regime soll Ermordung von Josef Schuster geplant haben

Das iranische Mord-Komplott richtete sich auch gegen den Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck

 21.05.2026 Aktualisiert

Berlin

Zentralrat startet Initiative gegen Antisemitismus im Fußball

Slogans wie »Aus Liebe zum Spiel. Gegen Antisemitismus« sowie »Mitfiebern. Gegen Antisemitismus« sollen zum DFB-Pokalfinale auf digitalen Werbetafeln zu sehen sein

 21.05.2026

Tacheles-Preis

»Ihr prägt den Journalismus. Ihr prägt unser Land«

WELT-Chefredakteur Helge Fuhst hielt die Laudatio auf die Jüdische Allgemeine. Eine Dokumentation

von Helge Fuhst  21.05.2026

Nahost

Strategische Oberhand

War der Krieg gegen das iranische Regime ein Fehlschlag? Eine Analyse

von Michael Wolffsohn  21.05.2026

Dokumentation

»Mehr Mut zu unbequemen Wahrheiten!«

Die Jüdische Allgemeine ist mit dem Tacheles-Preis ausgezeichnet worden. Hier dokumentieren wir die Dankesrede von JA-Chefredakteur Philipp Peyman Engel

von Philipp Peyman Engel  21.05.2026